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    TITEL kulturmagazin
    Donnerstag, 24. August 2017 | 03:01

    Frank Klötgen: Der Fall Schelling

    10.05.2010

    Ein diffuser Tagtraum

    Slam-Poet Frank Klötgen, der moderne Chronist abstruser Alltagsmythen, der problemlos Chill-out-Zone und Schiller in einer Zeile unterbringt, hat nun seinen ersten Roman geschrieben. AUGUST WERNER hat ihn gelesen.

     

     

    Seine Vielseitigkeit bewies er bereits mit Will Kacheln, einer Zusammenstellung von Bühnentexten zu meist obskuren Begebenheiten, die erst durch seine Nachdichtung erwähnenswert werden, und mit Spätwinterhitze, einem in schwarz-weißer Old-school-Grafik gehaltenem Noir-Pc-Spiel. Nun also ein erneuter Genrewechsel, der auf den ersten Blick auch ganz geglückt scheint.

     

    Der in der Öffentlichkeit verstorben geglaubte Autor Schelling erwacht nach siebzehn Jahren aus dem Koma, und in dem Maße, wie die Sinne ihn erst peu à peu wieder ermöglichen, seine Umwelt und sich selbst wahrzunehmen, wird auch der Leser häppchenweise in den Plot hineingezogen. Aus der Perspektive des wiedererwachenden Autors erzählte Passagen wechseln sich ab mit denen eines außerhalb stehenden Erzählers, der warme Ton bleibt derselbe.

     

    Alle Figuren kreisen wie emsige Bienen um Schelling, der, selbst jeglichen Gefühls beraubt, mitansieht, was die anderen mit ihm vorhaben. Da ist zum Beispiel der Chefarzt Böger, dem das Projekt aus Prestigegründen besonders am Herzen liegt. Sein Stellvertreter Kruschke, ein windiger, undurchsichtiger Kronprinz, lauert jeden Moment darauf, dessen Posten zu übernehmen und endlich die (seiner Ansicht nach) dringenden Veränderungen im Aufwecken der Langzeit-Komapatienten vorzunehmen. Schelling ist nicht der einzige Wiederbelebte, aber durch seine Popularität für die Außenwirkung der Klinik ungemein wichtig, da diese die neuen, bahnbrechenden Erkenntnisse nun der Öffentlichkeit präsentieren will.

     

    Ziel und Handlung des Buches sind es, Schelling wieder an sein gewohntes Leben heranzuführen, das sich durch den Tod seiner Frau und das Erwachsenwerden seiner Tochter in der Zwischenzeit grundlegend geändert hat. Und natürlich wünscht die zahlreiche Leserschaft des Autors Schelling, dass er seine Schreibtätigkeit wieder aufnehmen möge. Der letzte Roman blieb seinerzeit unvollendet und die Deutungen des möglichen Schlusses haben die Literaturkritik immens beschäftigt. Vor allem der Verleger Heitmann würde von weiterem „Stoff“ profitieren. Ihn trifft Schelling auf Geheiß eines mysteriösen Greises, sein ehemaliger Zimmernachbar in der Klinik. Dieser hat etwas mit ihm vor, lässt Schelling über Weiteres allerdings im Unklaren. Enthüllungen kündigt er an und weicht als dunkler Gegenspieler zum Weißkittel Böger dem willen- und etwas seelenlosen Schelling kaum noch von der Seite. Während seine Umwelt ihn manipuliert, hat sich Schilling noch nicht entschieden, ob er über seine Rückkehr glücklich sein soll oder nicht. Wellenartig wird das Textgebilde heller (Schelling erwacht von den Toten), entwickelt dann im diffusen  Aufleuchten von Wohn- und Schlafzimmern oder dem grellen Licht der Krankhausgänge eine matte Art von Leben, um schließlich erneut in Dunkelheit zu versinken.

     

    "Ein Tragödien-Hauptstatist weiß auch wofür Katharsis ist"

    Ein diffuser Tagtraum ist dieser Roman, der einem immer wieder die emotionale Distanz der miteinander verwobenen Figuren vor Augen führt, der Rätsel aufgibt, der auf einen tragischen Schluss hinausläuft, aber nie wirklich düster ist. Gekonnt umschifft Klötgen die Verlockung, mit ihm wohl vertrauten Mitteln die Handlung durch Brachialhumor aufzupeppen. Bedacht ist er in die neue Gattung vorgedrungen und hat dem Slamer in ihm eine Pause gegönnt.  

     

    Doch leider offenbaren sich auf den zweiten Blick einige Schwächen: Die Handlung des Romans zieht sich zäh in die Länge und die Hoffnung auf eine spannende Wendung wird schnell enttäuscht. Zu spät baut sich Spannung auf, zu langatmig sind manche Passagen, deren Gehalt dies nicht rechtfertigt. Immer wieder scheint Klötgen vom Wesentlichen abzulenken, wechselt rasch den Schauplatz, springt munter von hier nach dort und lässt den Leser mit vagen Andeutungen zurück. Unermüdlich werden Fährten ausgelegt und Hinweise zwischen die Zeilen gestreut, doch die ausgelegten Spuren verlieren sich im Sande. Im Laufe des Romans häufen sich etliche wirre und unnatürliche Begebenheiten, fast scheint es, als hätte sich die ganze Geschichte dem Autor ebenfalls in Wachkoma offenbart. Die Auflösung bleibt, wie die letzte Szene, im selben unbestimmten Dunkel verborgen, aus dem Schelling zu Beginn erwachte. Aber, wie Klötgen beteuert: „Ein Tragödien-Hauptstatist weiß auch wofür Katharsis ist.“

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