IP-Bibeln und wundersame Genesungen
Felix, du hast einen interessanten Stil und eine sehr experimentelle Herangehensweise an die Beschränkungen des Mediums. Vielleicht auch gerade, weil du nie Comics machen wolltest?
Felix: Ich denke auch gerade deswegen. Ich komme vom Film und habe lange Zeit Storyboards gezeichnet. Zuerst dachte ich, dass Comics nicht so viel anders sein könnten als Storyboards, aber mit der Zeit habe ich die Gestaltungsmöglichkeiten des Comics entdeckt. Ich möchte noch so einiges ausprobieren und die Grenzen des Machbaren ausloten. Dabei muss ich mich aber immer wieder beschränken, sonst wird der Comic unlesbar, und die Lesbarkeit hat immer an erster Stelle zu stehen.
Auf Seite 52 habt ihr Lerchenwald mit zwei normalen Händen gezeichnet, war das Absicht oder habt ihr das übersehen?
Felix: Das ist tatsächlich einfach ein Fehler und in der zweiten Auflage dann auch verbessert. Leider war es niemandem, mir eingeschlossen, aufgefallen, bevor wir gedruckt haben. Dafür können sich die Sammler jetzt über eine besondere erste Auflage freuen.
Benjamin, für Rust Raiders gibt es eine ganze IP-Bibel, die die komplette Welt durchdefiniert, existiert so etwas auch für Steam Noir?
Benjamin: Es gibt auch zu Steam Noir ein Welt-Konzept, das Parameter wie z.B. die Historie, Politik, Geographie, Physik und Metaphysik des Geschichtsuniversums festlegt. So ein Korsett stellt sicher, dass die Handlungswelt bei aller Versponnnenheit immer in sich stimmig bleibt. Übrigens hat uns schon damals in der Konzeption Verena Klinke, die Autorin der nächsten Bände, unter die Arme gegriffen und wichtige Impulse gegeben.
Felix: Das Rollenspiel Opus Anima stellte für uns am Anfang eine Bibel dar, die wir Stück für Stück angepasst und erweitert, aber von der aus wir uns auch entwickelt haben.
Benjamin, wie kommt es, dass du den zweiten Band abgibst?
Benjamin: Die Arbeit mit Felix und Cross Cult war großartig. Aber ein neues Kapitel in meinem Leben hat schon parallel zu Jakob begonnen: Ich übe inzwischen einen Fulltimejob als Konzepter/Story Writer aus. Als einer der drei Gesellschafter von Zeitland media & games stecke ich mitten im Firmenaufbau. Wir machen Auftragsarbeiten u.a. für die Ravensburger tiptoi-Serie und Werbefirmen, produzieren aber auch eigene Videospiele oder aktuell einen interaktiven, spielbaren iPad-Roman in einem Science Fiction-Setting (Mars). Dass ich irgendwann mal wieder ein Comic schreiben und mit Felix zusammenarbeite werde, ist aber absolut nicht ausgeschlossen.
Könnt ihr einen kleinen Ausblick auf den zweiten Band geben, der im Oktober 2012 erscheint? Wird der arme Lerchenwald wieder regelmäßig seine Türe ersetzen müssen?
Felix: Die gute Nachricht zuerst: Der zweite Band der Serie wird bereits im Juni pünktlich zum Comicsalon Erlangen erscheinen. Im zweiten Band verdichten sich die Geschehnisse um Dr. Presteau und die Seele, die den Einbruch in die Villa zu verschulden hat. Heinrich muss sich vor dem Leonardsbund verantworten, was einige Hintergründe über ihn offenbart. Allem voran wird das Trio aus Heinrich, Frau D. und Hirschmann zwischenmenschlich auf die Probe gestellt, weil sich die äußeren Umstände mehr und mehr verschärfen.
Wo können sich denn Interessierte über eure Fortschritte auf dem Laufenden halten, abgesehen natürlich von Interviews und Rezensionen bei TITEL?
Felix: www.steamnoir.com ist die erste Adresse, aber auch Facebook ist eine sehr gute Anlaufstelle, vor allem um tagesaktuelle Informationen zu erhalten. Hier findet man unter Steam Noir eine Seite, auf der neben Bildern auch Hintergrundinformationen und Werkstatteinblicke zu finden sind.
Vielen Dank für das Gespräch!
Foto: Südauswahl Dialog & Idee / Jennifer Dommel