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Montag, 27. März 2017 | 06:51

 

TATORT (WDR) - Keine Polizei (08.01.2012)

08.01.2012

Familien am Rande des Nervenzusammenbruchs

Dieser TATORT bietet stabile Spannung, Vielschichtigkeit in einem kompakten Setting, tragische Wendungen und ein überaus interessantes Nebenfigurenkabinett. Außerdem: Wann geschieht es schon einmal, dass in nur einem TATORT gleich zwei Verbrechen aufgeklärt werden - dafür sei dem Dicken und dem Schmucken hier von HANNS-WERNER PRUNCK Respekt gezollt!

 

Ein Rentner liegt tot im Herbstlaub des Klingelpützparks. Ein Elektroschocker hat den Herzstillstand herbeigeführt. Eine Zeugin berichtet zudem von der Entführung eines jungen Mannes in einem weißen Transporter. Doch niemand wird vermisst. Das erinnert Schenk an einen alten Fall: die Entführung von Elmar Schmitz-Thom (Oliver Bröcker), die damals ohne Polizei beendet wurde.

 

Und es findet sich bald ein weiterer Hinweis: Ein herrenloses Käfer-Cabrio mit offenem Verdeck. Das neue Opfer ist Daniel Wächter (Janusz Kocaj), der Sohn eines glattzüngigen Bauunternehmers (Thomas Heinze), hinter dessen Arroganzfassade sich schiere Hilflosigkeit verbirgt: »Keine Polizei, sonst liefern sie uns Markus in Stücken!« Die Entführer haben eine Million Euro gefordert - doch die Familie ist pleite. Der Staatsanwalt möchte am liebsten sofort das Mobile Einsatzkommando einsetzen. Denn: »Sind wir hier auf den Fidjis?« Widerstrebend lässt er sich darauf ein, dass Ballauf und Schenk den Fall übernehmen ...

 

Zum Einsatzteam gehört auch die Psychologin Lydia Rosenberg (Juliane Köhler). Ballauf fängt gleich Feuer. (Wird aus dem Kölner Duett etwa dauerhaft ein Terzett?) Glücklicherweise verklebt dieser emotionale Strang aber nicht den stringenten Spannungsaufbau, der Autor Norbert Ehry in diesem 52. Kölner Sonntagskrimi zu verdanken ist. »Keine Polizei!« - eine Standardwarnung von Entführern -, dazu noch die üblichen falsche Fährten, scheinbar unvermeidbare Verfolgungsszenen, nicht zu entgehenden emotionale Seitenstränge ... all dies lässt eigentlich Standardkrimiware erwarten , wäre da nicht besagter Ehry, der dieses bewährte dramaturgische Muster von jeglicher Routine befreit. Der war es auch, der die verhinderten Eheleute Schenk und Ballauf dialogisch mit eingem Biss aufgepeppt hat. Und gerade auf die Personenzeichnung von Ballauf wurde hier so viel Liebe verwendet, dass aus dem im Holzschnitt erstarrten Kommissar wieder einiges Zukunftspotential gejuckt werden konnte ... Schaffen wir sie etwa, die 100. Wurstbudenabspannromantik?

 

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