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TATORT (NDR) - Die Ballade von Cenk und Valerie (6. Mai)

04.05.2012

Aufregung um Kanzler Grasshoff

Ein spektakuläres Szenario, das Die Ballade von Cenk und Valerie da mal ratzfatz in der ersten Viertelstunde entfaltet. Welt der Hochfinanz? Am Sonntagabend? Cenk Batu ist einer von mehreren verdeckten Ermittlern der Regierung des neuen Bundeskanzlers Grasshoff, die sich zum Ziel gesetzt hat, illegale Finanzgeschäfte aufzudecken und Beweise gegen deren selten durchschaubares System zu beschaffen. Nun aber los: Occupy TATORT! Von WOLF SENFF

 

Undurchschaubar? Die Banker entlarven sich letzten Endes als Nebenhandlung, und das ist der Platz, der ihnen zukommt. »Windmühlen«, es geht um den »Kampf gegen die Windmühlen der krisengeschüttelten Finanzwelt«, und deren Akteure  – ein peinliches Pack, irgendwie Zombies, lebensmüde, größenwahnsinnig, stets gut drauf: »Warum glauben immer alle, dass man im  Leben anderen helfen soll?«  – brüllendes Gelächter.

 

Bei einem solchen Film fällt es schwer, zu erklären, weshalb er einem nahegeht. Man will oft gar nicht alles erklärt wissen. Wie gesagt, diese »Ballade« ist kein Film, der darauf aus wäre, uns Unwägbarkeiten von Politik zu erklären. Die menschliche Dramatik, die Verstrickungen sind ungewöhnlich dicht (Buch & Regie: Matthias Glasner) und von ihnen geht eine faszinierende Spannung aus, die vom Ensemble überzeugend umgesetzt wird, auch seitens der Banker (Christoph Letkowski als Andreas Dobler). Ergreifend, wie die Figur Kilian (Andreas Nay) im Fortgang des Films sich selbst und – jetzt wird’s kompliziert – den Fortgang des Films verändert.

 

Kilians Mutter Valerie (Corinna Harfouch), einst eine legendäre Auftragskillerin, ist die zentrale Gegenfigur, sie nimmt Gloria (Anna Bederke), die Freundin von Cenk Batu (Mehmet Kurtulus), als Geisel und erpresst Batu, den Bundeskanzler zu ermorden. Valeries Persönlichkeit wird, so ihr ehemaliger Arzt, »in keiner Weise durch Empathie gestört«, sie ist als Figur völlig grenzwertig, sie ist düster, vom Tod gezeichnet; es ist hohe darstellerische Kunst, dass uns Valerie nicht als seelenloses Monster begegnet, sondern stets als Mensch präsent bleibt.

 

Nie entsteht der Eindruck, es würden Klischees bedient. Trotz der auf ein anspruchsvolles Niveau sortierten Handlung bleibt das Geschehen realistisch und bodenständig. Der neue Kanzler (Kai Wiesinger): pragmatisch, sympathisch.

 

Das Drehbuch hält sich mit Action keineswegs zurück. Attentat, Schwangerschaft, Geiselnahme, Erpressung, »Maulwurf«, reichlich MEK/SEK etc. pp. Nicht zu vergessen die Welt unserer Finanzhaie mit dem Attentatsauftrag. Wir neigen dazu, in solchen Fällen übersättigt auf Durchzug zu schalten: Nun lass mal gut sein. Doch Die Ballade von Cenk und Valerie lässt uns nicht los, keine Sekunde. Durch Cenk Batu ist die Figur eines verdeckten Ermittlers zu einer vielversprechenden TATORT-Variante geworden; Mehmet Kurtulus wird vermisst werden. Ja, so möchten wir unterhalten sein am Sonntagabend! 

 

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