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    TITEL kulturmagazin
    Mittwoch, 28. Juni 2017 | 02:23

    Josef Hader: Hader spielt Hader. Live

    11.01.2010

    Parforceritt in Unterhosen

    Josef Hader ist der beste Kabarettist Österreichs, doch sein Best-of-Album Hader spielt Hader. Live. Nummern aus 5 Programmen ist nicht sein bestes, meint MATTHIAS ROß

     

    Josef Hader ist das Aushängeschild des österreichischen Kabaretts. Seit Jahren tingelt der ewig grantelnde Zyniker über die Kleinkunstbühnen des gesamten deutschsprachigen Raumes und sahnt einen Preis nach dem anderen ab. Seit Neuestem tritt er auf mit Hader spielt Hader, einem Best-of seiner bisherigen Programme. Am 17. und 18. Oktober 2009 gastierte er im Audimax der Münchener Ludwig-Maximilians-Universität. Aus den beiden Auftritten entstand die neue Doppel-CD. Doch die kommt einem irgendwie bekannt vor: 1997 erschien schon einmal eine Best-of-CD von Josef Hader, die verwirrenderweise ebenfalls den Namen trug Hader spielt Hader. Was also ist geschehen, dass ein Update dieser CD von Nöten wäre?

     

    Déjà-vu

    Wie Hader im Booklet selbst zugibt, ist „künstlerisch eigentlich nicht zu argumentieren, außer durch eine Scheidung oder eine Steuernachzahlung“. Doch Hader spielt Hader ist mehr als ein Re-Release – die 97er-CD war nur ein Zusammenschnitt diverser Nummern aus den verschiedensten Programmen und Auftritten. Die neue hingegen ist die Aufnahme zweier Auftritte, bei denen die Nummern tatsächlich am Stück gespielt wurden. So bietet das Programm als Live-Erlebnis wirklich Neues, doch für den Käufer der CD ergibt sich kein großer Unterschied, zumal die CD immer noch ein Zusammenschnitt bleibt, wenn auch nur aus den Auftritten zweier aufeinanderfolgender Abende. Dafür hat sich inhaltlich einiges getan. Die neue Version ist deutlich länger als die alte Einzel-CD und wurde durch  Haders erfolgreichstes und auch beliebtestes Programm Privat ergänzt. Komischerweise bleibt das nachfolgende, wahrscheinlich komplexeste Programm Haders, Hader muss weg, weitgehend ausgeblendet. Kein einziger vollständiger Track hat es auf die Best-of-CD gebracht, nur der ein oder andere Gag, der in eine andere Nummer eingearbeitet wurde – eine sowohl künstlerisch wie auch kommerziell eher kuriose Entscheidung.

     

    Lesen Sie im Buch:  Hader, Josef - Hader spielt Hader

     

    Konzeptionell ist die neue Hader spielt Hader, die durch den Zusatz Nummern aus 5 Programmen. Live von der alten unterscheidbar ist, hingegen eine runde Sache. Routiniert steuert Hader durch seine Nummern, die er geschickt ineinander gewebt hat; ein Bruch zwischen einzelnen Stücken, die jetzt aufeinanderfolgen, aber eigentlich zu unterschiedlichen Programmen gehören, ist kaum bemerkbar. Der Hörer lauscht gebannt einem Parforceritt durch alle kulturellen Belange, von der Beschaffenheit der Unterbekleidung (im Stück „Eine frische Unterhose“), über die Geschichtsphilosophie („Humanismus“) bis hin zum Metaphysischen („In der Hölle“). Highlight ist das Stück „Gesunde Ernährung“, in der sich der Grantler Hader in Topform erweist. Vor allem als das Publikum bei einem leicht franzosenfeindlichen Gag eine Spur zu laut lacht, was Hader Anlass gibt zu einem ätzenden Exkurs zum Thema Fremdenfeindlichkeit.

     

    In der Hölle

    Im direkten Vergleich zu Privat fallen die Stücke „In der Hölle“ und „Der Steinscheisserkarl“ jedoch ab. Dass Hader mit diesem Programm zehn Jahre lang aufgetreten ist, merkt man ihm hier an. Fast hat man das Gefühl, dass Hader die Stücke selbst kaum noch ertragen kann und dass er, wenn er sie noch einmal mehr spielen muss, anfangen wird zu leiern. Der Tonfall stimmt nicht mehr hundertprozentig und das Timing ist ungenau. Gerade deshalb aber sind diese Tracks für Komikinteressierte, die Privat schon besitzen, besonders interessant. Es ist faszinierend zu hören, wie viel weniger ein Witz lustig sein kann, wenn die Betonung nur ein klein bisschen anders ist oder die Pointe einen Moment zu früh kommt. Gags, die auf Privat ein donnerndes Zuschauergelächter entzünden, versanden auf Hader spielt Hader. Auch die Subtilität ist ein wenig verloren gegangen. Wenn der Teufel in „In der Hölle“ sich nicht mehr als rechter Journalist Nimmerrichter, sondern als FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache verkleidet, ist das ein ganzes Stück weniger elegant, weil offensichtlicher als in der ursprünglichen Variante. Dennoch ist Hader spielt Hader. Nummern aus 5 Programmen. Live  im Großen und Ganzen eine recht gelungene CD für Leute, die mit dem bösartigen Humor des Österreichers noch nicht vertraut sind. Kennern des Kabaretts seien jedoch die vorangegangenen CDs Hader spielt Hader (1997) und Privat empfohlen, die gemeinsam die gesammelten Nummern auch fast alle enthalten, aber dort noch besser gespielt sind.

     

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