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    TITEL kulturmagazin
    Freitag, 28. Juli 2017 | 15:03

    Noel Gallagher im Beacon Theatre, New York

    24.11.2011

    Ein Gefühl reinen Glücks

    Noel Gallagher hat sich nach dem Ende von Oasis nicht nur musikalisch weiter entwickelt, sondern auch auf der Bühne. So hat man Noel noch nicht gesehen! Eine musikalische Nachlese aus New York von MARTIN SPIESS.

     

    Das einzige, was an diesem Abend nicht stimmt, ist, dass mein bester Freund D. nicht dabei ist. Und wie um mir zu zeigen, wie es sein könnte, wenn er dabei wäre, sitzen zwei beste Freunde in meinem Alter neben mir, die eine US-amerikanische Version von D. und mir abgeben: Sie haben sich in ihrer Jugend gegenseitig in ihrem Oasis-Wissen und ihrer Textsicherheit zu übertreffen versucht, sind so oft sie konnten zu Konzerten gegangen, haben Fanartikel angehäuft und zu Noels Songs geküsst, geweint, getrauert und gefeiert, kurz: gelebt.

     

    Und sie haben seit der Highschool – seit 15 Jahren – davon geträumt, Noel irgendwann mit einem Soloprogramm live zu sehen. Ein Traum, der – sie können es noch gar nicht richtig fassen – an diesem Montagabend in Erfüllung geht. Und dann noch hier, in New York, im nicht anders als majestätisch zu nennenden Beacon Theatre. Mir geht es genauso: Ich habe Noel als Teil von Oasis in Berlin gesehen, in Dresden, in Hamburg und Stockholm. Aber ihn hier zu sehen, in der Hauptstadt der Welt, das gleicht in der Tat einem Traum.

     

    »How can one guy write so many great songs?«

    Es gilt nur, die dreißig Minuten spielende, wenig aufregende Vorband The Hours und eine ebenso lange Umbaupause zu ertragen, dann ist es endlich so weit. Trotzdem aber fragt man sich kurz, was Noel dazu bewogen haben mag, eine Band zum Support zu machen, deren Dreieinhalbminüter popmassakerartiger kaum sein könnten und die mit Lyrics daherkommen wie: »I just wanna be happy/ I just wanna be free/ Is this too much to ask these days?/ I don’t believe it should be«.

     

    Bezeichnenderweise wird der The-Hours-Sänger beim Konzert am Dienstagabend das Publikum fragen: »How can one guy write so many great songs?« Und er wird die Art von Antwort geben, die einem schlechten Songwriter wie ihm die einzige Antwort auf diese Frage scheint. Eine übernatürliche nämlich: »He must have sold his soul to the devil on the crossroads.«

     

    Das debile Grinsen eines frisch Verliebten

    Ich hatte erwartet, dass der Abend großartig werden würde. Immerhin schrieb ich in diesem Magazin, dass Noels Soloalbum das Beste sei, was er je geschrieben habe. Ich hatte allerdings nicht erwartet, dass er auch alte Songs spielen würde. Mit (It’s Good) To Be Free eröffnet er das Konzert, was zwischen meinen beiden Nachbarn die Diskussion lostritt, wo genau im Songtitel die Klammern sind. Es folgen Mucky Fingers, Wonderwall in einer Ryan-Adams-artigen Version, Supersonic, Talk Tonight, Half The World Away, The Importance Of Being Idle und – wo sonst, wenn nicht am Ende? – als letzter Song Don’t Look Back in Anger.

     

    Mit jedem alten Song, den Noel spielt, wird mein debiles Grinsen, das man sonst auf den Gesichtern frisch Verliebter sieht, immer breiter. Seine Songs sind der Hauptbestandteil des Soundtracks meines Lebens, und die Freude darüber, dass ich hier, in New York, so weit weg von zuhause, an all die Momente erinnert werde, in denen seine Songs mein Leben begleitet haben, lässt sich nicht in Worte fassen.

     

    Befreit von polternder Rock&Roll-Attitüde

    Es ist aber nicht nur Nostalgie und Eifersucht auf meine Sitznachbarn, die sich diesen Jugendtraum gemeinsam erfüllen, während D. Tausende von Kilometer weit weg ist. Es ist vor allem empathische Freude, merkt man Noel doch an, wie sehr er es genießt, nicht mehr am Rand der Bühne zu stehen, sondern in deren Mitte – und einfach nur Musik machen zu können: Ohne seinen polternden, mittelpunktsüchtigen Bruder. Liam und seine indifferente Art fehlen nicht, ganz im Gegenteil: Es ist, als habe Noel sich befreit von den engen Rock&Roll-Vorstellungen seines Bruders und sei dadurch – weil er endlich so Musik machen kann, wie er es immer wollte – viel mehr Rock&Roll, als es Liam mit seiner extrovertierten Attitüde jemals sein könnte. Am Ende geht es schließlich nur um eins: die Musik.

     

    Als bei Don’t Look Back in Anger alle stehen und Noel – wie auch schon zu Oasis-Zeiten – beim Refrain vom Mikro zurücktritt und die knapp 3000 Menschen (also auch mich) singen lässt, werde ich von einem Gefühl reinen Glücks durchströmt, das nur kennt, wer sein Herz wie ich an einen so poetischen Songschreiber verloren hat. Und das mich darin bestärkt, so und genau so über ein Noel-Konzert zu schreiben. Auch wenn er einst schrieb: »Please don’t put your life in the hands of a Rock&Roll band who’ll throw it all away.«

     

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