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    TITEL kulturmagazin
    Mittwoch, 16. August 2017 | 17:28

    Melt!-Festival vom 15.-17.Juli 2011

    25.07.2011

    Zum Dahinschmelzen

    Die Qual der Wahl. TOM ASAM war fast etwas überfordert von einem Line-Up zum Dahinschmelzen.

     

    Während die ersten Melt!-Fans schon am Donnerstag halboffiziell loslegten, wurde es freitags ernst – mit Feiern. Während Markus Kavka mit einem dreistündigen DJ-Set auf der Big Wheel Stage loslegte, hieß es für den Großteil des Publikums, die Logistik in den Griff zu bekommen. Parken, Unmengen von Gear mit allerhand (improvisierten) Handkarren aufs Zeltgelände schaffen, aufbauen und die Weiterreise zum eigentlichen Gelände antreten. Das Areal ist riesig, von den Parkplätzen bis zu den Bühnen sind einige Kilometer zurückzulegen. So sind die Zeltplätze aber weit genug vom Hauptgeschehen entfernt, um ein Mindestmaß an Schlaf abzubekommen. Denn früh ins Bett kommt bei dem gebotenen Programm keiner. Für die Fußkranken ist ein Shuttlebus vom Zeltplatz zum Gelände eingerichtet, aber auch zwischen den umliegenden Städten Gräfenhainichen, Wittenberg sowie Dessau und Ferropolis, der Stadt aus Stahl, kann mit dem Busshuttle fahren. Eine Besonderheit ist die kultige Zuganfahrt im alten Euro-Express-Zug von Köln über Dortmund und Hannover bis direkt ans Gelände! Sicher eine gelungene Variante, um sich auf das Festival einzustimmen und ökologisch sinnvoll zu agieren.

     

    Little Dragon Little Dragon

    Das auf fünf Bühnen verteilte Programm zwischen DJ-Sets/ elektronischen Acts und Indiebands ist gnadenlos gut. Die Überforderung beginnt schnell. Ich entscheide mich für einen Auftakt an der am Beach gelegenen Bühne mit Jamie Woon, Nicolas Jaar und Apparat (als komplette Band). Die Pausen dazwischen nutze ich, um die tollen Schweden von Little Dragon und Noah & The Whale wenigstens teilweise zu erwischen. Dabei entgehen mir aber die »neuseeländischen MGMT« The Naked and Famous, Miss Kittin oder Iron and Wine. Wahnsinn! Das Wetter hält zum Glück, wenn auch die richtige Beachstimmung nicht aufkommt. Dafür hat man die effektvoll beleuchteten Riesen-Kohlebagger und einen fetten, aus dem See aufsteigenden Mond. Ich pendle zwischen Euphorie und Überforderung. Nach einem Blick auf das solide Set von Paul Kalkbrenner auf der Hauptbühne lasse ich es um 3.00 früh gut sein; wer die Power hat, feiert dem Sonnenaufgang entgegen. Meine Freitags-Highlights: Nicolas Jaar, dessen Set mit einem zu kurzen und zu leisen Space is only Noise inklusive Gitarrensolo zu früh zu Ende geht und Little Dragon, von denen man noch viel hören wird.

     

    Bauhaus und Dubstep

    Den Samstag nutze ich zu einem Ritt nach Dessau und einem ausführlichen Bauhaus-Tag inklusive Führungen im Bauhaus-(Museum) und in den Meisterhäusern. Absolut lohnenswert und vom Festival aus auch ohne eigenen PKW mit extra organisierter Führung und Busshuttle machbar! Chillen kann man im Ende des 18. Jahrhunderts angelegten Wörlitzer Park bei Dessau. Mit aufgeladenen Batterien ging es an den zweiten Festival-Tag heran. Die Hauptbühne bot Super-Romantiker Patrick Wolf, der mir auf intimeren Bühnen besser aufgehoben scheint. Ihm folgte Liam Gallagher und seine Beady Eyes. Nicht ohne Genugtuung beobachtete ich ein weitgehend gelangweiltes Publikum. Das Großmaul soll in Frührente gehen. Der dritte Brite in Folge, Mike Skinner, sorgte mit seinem letzten Deutschlandauftritt als The Streets für deutliche bessere Resonanz. These New Puritans konnten die Energie von der Platte nur teilweise auf die Zelt-Bühne übertragen, sorgen aber doch für einigen Aufruhr. Richtig Spaß gemacht hat es mit DAF im Jahr 2011 noch einmal den Mussolini zu tanzen. Ein weiterer Höhepunkt war für mich dann der Maskenmann SBSTRKT an der Meltselektor-Strandbühne. Dort hätte ich vielleicht einfach verweilen sollen, um mit dem See vor mir und den mit Flammenwerfern bestückten Stahlriesen im Rücken noch Dub-Stepper Rusko sowie Siriusmo zu genießen. Aber das ist halt das einzige Problem hier: Man ist vom Überangebot fast erschlagen und findet sich auf dem Weg zwischen den Bühnen auch immer wieder im Pulk der mit Nahrungsaufnahme oder der Selbstdarstellung in (mehr oder weniger) lustigen Kostümen Beschäftigten und dem (in dieser Größenordnung und bezahlbarer Qualität wohl unerlässlichen?) bescheuerten Promotion-Zirkus wieder.

     

    Auf dem Melt! Gibt man nach zwei Tagen noch nicht Ruhe, sondern schiebt auf vier Bühnen noch mal ein – nicht ganz so spektakuläres Sonntagsprogramm bis 2.00 Uhr früh – nach. Junip und Pulp alleine wären allerdings schon Argumente genug für einen gelungenen Wochenendtrip. Für all diejenigen, die sich das Spektakel für nächstes Jahr in den Kalender schreiben wollen: Rechtzeitig Tickets sichern, dieses Event ist frühzeitig ausverkauft!

     

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