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    TITEL kulturmagazin
    Montag, 26. Juni 2017 | 02:11

    Die Quadratur des Guttenbergschen Kreises

    24.02.2011

    Schöne Aussichten

    Der Theodor, der Theodor, der steht bei uns im Fußballtor. Wie der Ball auch kommt, wie der Schuss auch fällt: der Theodor, der hält. (Alter Schlager der Bundesrepublik)

     

    Eine Kolumne von WOLFRAM SCHÜTTE

     

    Die Bemerkung von Angela Merkel, sie habe einen Verteidigungsminister berufen und keinen wissenschaftlichen Assistenten - will sagen: der wissenschaftliche Verruf Guttenbergs ist mir Schnuppe -, kommentierte Nico Fried in der SZ (am 22.2.11): »Nach dieser Logik sind im Kabinett Schwindler und Hochstapler willkommen.«

     

    Besser kann man den Kniefall der Bundeskanzlerin vor der Popularität eines Umfrage-Kaisers nicht charakterisieren. Die Deutschen halten Karl-Theodor zu Guttenberg die Stange - mag er sie alle nach Strich & Faden so nachhaltig belogen wie die akademische Community getäuscht haben. Der Mann ist ein ebenso systematischer Lügner wie er (oder wer auch immer seine Dissertation geschrieben hat) ein systematischer Plagiator gewesen ist, der mit seiner wissenschaftlichen Arbeit & seiner Person alle jene auf offener Bühne hinters Licht geführt hat, die an ihn als den einzig Ehrlichen & Aufrichtigen geglaubt hatten, wodurch er sich von den Anderen (Politikern) radikal unterscheide. Dabei unterscheidet er sich von ihnen nur durch seine Unverfrorenheit, dreist zu leugnen, dreist zu beichten, dreist den Schlamassel auszusitzen, den er angerichtet hat.

     

    Er spricht nur immer noch nur von »Fehlern«, die er gemacht habe & die ihm unterlaufen seien - als handele es sich um Versehen, die jedem passieren könnten. Mithin, dekretiert er, sei bei den von ihm Getäuschten ein nachträgliches Verständnis für ihn ethisch höherwertig als seine Verurteilung, die er ja nun als Geständiger höchstselbst »vorbildlich« in die Hand genommen habe.

     

    Wozu also noch öffentliche Kritik? Ist sie nicht längst ungehörig, ja sogar obsolet geworden, wo und nachdem er doch nun im Bundestag gestanden hat, dass er bei seiner Arbeit »offensichtlich überfordert« gewesen sei, weil er »sicher so hochmütig zu glauben (war), dass mir die Quadratur des Kreises gelingt« - womit er (erneut) meint, seine politische & familiäre Karriere (als Bundestagsabgeordneter und Jungfamilienvater) könne als hinreichend Mitleid erregender Grund für seine »Fehler« einstehen.

     

    Als hätten nicht unzählige Doktoranten noch größere Belastungen zu meistern, ohne einen Bonus für »Fehler« wie vielleicht eine vergessene Fußnote oder ein falsch zugewiesenes Zitat zu verlangen! Wenn die »Fehler« sich aber einerseits auf fast jeder Seite finden, andererseits jedoch immer nach dem gleichen Muster auftreten, nämlich dem des Plagiierens, entspricht es der Logik einer Handlungs-Methode & -Maxime. Sie wäre nur dann nicht vorsätzlich, wenn man einen geistigen Defekt dafür verantwortlich machen oder unterstellen müsste, dass der Täter bei seinem systematischen Tun nicht gewusst habe, was dem Tatbestand eines Plagiats entspricht. Das allerdings wäre angesichts des juristischen Gegenstands eine Absurdität, bzw. in der Tat »die Quadratur des (juristischen) Kreises«.

     

    Kurz: nur von »Fehlern« zu sprechen und deren vorsätzliche Akkumulation einer plagiatorischen Tätigkeit in Abrede zu stellen, ist ein skrupellos fortgesetztes Täuschungsmanöver, das den Verstand jedes Denkenden beleidigt. Es offenbart einen Charakter, der - in die Enge getrieben - zu jedem Mittel greift, um sich dem Eingeständnis der Wahrheit zu entziehen.

     

    Wer derlei bei einem Politiker nicht als Warn-Zeichen einer potentiell gefährliche Person registriert, dem ist nicht zu helfen.

     

    Das Beste, was man dem korrumpierten Politiker zu Guttenberg jetzt noch nachsagen könnte, wäre, dass er wie jeder kleine politische Schlawiner, der bei Unregelmäßigkeiten ertappt worden ist, sich mit Tricks & Verdrehungen herausreden will.

     

    Die Bestürzung darüber, dass dieses nun selbst offenbarte & diametral sein solitäres Image diskreditierende Charakterbild jedoch die Mehrheit der Deutschen in ihrer Bewunderung für den Politiker nicht beirrt, wird »verständlicher«, wenn man sich vergegenwärtigt, dass in den vergangenen Jahrzehnten regelmäßig gesetzwidrige finanzielle Vorteilsnahmen durch Lug & Trug in ganzen Berufsgruppen, die einst hoch angesehen waren (wie den Ärzten) oder in Geschäftsbereichen wie der Nahrungsmittelindustrie, dem Bankgewerbe oder dem Weinanbau usw. immer wieder gewütet haben und z.B. Steuer-, Abrechnungs- oder Investitionsbetrug gewissermaßen bürgerliche Alltagsdelikte geworden sind. 

     

    Wo es mehrheitlich die Bürger privat & geschäftlich nicht mehr so genau damit nehmen, was gesetzlich gestattet oder nicht erlaubt ist & davon ausgehen, dass »man es ja mal versuchen kann« (notfalls kann man sich als Steuerflüchtiger ja selbst anzeigen), da erscheint der erschwindelte (& nun entzogene) Doktortitel eines politischen Shootingstars als eine lässliche »Sünde« - & die oft von ihm für sich reklamierte Glaubwürdigkeit & Ehrlichkeit als quantité négligeable. Und wer ihm deswegen »am Zeug flickt« - zürnen & höhnen von Guttenbergs Bewunderer -, dem fehle es an Großzügigkeit & Demut, weil er als ein »Prinzipienreiter« auf der »Neidspur« gegen den »Volksliebling« agitiert, wenn man auf »Anstand«, »Wahrhaftigkeit« & Selbstverantwortung bestehe. Es sind bürgerlich-demokratischen Tugenden, die offenbar in Deutschland wie in Italien für große Teile des Bürgertums passé sind.

     

    Schöne Aussichten.

     

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    jetzt hat frau merkel den freiherrn natürlich wieder da, wo sie ihn haben wollte: ihr lieblingsbube wurde aufs "töpfchen" gesetzt. da gehört er ihrer meinung ja auch hin - und nicht ins kanzleramt! dazu sollte er ja dann auch seine restlichen titel ablegen...
    | von hubert holzmann, 24.02.2011
    Die Dreistigkeit geht noch weiter: Immer, wenn der Mann Fehler eingesteht, wechselt er in ein unpersönliches "man", dem der Fehler unterlaufen sei, das überfordert gewesen sei. Letztlich ist die ganze Angelegenheit nur ein weitere Beleg dafür, das konservative, bürgerliche Werte bei den "Konservativen" keine Rolle spielen. Das sind nur Kulissen für das Publikum. Und es ist eigentlich ein Treppenwitz der Geschichte, dass eine Pastoren-Tochter und promovierte Physikerin, die mit einem Professor verheiratet ist, dem Felix Krull aus Oberfranken - aus welchen Gründen auch immer - helfend zur Seite springt. Das zeigt, was von ihrer persönlichen Prinzipienfestigkeit und Grundsatztreue zu halten ist. Der nächste Schritt wird wohl sein, dass Frau Merkel den Herrn Dr. Kohl wieder zum Ehrenvorsitzenden der CDU macht.
    | von Jörg, 24.02.2011
    Es bleibt die Frage, wer die Arbeit tatsächlich geschrieben hat. Spätestens wenn der Ghost-writer enttarnt ist, muss KTzG zurücktreten.
    | von MaNu, 24.02.2011
    ist es abwegig zu fragen, wo sich der deutsche minister mit seinen truppenbesuchen eigentlich einreiht? die pressewirksamkeit erinnert mich durchaus an donald rumsfeld, g. w. bush...
    | von hubert h., 25.02.2011

    TITEL ist umgezogen!

    Liebe Leserinnen, liebe Leser!


    Das neue TITEL kulturmagazin ist ...

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