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Angela S. Choi: Hello Kitty muss sterben

06.12.2010

Kamikaze Katze

Hello Kitty muss sterben – in Angela S. Chois Erstlingswerk ist der Titel Programm. Die junge Autorin will nicht länger der Norm entsprechen und schafft so etwas radikal Neues. Von CHRISTIANE MIETH

 

Fiona ist eine chinesische Spitzenanwältin in San Francisco. Sie trägt Zehnzentimeterabsätze, weil sie darauf steht, wenn der stechende Schmerz sich die Waden hinauf zieht. Und nein, sie ist KEINE Hello Kitty.

 

Ihre Weiblichkeit fehlte Fiona Yu schon, bevor sie Bekanntschaft mit Mr. Happy machte. Und derjenige, der ihr diese Weiblichkeit geben soll, damit sie sie eigenhändig wieder zerstören kann, ist ausgerechnet ihr Schulfreund Sean. Sean spielt gern mit dem Feuer und hasst Hello Kittys genau wie Fiona. Also räumt er sie kurzerhand aus dem Weg. Eigentlich haben sie es nicht anders verdient, diese Miezen geben der Welt nichts zurück, er verrichtet im Grunde nur Gottes Werk. Bis Gottes Werk ihn selbst richtet und Fiona zum Porträt ihres Bildschirmschoners wird.

 

High Heels, Mr. Happy und Gottes Werk

Hello Kitty muss sterben rechnet skrupellos und rotzfrech ab mit der rosaroten Schleifenkatze. Indem Fiona mit den traditionellen Erwartungen ihrer vorbildlichen Familie bricht, verpasst sie dem süßen Schmusekätzchen einen gehörigen Tritt in den Allerwertesten. Ihr Vater sehe sie zwar lieber mit einem anständigen, aber vollkommen unfähigen Chinesen, brav hinterm Kochtopf, stumm und krallenlos, doch Fiona pfeift auf ihren Vater. Wie Pepito, ihre große Liebe. Und nein, sie wird keinen Lippenstift tragen.

 

Gemeinsam mit der flauschigen Stoffkatze landen auch die kitschigen Klischees einer perfekten Welt im Mülleimer – zu viele Flunies. Tja, mit Drogen ist nicht zu spaßen. Mit Angela S. Choi auch nicht. Ihre spitze Zunge zeigt kein Erbarmen. Knallhart bestreitet die in Hong Kong geborene Autorin ihr literarisches Debüt und setzt so ein klares Statement: Hello Kitty kann ihr gestohlen bleiben.

 

»Bloß krallenlos, zahnlos, stumm«

Aber was passiert eigentlich wirklich in diesem Buch? Wir teilen Fionas gespaltene Persönlichkeit eine Weile, beobachten und nicken. Hai. Doch so recht fesseln will uns die Geschichte nicht. Wenn die Autorin schon mit solch frisch-frecher Bösartigkeit besticht, wieso verzichtet sie dann auf einen ausgeklügelten Spannungsbogen? Schade, denn das wäre tatsächlich eine teuflische Mischung. Dennoch, ein gelungenes Debüt.


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