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    TITEL kulturmagazin
    Donnerstag, 27. Juli 2017 | 16:12

     

    Foto: Reiner Pfisterer Foto: Reiner Pfisterer

    Christina Pluhars L´Arpeggiata in Ludwigsburg

    23.05.2011

    Wo Barock auf Folklore stößt

    Es war allen voran die Nuova Compagnia Di Canto Popolare (NCCP) aus Neapel, die uns vor vierzig Jahren bewusst machte, wie nah sich in früheren Jahrhunderten Volksmusik und die Musik der Höfe waren. Später kamen Cantautori wie etwa Angelo Branduardi hinzu, die ihre Inspirationen aus der Volksmusik der italienischen Regionen schöpften und zugleich einen Sound reproduzierten, der eher in den Archiven für »Alte Musik« schlummerte als in der Popszene. Von THOMAS ROTHSCHILD

     

    Es war das arrivierte Bürgertum des 19. Jahrhunderts, das sich auch kulturell gegen das »gemeine Volk« abzugrenzen bemühte, weil es sich, anders als die Aristokratie, seines Standes nicht sicher war und von der nachrückenden Klasse bedroht fühlte. Die Bourgeoisie ahmte den Adel nach und trug seine Dünkel, die Verachtung für die Lieder und Tänze der Bauern demonstrativ zur Schau. Schon Molière hat sich über diesen Typus des »Bürgers als Edelmann« lustig gemacht, und noch in Buñuels Diskretem Charme der Bourgeoisie wird er zum Objekt des Spotts.

     

    Aber der Graben zwischen einer so genannten »Hochkultur« und einer plebejischen »Populärkultur« wurde noch nach dem Zweiten Weltkrieg sichtbar, wenn sich etwa die »gute Gesellschaft« und mit ihr ihre Konzerthäuser gegen den Jazz und später gegen die Rockmusik sperrten. Inzwischen freilich gibt es das spiegelbildliche Gegenstück: die Arroganz von Popfans, die sich dem Mehrheitsgeschmack und dem Quotendruck der Medien anbiedern und die »Hochkultur« am liebsten ausrotten würden, als wäre sie und nicht der kulturfeindliche Sparkurs der Politik ihr Gegner.

     

    Foto: Marco Borggreve Foto: Marco Borggreve

    Begeisterungsstürme ohne Lautsprechertürme

    Zu den Ensembles, die Folklore und folklorehafte Kompositionen auf alten Instrumenten interpretieren, gehört auch L'Arpeggiata. Diesmal hat die Leiterin Christina Pluhar, die zwar aus Österreich stammt, mit der Schauspielerin Erika Pluhar aber nicht verwandt ist, unter dem Titel »Los pájaros perdidos« ein Programm mit lateinamerikanischer Musik zusammengestellt. Da gesellen sich zu den Barockinstrumenten vorübergehend Volksinstrumente wie das Charango oder die Paraguay-Harfe, die der kleinen Barockharfe ähnelt. Die Instrumental- und Vokalstücke, virtuos gespielt von den Musikern aus aller Welt und mit tänzerischem Elan gesungen von den Italienern Lucilla Galeazzi, Luciana Mancini und Vincenzo Capezzuto, gehen bruchlos in einander über.

     

    Da trifft eine Komposition aus dem 17. Jahrhundert auf eine Komposition von Astor Piazzolla oder auf Traditionals wie das Wiegenlied Duerme negrito, das Mercedes Sosa und Victor Jara, vor allem aber, unübertroffen, der große indianische Liedermacher Atahualpa Yupanqui im Repertoire hatten. Vergleicht man Yupanquis rauhe, brüchige Version mit Quito Gatos Arrangement für L'Arpeggiata, kann man doch eine Differenz zwischen dem folkloristischen Zugang und der Glättung für den Salon festmachen. Hier aber, im prunkvollen barocken Ordenssaal des Ludwigsburger Schlosses, riss das Ensemble das Publikum zu wahren Begeisterungsstürmen hin. Und dafür brauchte es keine Lautsprechertürme. Die Substanz liefert mehr als nur Ersatz für Lautstärke. Hat man das mittlerweile vergessen?

     

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