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Mittwoch, 29. März 2017 | 20:53

Randy Newman - live in Stuttgart!

08.03.2012

Er lebt, und er weiß es

Es muss einfach einmal gesagt werden: Er ist einer der Größten. Nächstes Jahr wird Randy Newman siebzig, und seine Zuhörer sind mit ihm alt geworden. Aber es sind genug, um den Stuttgarter Hegel-Saal zu füllen, einen Konzert- und Kongress-Saal von imponierendem Fassungsvermögen. Von THOMAS ROTHSCHILD

 

Randy Newman ist ein Singer Songwriter im engsten Verständnis, das amerikanische Gegenstück zum deutschen Liedermacher. Und er ist in allen drei Sparten, die den Singer Songwriter ausmachen, ein Gigant: als Texter, als Komponist und als Interpret.

 

Seine Schallplatten nimmt er in der Regel mit großer Besetzung auf. Der Sohn des renommierten Filmkomponisten Alfred Newman weiß, was ein Orchester zu leisten vermag. Aber bei seinen Live-Auftritten setzt er sich an den Flügel und singt seine Lieder, ohne Show, ohne Klimbim, einfach nur so – und mehr braucht es auch nicht.

 

In Stuttgart fängt er mit jenem Song an, der der Gruppe Three Dog Night einen Hit beschert hat: Mama Told Me Not To Come. Er singt im Laufe von gut zwei Stunden den Ragtime Birmingham und Short People, gegen die heftige Proteste laut wurden, You've Got A Friend In Me aus dem Film Toy Story, You Can Leave Your Hat On, diese Voyeurs-Hymne, die auch Joe Cocker zu einem Riesenerfolg verhalf, Political Science, In Germany Before The War, Baltimore, Louisiana 1927, Harps And Angels, Lonely At The Top, Sail Away oder I Think It's Going To Rain Today.

 

Randy Newman wurde oft missverstanden, weil man seine Ironie nicht erkannt und seine Texte beim Wort genommen hat und weil bei Rollenliedern die geäußerte Meinung immer wieder für die Meinung des Autors gehalten wird. Naive Gemüter verwechseln die Karikatur, die Randy Newman entwirft, mit ihm selbst. Sein Spott soll in erster Linie den US-amerikanischen Spießer treffen, den Rassisten aus den Südstaaten und den Patrioten, der am liebsten die ganze Welt God's Own Country unterordnen würde, und sei es, indem er sie mit »the Big One«, der Atombombe, »pulverisiert«. Es bedarf schon eines einfältigen Gemüts, um Randy Newman für einen der Ihren zu halten.

 

Aber er macht sich auch über sich selbst lustig, wenn er, vom Publikum unterstützt, bekennt: »I'm dead, but I don't know it.« Und Randy Newmans Songs können einfach zärtlich sein, intim, herzerwärmend. Er steht in der Tradition von Hoagy Carmichael. Man könnte fast sagen: Er ist dessen legitimer Nachfolger. Er singt mit gepresster Stimme, heiser, unverwechselbar. Nein, das ist nicht, was Opernfreunde eine schöne Stimme nennen würden. Aber welch eine Ausstrahlung, welch ein Charisma. Die Fans wissen, was sie an ihm haben. Einer brüllt hinauf auf die Bühne: »Mach weiter, Randy.« Es fällt auf, weil hier ein Publikum sitzt, das lieber zuhört als sich selbst darzustellen. Dieser Zwischenruf aber wird akzeptiert. Nächstes Jahr wird er siebzig. Ein Flügel auf einer leeren Bühne wird sich auch weiterhin für ihn finden.

 

 

Foto: Masahiro Sumori

 

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