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Mittwoch, 29. März 2017 | 13:10

Cloud Atlas Symphony

16.11.2012

700 Seiten Buch. 3 Stunden Film. 90 Minuten Musik. Ein Abend.

Kristjan Järvi zappelte. Ruderte. Seine Arme schrien: »Los! Gib alles du Knecht!«. Die Gesichtsmuskeln vollzogen einen Marathon. Verlor er die Kontrolle über seine turbulente Mimik? Gewissermaßen. Aber Egal! Als Dirigent einer Uraufführung gibt man alles. Besonders wenn es sich dabei um einen Soundtrack für den Film Cloud Atlas handelt. Von VICTOR RUCHOTZKI

 

Gleichermaßen euphorisch: Das MDR Sinfonieorchester. Ein Uhrwerk, dessen Zahnräder ineinandergriffen und erst durch ihr abgestimmtes Zusammenspiel vollends wirkten. Hier zeigte sich Professionalität in Reinform.

Dennoch! Der Funke sprang nicht über. Ein Sound, so verwechselbar wie die Olsen-Twins. Ein eingängiger Klangteppich wie in Matrix oder Star Wars? Fehlanzeige! Scheint wohl nicht mehr in Mode zu sein.

 

Deutscher Star-Regisseur im Redeschwall

Tom Tykwer, Co- Regisseur des Films, war ebenfalls anwesend. Er behielt recht, als er bei der vorangegangenen Podiumsdiskussion meinte: »Man sollte erst den Film sehen, bevor man das Konzert besucht.« Guter Tipp! Allerdings erschien Cloud Atlas erst fünf Tage später im Kino. So erlebte der Zuschauer halt einen Filmsoundtrack ohne Bezug zum Film. Grandios!

 

Hat es sich trotzdem gelohnt? Für Filminteressierte schon. Tom Tykwer gab einige pikante Anekdoten über den Entstehungsprozess  preis: Wie er mit den Wachowski- Geschwistern im Ferienhaus den Fußboden mit Drehbuchkärtchen vollpflasterte. Sponsoren für den 100 Millionen Euro teuren Film finden musste, weil »Hollywood« Angst vor gewagten Projekten hat. Ein Kilo Maske von Nöten ist, bis man Tom Hanks nicht mehr erkennt. Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Babelsberg und … Trommelwirbel: Mallorca die Drehorte für Cloud Atlas waren. Ach ja und: Tom Tykwer gab zu: »Ich bin kein Genius!« Kaum vorstellbar.

 

Erwartung bis zur Schmerzgrenze hochgeschraubt

Ein Trailer mit über fünf Minuten Länge?  Dauert ja länger, als so mancher Koitus. Diesen Appetithappen bekamen die Zuschauer vorab des Abendprogramms zu sehen: Ein Mix aus Science-Fiction, Mittelalter-Schlachten, spektakulären Kamerafahrten, tollen Special-Effekts und einer vielversprechenden Story. Die eigene Vorfreude ließ gedanklich schon einmal die Kinokarten reservieren. Hoffentlich zeigt der Film »Hollywood«, dass sich auch riskante Ideen finanziell lohnen.

 

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