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    TITEL kulturmagazin
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    Kennzeichen T - 23.06.2012

    25.06.2012

    Frieden schaffen mit Wunderwaffen

    Da mäkele noch einer herum, es gäbe keine Wunder mehr! Das Wunder von Bern, heißt es, das Wirtschaftswunder und höchstens noch die Bergbau-Schmonzette von Lengede – damit hatte sichs für Deutschland. Von wegen! Was sich in diesen Tagen in München abspielt, verdient den Namen „bumsgroßes amtliches Vollmirakel“. Hergehört: Im Rüstungskonzern Krauss-Maffei Wegmann regt sich Widerstand gegen ein Waffengeschäft!

     

    Eine Kolumne von MATHIAS TRETTER

     

    Tja, da schlucken Sie, oder? Da muss sich selbst die Bibel warm anziehen, mit ihren Wünderchen. Auf dem Weg nach Damaskus stürzt Saul vom Gaul und wird Paul – das war ja bislang der Klassiker unter den Bekehrungsspektakeln; aber inzwischen sind selbst Leichtgläubige skeptisch geworden, bei Meldungen aus Syrien. Und Saulus war sowieso nur ein Korinthen kackender jüdischer Pharisäer, der Michel Friedman von Tarsus, wie ihn Zeitgenossen genannt haben sollen; keinerlei Vergleich zur Delinquenz von deutschen Rüstungsproduzenten.

     

    Wenn einer von denen bekehrt wird, dann ist das wie Karsamstag und Griechenlandrettung zusammen. Und genau das ist jetzt passiert: Burkhart von Braunbehrens, einer der Miteigentümer von Krauss-Maffei Wegmann, ist sozusagen geistig vom Pferd gefallen. Eine Lieferung von Panzern nach Saudi-Arabien, hat er gesagt, »das wäre Wahnsinn!« Er hat nämlich herausgefunden, dass man die Leopard-II, die seine Firma seit 1979 herstellt, wie eine Waffe benutzen kann. Schlimm. Und noch schlimmer: Dass seine Kunden das auch wirklich tun! Er und seine Familienangehörigen seien, so Braunbärchen dem Stern gegenüber, entsetzt gewesen, dass Saudi-Arabien Panzer gegen die Demokratiebewegung in Bahrain eingesetzt hat! Diese verschlagenen Saudis! Was die ihm wohl erzählt haben, wofür sie die Leos brauchen. Wahrscheinlich als Sportgeräte. Das zieht immer. Damit sichert der Deutsche Schützenbund seinen Mitgliedern seit Jahrzehnten die Wummen im Schlafzimmerschrank.

     

    Aber es ist noch nicht Wunder genug, dass Burkhart Mahatma von Braunbehrens vor dem Missbrauch der Artillerie als Artillerie gewarnt hat; er hat auch noch beim Bundespräsidenten um Hilfe gewimmert. Beim Bundespräsidenten! – der zahnlosesten Instanz seit der Weinbergschnecke. Joachim Gauck soll seinem Konzern den Verkauf verbieten. »Bitte schützen Sie uns vor uns!« – das sagen sonst nur Suchtkranke und Päderasten.

     

    Sicher, Joachim Gauck ist Seelsorger und zieht immer mal wieder eine direkte Linie von Abrahams Wurstkessel über Jesus Christ Golgatha zu sich nach Bellevue; also, das moralische Gewicht hätte er. Das Problem ist unsere elende Verfassung; aber mit Grundrechten habens Rüstungsleute halt traditionell nicht so.

     

    Das Verbot von Waffengeschäften liegt nicht bei Joachim Gauck, sondern beim Wirtschaftsministerium bzw. beim Bundessicherheitsrat. Also bei der Exekutive. Der Bundespräsident dagegen ist Dekorative. Der darf das Ganze mit Wortgirlanden schmücken. Das ist selbstverständlich auch wichtig – aber wenns drum geht, was man an Weihnachten macht, fragt man nicht den Christbaum.

     

    Nein, die exekutierenden Kräfte hätte Braunbehrens belätschern müssen, Leute wie Thomas de Maizière, unseren Verteidigungsminister. Und der kann über ein Exportverbot für Schlachtbesteck nur lachen. Er war grade auf Kaffeefahrt in Abu Dhabi. Er will 60 Eurofighter an die Scheichs verkloppen. Die Dinger müssen raus; wenn wir keinen Euro mehr haben, brauchen wir auch nicht mehr dafür fighten. De Maizière hat ausdrücklich betont, er sei nicht der Verkaufsdirektor der Rüstungsindustrie. Aber einer muss das Marketing ja machen, wenn in den Waffenschmieden plötzlich Waldorf-Kindergärtner hocken.

     

    Ich bin gespannt, wer als nächstes bekehrt wird. Wenn das Wunder von Braunbehrens noch mal getoppt werden soll, bleibt eigentlich nur eines: »Verehrter Herr Bundespräsident, lieber Joachim! Ich bitte Sie, meine Kandidatur bei der nächsten Bundestagswahl nicht zu genehmigen. Noch einmal mich als Kanzlerin – das wäre Wahnsinn!«

     

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