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    TITEL kulturmagazin
    Montag, 01. Mai 2017 | 08:09

    Tom Lanoyes »Atropa. Die Rache des Friedens« in den Münchner Kammerspielen

    22.12.2011

    Die Sprache und Logik des Krieges

    Die Premiere von Tom Lanoyes Atropa. Die Rache des Friedens am 17. Dezember in den Münchner Kammerspielen verlief glänzend und endete unter großem Applaus. Stephan Kimmig inszenierte diese freie Bearbeitung der dramatischen Geschehnisse um Agamemnon, Iphigenie, Helena und Klytämnestra stringent und mit großem Vertrauen zu den schauspielerischen Qualitäten seines Ensembles, das dieses nicht enttäuschte. Von BJÖRN VEDDER

     

    Neben der beeindruckenden Katja Bürkle, die Iphigenie als weiblichen Nerd und Kassandra als frustriert-sexualisiertes Beutestück gab, war es eine besondere Freude, Wiebke Puls mal nicht auf hohen Hacken und im Mini tanzend zu sehen, sondern in langen Hosen und flachen Schuhen, voller gemessenen Ernst und tiefer Trauer um das Schicksal ihrer Tochter, ihrer Liebe und ihrer selbst. Wie sie am Ende dann, nachdem sie Kassandra und deren Mutter Hekabe (berührend hier Gundi Ellert) geschlachtet hat, ihren Mann aber verschont –  um ihn mit seinem Schicksal unversöhnt zu lassen –, von der Bühne geht und durch eine Türe in den Flur verschwindet, diese Flucht ins Freie, ist der Höhepunkt der Inszenierung. Steven Scharf als Agamemnon gibt ihr einen würdigen Gegenpart und wechselt gekonnt zwischen den verschiedenen Stilhöhen und Ausdrucksmodi, die das Stück ihm abverlangt.

     

    Das ist eine besondere Leistung, weil vor allem sein Text nicht sehr homogen ist und die weitesten Brücken schlagen muss. Lanoye hat in seine Bearbeitung des mythischen Stoffes aus dem trojanischen Krieg viele Zitate aus Reden von George W. Bush und Donald Rumsfeld aus dem Kontext des Irak-Krieges aufgenommen, um auf die Fortdauer einer gewissen Kriegsrhetorik hinzuweisen und zu zeigen, »dass Sprache und Logik des Krieges immer dieselben sind«, wie er im Programmheft schreibt. So ganz dasselbe ist es nun aber in Bagdad und Troja doch nicht gewesen und Scharf muss so als Agamemnon, dem Sprachrohr dieser Kriegsrhetorik, Dinge sagen, die nicht immer so recht zur Situation auf der Bühne passen, zuweilen sogar komisch wirken.

     

    Hier hätte ihm die Dramaturgie von Matthias Günther zur Hilfe kommen und stärker in den Text eingreifen müssen, dem einige beherzte Kürzungen gut getan hätten. Dass dies unterblieben ist, bleibt aber doch die einzige Kritik an einer insgesamt beachtlichen Aufführung, in der neben den Genannten noch Anna Maria Sturm als Helena, Katharina Hackhausen als Andromache, Walter Hess als Namenloser/Chor und Johannes Gellert als Astyanax zeigten, was sie können.

     

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