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    TITEL kulturmagazin
    Samstag, 19. August 2017 | 07:16

     

    Martin Grubinger & Friends in Ludwigsburg

    18.05.2011

    Der Superstar des Schlagzeugs

    Jubel am Schluss, wie er an diesem Ort nicht alle Tage zu hören ist. Martin Grubinger hat mit seinen Freunden auf seiner Welttournee, die ihn bis nach Kolumbien und Japan geführt hat, in Ludwigsburg Station gemacht. Auch Stuttgart, nur wenige Kilometer entfernt, steht auf dem Plan. Erst kürzlich hat er da eine eindrucksvolle Komposition seines österreichischen Landsmanns Friedrich Cerha präsentiert. Von THOMAS ROTHSCHILD

     

    Martin Grubinger, der dieser Tage seinen 28. Geburtstag feiert, ist der unangefochtene Superstar des Schlagzeugs. Des Schlagzeugs? Ist er etwa ein Jazzer, der Erbe von Art Blakey und Max Roach? Keineswegs, obwohl er auch da mitmischen könnte. Aber seine eigentliche Domäne ist die zeitgenössische Musik, die man eher der sogenannten E-Musik zurechnet.

     

    Klaviersolisten gibt es ja jede Menge, und auch an Violinsolisten herrscht kein Mangel. Schlagzeugsolisten hingegen sind jenseits von Jazz und Rockmusik selten. Martin Grubinger ist nicht ein Produkt des üblichen Medien-Hypes. Er ist vielmehr, technisch wie musikalisch, ein Ausnahmetalent, und nicht zufällig schreiben zeitgenössische Komponisten extra für ihn. Vielleicht ist er sogar der Einzige, der diese Kompositionen zurzeit interpretieren kann. Obwohl – das muss gerechterweise erwähnt werden – zumindest sein Ensemblemitglied Rainer Furthner das Zeug zu haben scheint, sich selbständig und ihm demnächst Konkurrenz zu machen.

     

    In Ludwigsburg trat Grubinger mit fünf weiteren Perkussionisten, einem Elektrobassisten und einem Pianisten auf. Dass er zwei Stücke, die eigentlich für Schlagzeug und Orchester geschrieben sind, nur in einer Fassung für Schlagzeug und Klavier vorführen konnte, ist bedauerlich. So vorzüglich Per Rundberg die Aufgabe an den Tasten bewältigt: Da geht doch etwas verloren. Es ist ja wohl kein Zufall, dass selbst Kompositionen, die ursprünglich für Klavier geschrieben wurden, etwa Mussorgskis Bilder einer Ausstellung, häufiger in einer Bearbeitung für Orchester gespielt werden.

     

    Ein neuer Stil

    Aber der Clou des Abends sind nun einmal die Perkussionisten – und allen voran Martin Grubinger. Sie werden dringend benötigt, um die Bedeutung etwa des sträflich vernachlässigten Iannis Xenakis sinnlich erfahrbar zu machen. Aber auch die anderen Stücke des Abends demonstrierten, wie unterschiedlich und stets anregend Perkussionsinstrumente Ersatz für die üblichen Streicher und Bläser liefern können. In Bruno Hartls Konzert für Schlagzeug und Orchester wird Rachmaninow zitiert, in Keiko Abes hochdramatischem Wave Rimski-Korsakows Hummelflug. Hier übrigens wird gründlich aufgeräumt mit einer vergeistigten Auffassung von Musik. Das ist Kunst, die aus dem Körper kommt. Das sieht man nicht nur, das hört man auch. Und immer wieder die Virtuosität. Aber selbst bei atemberaubender Geschwindigkeit vernachlässigt Grubinger nicht die Differenzierung von Lautstärken und Klangfarben.

     

    Martin Grubinger und seine Freunde treten in schwarzen T-Shirts auf. Von der weihevollen Haltung, die früher zu »Klassik«-Konzerten gehörte und viele junge Menschen abschreckte, ist da nichts mehr vorhanden. Das ist ein neuer Stil. Dieses Ensemble tritt locker und unprätentiös auf, ohne sich an ein vermeintliches Pop-Publikum anzubiedern. Es verhält sich zu den Schnöseln im Oberkellneroutfit wie junge Schauspielerinnen freier Gruppen zu den Diven früherer Jahre im Pelzcape. Als Zugabe wird der Ragtime Look out little Ruth von Kurt Engels offeriert, und da gibt es keinen Bruch zu dem vorausgegangenen Programm. Friedrich Gulda hätte seine Freude daran gehabt.


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