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    TITEL kulturmagazin
    Montag, 26. Juni 2017 | 03:48

     

    Gabriela Montero live in Houston

    09.03.2011

    Kein Anlass zu europäischer Überheblichkeit

    Gabriela Montero stammt aus Venezuela. Die große Martha Argerich sagte von ihr: »Ich bin selten so einem Talent wie Gabriela begegnet.« Da meldet sich nicht das feministische Netzwerk – wirkliche Talente benötigen das nicht –, sondern ehrliche Bewunderung. Gabriele Montero wird auch alljährlich von Argerich nach Lugano eingeladen. Und mit solch einem Zeugnis lässt sich schon leben. Darauf darf eine Pianistin stolz sein. Von THOMAS ROTHSCHILD

     

    Gabriela Montero ist bekannt für ihre Improvisationen über Themen von Kinder- oder Volksliedern, die sie sich aus dem Publikum zurufen lässt. Die Improvisation, für den Jazz ein konstitutives Element, ist in der so genannten »Klassik« abhanden gekommen. In der Barockmusik war sie noch unverzichtbar, in den Kadenzen der Konzerte des 19. Jahrhunderts lebte sie weiter, bis sich immer mehr improvisationsunwillige oder -unfähige Solisten darauf beschränkten, bewährte Kadenzen nachzuspielen. Gabriela Montero verjazzt die Themen nicht, die ihr vorgeschlagen werden. Sie erfindet vielmehr »aus dem Stegreif« eher anachronistische Kompositionen, die als solche identifiziert würden, wüsste man nicht, dass sie aus einer Laune heraus eben erst kreiert wurden, wie Blitzdichter im Varieté einst aus zugerufenen Stichwörtern gereimte Verse »dichteten«.

     

    Solche Improvisationen lieferte Gabriela Montero bei ihrem Debüt in Houston als Zugabe. Zuvor brillierte sie mit einem nicht mehr allzu oft gespielten Stück, das standig ovations geradezu erzwingt. In der Rhapsodie über ein Thema von Paganini treffen zwei Virtuosen auf einander: der Geigenvirtuose Paganini eben und der Komponist der Variationen Sergej Rachmaninow. Das Thema von Paganinis 24. Capriccio in a-Moll mit seinen großen Intervallsprüngen ist für sich schon äußerst effektvoll. Es hat fast ein halbes Jahrhundert nach Rachmaninow auch den Musical-Scharlatan Andrew Lloyd Weber zu »Variationen« für seinen Cello spielenden Bruder angeregt.

     

    Subtile Eleganz

    Dass Gabriela Montero eine Virtuosin ist, konnte sie mit Rachmaninow beweisen. An Technik und Geläufigkeit ließ ihre Interpretation nichts zu wünschen übrig. Aber das allein bliebe eher Zirkus als Konzert, wenn da nicht die Eleganz und die Subtilität von Monteros Anschlag hinzu käme. Sie behandelt die Klaviertasten eher schelmisch verspielt als kraftvoll, was bei Rachmaninow keineswegs selbstverständlich ist. Vergleicht man Monteros Körpersprache etwa mit der des gerade vier Monate älteren Fazil Say, so fällt ihre Zurückhaltung auf. Die Bewegung geht von den Schultern und vor allem von den Handgelenken, nicht vom Oberkörper aus.

     

    Rachmaninows Rhapsodie schielt nach dem Effekt, wenngleich auf hohem Niveau. Dieses Niveau erreicht Joaquin Turina mit seinen Danzas fantásticas von 1920, die dem Auftritt Gabriele Monteros voraus ging, nicht. Das dreiteilige Orchesterwerk ist irgendwo zwischen de Falla oder Granados und Dimitri Tiomkin anzusiedeln. Spanische Pseudofolklore und Filmmusik.

     

    Im Programm stehen die Namen der Sponsoren – nicht nur für das Konzert, sondern auch für den Dirigenten und die Partiturauszüge. Nach der Pause spielte die Houston Symphony unter Juanjo Mena in jener Stadt, deren Flughafen den Namen des älteren George Bush trägt und in der sich die Besucher im Theaterbezirk wie unterirdische Geister aus den Tiefgaragen direkt in die Veranstaltungsräume bewegen, ohne die Straße betreten zu müssen, Mozarts g-Moll Symphonie Nr. 40. Zu europäischer Überheblichkeit gibt es keinen Anlass. Dass damit dem Publikum nach den Reißern des ersten Teils Anstrengung abverlangt wurde, kann man freilich auch nicht behaupten.

     

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