Der getragene Duktus der Handlung nährt sich aus dem gutbürgerlich jüdischen Milieu, das uns behutsam und mit viel Liebe zu den Figuren nahegebracht wird: wie einfühlsam doch Batic mit Aaron, dem leicht spastischen Schützling von Rabbi Grünberg umgeht! (Dass IWO, sofern man nur den Zettel dreht, sich wie OMI liest, ist ein Kommentar für Genießer.)
Das komplizierte Geflecht unserer Haltungen zu jüdischen Mitbürgern wird mit kurzen Spitzen beleuchtet: »Bayrische Beamte haben von der jüdischen Weltverschwörung selbstverständlich nichts zu befürchten«, so stichelt ironisch die jüdische Gemeinde an die Adresse eines übereifrigen Staatsanwalts, der Leitmayr und Batic wegen Verstoßes gegen die religiöse Etikette aufs Amt zitiert und dabei selbst tief blicken lässt: »Sie wissen doch, wie die sind.«
Weshalb trotz allem ein Unbehagen bleibt? Das Drehbuch dieses TATORTS ist überambitioniert. Leitmayrs altväterlicher Ratschlag – »Einen Rabbi ohne Gottvertrauen braucht kein Mensch!« – ist so ein Beispiel dafür, dass hier thematisch überfrachtet wurde. Überflüssig auch, dass ausgerechnet noch mit Politik draufgesattelt wird: Scud-Raketen, Selbstmordattentate.
Ein boshafter Rezensent würde hinzufügen, dass diesem TATORT – anders als dem vom vergangenen Sonntag – die jugendliche Frische fehle, das schwungvolle Flair des Lebendigen, das wir so schmerzlich an allen Ecken und Enden vermissen. Die Handlung, würde er sagen, schleppe sich betulich voran, ein wenig verschnarcht. Und die Sticheleien machten die Kommissare nicht jünger, im Gegenteil: die jugendliche Attitude wirke mittlerweile durchaus aufgesetzt.
In Ein ganz normaler Fall wird uns übrigens eine ganz neue Variante des Hinterherlaufens präsentiert, und Batic/Leitmayr stecken damit mühelos ihre gesamte TATORT-Konkurrenz in die Tasche. Diesbezüglich – so vermutet der Verschwörungstheoretiker – gibt es einen hoch dotierten Wettbewerb der Sender untereinander.