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    TITEL kulturmagazin
    Samstag, 27. Mai 2017 | 04:17

    Kennzeichen T - 19.02.2011

    19.02.2011

    »Ick bin ein Hamburger!«

    2011 ist nicht nur Superwahljahr, sondern auch das Jahr, in dem Deutschland endlich wieder Europameister geworden ist. Und zwar nicht in so korrumpierten Disziplinen wie Fußball oder PISA, sondern in Hausbegrünung und Wertstofftonnen-Wuchten: Hamburg ist unsere Umwelthauptstadt Europas 2011!

     

    Eine Kolumne von MATHIAS TRETTER

     

    Dass Hamburg umwelttechnisch in einer anderen Liga spielt als die abgasarmen Mitbewerber Kopenhagen, Oslo und Amsterdam, wird sich Ende der Woche wieder eindrucksvoll zeigen. Das Recycling-Konzept, das die Hansestadt am Sonntag präsentiert, sucht weltweit seinesgleichen: Nach jahrelangem Forschen, Experimentieren, immer wieder Scheitern, ist es endlich gelungen, Olaf Scholz wiederzuverwerten!

     

    Eine Sensation! Üblich bei Politikern seiner Schadstoffklasse ist bislang das Endlager Brüssel. Aber irgendwann stößt auch die EU an ihre Grenzen. Griechenland retten, Landwirte durchfüttern, Gurken begradigen, Glühbirnen liquidieren, und dann auch noch jährlich Hunderte ausgebrannter Politiker in die Castoren der Verwaltung stopfen - es musste eine Lösung her.

     

    Wie oft wurde versucht, aus Olaf Scholz etwas Nützliches herzustellen: Jungsozialist, Generalsekretär, Arbeitsminister – jedes Mal wars für die Tonne. Pragmatisch wie die Hanseaten sind, haben sie gesagt: Als Politiker reichts nicht mehr, aber vielleicht als Hamburger. Es war ja schon bei John F. Kennedy ein Brüller, sich selbst als Lebensmittel zu bezichtigen: ‚Ick bin ein Berliner’. Sowas macht einen einfach sympathisch: „Jungs, schaut her, ich bin auch nur ein frittierter Hefeklops.“ Und wenn Olaf Scholz sich ein Salatblatt auf die Haarlichtung legt, bisschen Gurke und Ketchup drauf, dann wissen die Hamburger, das ist einer von uns. Mehr brauchts ja nicht, um gewählt zu werden. Sein Widersacher, Christoph Ahlhaus, ist ein Heidelberger. Das sagt doch jeder, was soll denn das sein?

     

    Wir haben dieses Jahr sieben Landtagswahlen in Deutschland; die Frage ist also, wen können wir noch recyclen, um die EU zu entlasten? Ganz klar, wer einem da grade zuerst einfällt: Hosni Mubarak, die erwerbslose Falafel. Keiner weiß im Moment, wo er ist; aber es gibt immer noch Gerüchte, er soll vielleicht doch noch nach Deutschland kommen. Entweder auf Kur, oder in die Verbannung, das ist noch nicht ganz klar. Wobei, bei unserem Gesundheitssystem - wo ist der Unterschied?

     

    Nach Baden-Baden soll Mubarak. Wohin auch sonst? Der Mann ist 82. Damit ist er dort hochwillkommen: Baden-Baden braucht Verjüngung. Er wird sich pudelwohl fühlen. Beim Tanztee im Kursaal: Jeden Nachmittag Mumienschieben – für einen Ägypter gibt’s doch nichts Schöneres!

    Gut, ob der Rest von Deutschland so glücklich ist, den im Land zu haben? Einen arbeitslosen Diktator mit Migrationshintergrund – dem Sarrazin läuft schon wieder der Speichel. Araber-Pawlow, ganz schlimm. Der hört einen arabischen Namen – platsch!, muss ers Hemd wechseln.

     

    Angela Merkel dagegen würde sich freuen, wenn Mubarak käme. Sie hat ja jahrelang von ihm geschwärmt: »Präsident Mubarak war immer ein verlässlicher Partner.« Klar, die Menschenrechte, die waren ein bisschen ein Problem; aber solange man profitiert, kann man darüber wegsehen. Angela Merkel hälts da mit Henry Kissinger: »He may be a bastard, but he is our bastard.« Zu deutsch: Er mag ein Arsch sein, aber er ist unser Arsch. Ein Konzept, das auch nicht immer funktioniert - mit Westerwelle ist es schief gegangen.

     

    Wohin also mit Mubarak? Die nächste Landtagswahl ist in Sachsen-Anhalt. Das wäre zumindest eine Arbeitsmarktsituation, die er kennt. Und wenn er mit seinem Teint in Halberstadt unterm Wahlkampf-Schirmchen steht, Slogan: »Ich bin ein Anhalter« – ich habe, den Verdacht, es kommen Leute, die ihn mitnehmen. Mit ein bisschen Glück haben sie das sogar richtige Auto: Vom Persischen Golf in den Golf von Rico.

     

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