• losttorrent
  • richtorrent
  • pushtorrent
  • Titel-Magazin
    TITEL kulturmagazin
    Samstag, 22. Juli 2017 | 14:43

    Ein Kommentar

    02.04.2012

    Karfreitags-Tanz

    Wie schon im vergangenen Jahr gibt es auch dieses Jahr wieder in Hessen Ärger, weil aufgrund eines Gesetzes von 1952 am Karfreitag und Ostermontag das Tanzen in der Öffentlichkeit verboten ist. Wer also an diesen Tagen sein Freizeit z.B. in einer Bar verbringt oder auf einen Schwof gehen will, darf anders als sonst im Jahr seinem Tanzvergnügen nicht obliegen. Von WOLFRAM SCHÜTTE


     

    Das sei »nicht mehr zeitgemäß« klagen vor allem junge Tanzwütige, weil ja die meisten Deutschen nicht mehr den christlichen Kirchengeboten entsprechen und sie deshalb dieses Gebot, dessen Befolgung in den vergangenen Jahren von Staatswegen (also polizeilich) nicht kontrolliert worden war, nun als Unterdrückung & Freiheitsberaubung empfinden.

     

    Der Fuldaer Bischof Algermissen, der sich zusammen mit seinen evangelischen Amtskollegen - denen ja der Karfreitag der höchste Feiertag ist - in Hessen für eine strikte Einhaltung des Gesetzes aussprach, erklärte, es sei für ihn »eine Zumutung, die Ruhe am Karfreitag überhaupt rechtfertigen zu müssen«; und der Sprecher der evangelischen Kirche fügte hinzu, wenn man den Feiertagen ihren Sinns entkerne, »könne es passieren, dass sie ganz verloren gingen«. Letzteres sieht aus wie der Wink mit dem Zaunpfahl, besser noch mit dem Kreuz, an das nach christlichem Glauben der »Gottessohn« am Karfreitag geschlagen wurde.


    Auch wer sich weder zu den praktizierenden noch den stillschweigenden Christen bei uns zählt - wie z.B. der Autor dieser Betrachtung -, nimmt die einst in christlicher Homogenität des Staates eingeführten Feiertage des Jahres gerne als zusätzliche Arbeitsunterbrechungen wahr, wobei ja sogar auch die wöchentliche Einteilung des Monats sich auf den göttlichen Schöpfungsmythos der Bibel beruft & ihn imitiert.


    Weitgehend entsäkularisiert, akzeptieren wir also noch manche traditionellen Vorteile unserer Lebensweise aus längst vergangenen säkularisierten Zeiten, die aber für andere unter uns heute noch fest verwurzelte Glaubensinhalte sind - trotz deren Kommerzialisierung (wie Ostern & Weihnachten).
    Die christlichen Religionsgemeinschaften, deren Vorgängern wir ja diese »Feste« verdanken, haben recht, wenn sie auch von der Mehrzahl (der Ungläubigen) verlangen, dass diese an jenen Tagen ein öffentliches Verhalten an den Tag legen, dass zumindest den damit verbundenen Glaubensinhalten nicht diametral widerspricht (wie z.B. Tanzen am Karfreitag).


    Es zeugt - da haben die hessischen Amtskirchen recht - von keinem historischen Bewusstsein, von fundamentalem Egoismus & einer erschreckenden Intoleranz auf Seiten jener, die darüber Klage führen, dass sie (nur) während der Osterfeiertage nicht tanzen dürfen. Und es wirft ein grelles Licht auf eine Gesellschaft, in der nur noch der Terror der Mehrheit gelten soll & das Denken in »Charts« oder »Einschaltquoten« zur Tagesordnung gehört.  


    Vergessen scheint heute allgemein, dass Demokratie zwar die Herrschaft der Mehrheit beinhaltet - zugleich aber darauf beruht, dass die unterlegene Minderheit geschützt bleibt.

     

    | kommentar schreiben

    Name:
    Kommentar:
    unsere Gesellschaft ist säkularisiert! entsäkularisiert wäre wohl wieder Kirchenherrschaft.
    | von micha, 03.04.2012

    TITEL ist umgezogen!

    Liebe Leserinnen, liebe Leser!


    Das neue TITEL kulturmagazin ist ...

    Deutschland, Europa und die Welt

    Ein offenkundiger Widerspruch treibt mehrere Autoren zurzeit um: der Widerspruch zwischen dem von maßgeblichen Politikern gewollten Europa und der zunehmenden Skepsis in großen Teilen ...

    Auch Kevin kauft nur Vinyl

    Gestern erschien das neue Album von ClickCLickDecker. Sein erstes Livealbum heißt Du Ich Wir Beide Zu Den Fliegenden Bauten. Bei Seinem zweiten Konzert ...

    ... bis sie dann gestorben sind.

    Wenn Comics sich klassischen Märchenmotiven widmen, dann tun sie das meist in Form einer eher überzogenen Parodie. Selbst wenn sich dahinter so viel Sophistication verbirgt wie hinter ...

    Psychothriller mit doppeltem Deutungsboden

    Alles beginnt ganz harmlos. Mit einem Schulaufsatz, in dem der französische Oberstufenschüler Claude (Ernst Umhauer) von einem Besuch im Haus seines Klassenkameraden Rapha berichtet. ...

    Die Geschichte geht weiter

    Wieder ein Weltbestseller – Carlos Ruiz Zafóns Roman Der Gefangene des Himmels. Von PETER MOHR

    NJ Institut for sundhed og senior services køb cialis online sundhedspleje forsikringsudgifter