Volker Hein umgeht mit seiner Inszenierung der Publikumsbeschimpfung diese großen Fragen des Theaters und rückt die Interaktion der vier DarstellerInnen (Anne Gehrig, Christine Wolff, Andreas Strigl, Sunga Weineck) in den Vordergrund. Die Bühne wird nicht zum Ort der Proklamation von Tatsachen, die Zuschauer werden nicht von der Scharfsinnigkeit der SchauspielerInnen bezwungen, sondern das Publikum wird vielmehr zum (nicht in allen Fällen) stummen Zeugen eines gemeinsamen Erkenntnisprozesses. Der Text wandelt sich zum lebhaften Gespräch und bildet die Beziehungen zwischen den einzelnen Figuren ab.
»Statt Sie könnten wir unter gewissen Voraussetzungen auch wir sagen.« Leider sind diese Voraussetzungen nicht während des gesamten Stückes gegeben; zu oft scheinen die DarstellerInnen die Anwesenheit des Publikums zu vergessen, zu überzogen, zu grell, zu narzisstisch ist das Spiel. Immer wieder kämpfen sie um die Kontrolle, möchten Blicke bannen und Reaktionen erzwingen. Interaktion mit dem Publikum, Slapstick, Mundart... Dem Text wird viel abverlangt; er wird geschrieen, gesungen, gestottert, geweint, scheinbar vergessen. So unterhaltsam diese Arbeit am Wort auch ist, so sehr büßt der Text seine eigene Wortgewalt ein. Pointen verlieren sich, Ironie wird von übertriebener Komik überdeckt und das Bühnengeschehen verkommt oftmals zur Posse.