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    TITEL kulturmagazin
    Freitag, 23. Juni 2017 | 19:26

    Kennzeichen T - 16.06.2012

    16.06.2012

    Niebel nimmts auf seine Kappe

    Die Wahl in NRW ist jetzt einen Monat her, seit ein paar Tagen liegt sogar der Koalitionsvertrag vor – und was soll ich sagen, meine Damen und Herren? Ich habe Recht behalten: 8,4 Prozent für die FDP, das war ein Volltreffer! Über die fulminante Auferstehung der freien Demokraten habe ich mich schon am Wahlabend wahnsinnig gefreut. Nicht als Mensch, aber als Kabarettist. Was wäre ich in meinem Job ohne die FDP? Wir Kabarettisten gehören zur absoluten Stammklientel der Liberalen: Wir sind selbständig, überbezahlt, und übernachten permanent in Hotels – mehr FDP geht fast gar nicht! Wenn ich jetzt noch eine Apothekerin heirate, werde ich Ehrenmitglied.

     

    Eine Kolumne von MATHIAS TRETTER

     

    Und diese Woche zeigt sich, auch inhaltlich lassen sie mich nie im Stich. Im Gegenteil: Die Liberalen machen es mir mitunter sogar zu leicht. Deshalb möchte ich, bevor ich mit Hohn und Spott anfange, erstmal alle witzigen Wortspiele zum Thema „Unser Entwicklungsminister und die afghanische Auslegeware“ loswerden. Achtung, aufgepasst: Wenn sich der Niebel lüftet, sieht man, was unter den Teppich gekehrt wurde, auf dem er hätte bleiben sollen. Doch jetzt – haha! – muss Niebel die Zölle dafür zahlen. Nicht schlecht, oder? Aber es geht noch weiter: Wie nennt man einen Teppich, der in einer Militärmaschine mitfliegt? Luftbrücke. Und er ist mitgeflogen, ohne dass jemand Notiz von ihm genommen hätte – also wars ein Selbstläufer. Und Niebel dachte eigentlich, er würde nur Freude an dem Teppich haben. Dann wärs ein Jubelperser gewesen.  

     

    So. Damit sollte mir der Deutsche Kabarettpreis sicher sein – und wir können endlich zur relevanten Häme übergehen. Haben Sie die Photos von Dirk Niebel auf der Reise nach Afghanistan gesehen? Ich weiß ja nicht, wie Sie so unterwegs sind, meine Herren an den Bildschirmen, aber wenn Sie mal eine amtliche Demonstration brauchen, wie man sich unauslöschlich zum Vollseppel macht – Dirk Niebel könnte einen ganzen Bildband füllen. Andere Minister haben eine Wirtschaftsdelegation dabei, Niebel reist mit Bundeswehrmütze. So gut wie immer. Es gibt sogar Gerüchte, dass er damit schläft. Damit er jederzeit vorbereitet ist, falls die Taliban seinen Heidelberger Wahlkreis angreifen.

     

    Der eigentliche Grund dafür ist – wobei, von „Grund“ kann man da nicht sprechen, es geht eher um eine Diagnose. Also, ich als Laie würde sagen: Postadoleszente Virilitätsneurose. Mit der Landserkappe will Niebel sagen: „Hey, verdammt noch mal, ich bin nicht die Entwicklungshilfepussy, für die Ihr mich haltet – ich bin Soldat!“

     

    Und das, liebe Skandaljournalisten, ist das eigentliche Problem! Auf den Teppich ist gepfiffen. Ich kriege ja langsam wirklich Mitleid mit der Presse, dass sie jetzt schon versucht, dreistellige Beträge zur Unterschlagungsaffäre zu pimpen! Ich dachte, mit Wulff war der Endpunkt erreicht.

     

    Nein, man darf Dirk Niebel nicht ethisch bewerten – er ist bei der FDP, das erübrigt sich. Es geht um Ästhetik. Und das, was dahinter steckt. Mit Armeemütze ins Entwicklungshilfegebiet – Frau Merkel könnte auch im Bikini in den Iran reisen. Der Mann sieht sich als Rambo. Das ist das Gegenteil dessen, wofür sein Ressort da ist. Welche Rolle spielt da ein unverzollter Fußabtreter! Er hat ja sonst nichts mit nachhause zu bringen. Wir sollten froh sein, dass er ihn gekauft hat – und nicht geplündert.

     

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