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Michael Connelly: Unbekannt verzogen.

14.02.2005

 
Thriller professionell

Der amerikanische Erfolgsautor Michael Connelly hat mit "Unbekannt verzogen" einen weiteren fesselnden und temporeichen Thriller vorgelegt. Nach amerikanischer Westküstenart erzählt er noch ganz nebenbei von Einsamkeit und Paranoia.

 

Zunächst sei vorweg geschickt, dass Michael Connelly, der unter den jüngeren Krimiautoren bereits eine Institution in Sachen Qualität und Quantität ist, eine ungeheure Professionalität zeigt. Dies kann man nicht nur an der Ausgewogenheit von Handlung und Charakteren, an dem passenden Tempo des Erzählflusses, sondern auch besonders an der dezenten Herausarbeitung des gut recherchierten Hintergrunds – der für den naturwissenschaftlichen Laien kaum bekannt ist – ablesen. Und der Psychokomplex des Protagonisten sorgt ebenfalls für einen wohldosierten Beitrag, der eine spannungsreiche und fesselnde Lektüre einbettet und trägt.

Hallo hier ist Frank. Ich möchte Lilly sprechen...

Das ganze Abenteuer, und ein solches ist es auch für den Leser, beginnt damit, dass Henry Pierce eine neue Telefonnummer bekommt. Leider melden sich nun ständig Kerle, die eine gewisse Lilly sprechen wollen. Schnell recherchiert Pierce, dass sich diese Nummer ausgerechnet auf der Sexsite eines Internetanbieters befindet und Lilly eine Prostituierte ist. Anstatt sich aber einfach eine neue Nummer einrichten zu lassen, will er der Sache auf den Grund gehen – denn Lilly zieht ihn magisch an. Hintergrund dieser Magie: Er gibt sich die Schuld an dem frühen Tod seiner Schwester, die auf die schiefe Bahn geraten war. Aber Pierce ist kein sentimentaler Mensch, auch niemand, der gewöhnlich den heiligen Samariter spielt. Er ist Forscher und Vorstandsvorsitzender eines Startup-Unternehmens, das vor einer bahnbrechenden Entdeckung steht: Der chemischen, auf Molekularebene basierenden Speichertechnologie, die den begrenzten Siliziumchip in die Vergangenheit schicken will. Der ehrgeizige Pierce opferte dafür sogar die Beziehung zu Nicole, die er doch eigentlich liebt...

Zwischen Paranoia und Einsamkeit

Im Verlauf der Handlung verstrickt sich Pierce nun immer weiter in die Suche nach Lilly, die anscheinend spurlos verschwunden ist. Immer intensiver und wilder gestaltet sich diese Suche. Dann macht er eine Entdeckung, die nicht nur den Betreiber der Internet-Site sondern auch die Polizei auf den Plan ruft. Die Suche bringt ihn selber in Gefahr und die Polizei verdächtigt ausgerechnet ihn. Als es kaum mehr einen Ausweg gibt, analysiert er alle Fakten und es kommt zum Showdown mit Überraschung.
Neben der atemberaubenden Thrillerhandlung gelingt es Connelly, noch ganz nebenbei von der Paranoia und der Einsamkeit zu erzählen, die den Helden plagen: Pierce darf schon von Berufs wegen niemandem trauen, denn alle Forschungsergebnisse sind hochbrisant und mächtige Interessen sind im Spiel. Zudem ist Pierce just von der Frau verlassen worden, der er interne Geheimnisse verraten hatte. So entwickelt Connelly, neben der hochspannenden Konstruktion des Plots, ein Psychogramm eines Einsamen, eines Getriebenen, eines Individuums, das, obwohl Held, doch eigentlich zu bemitleiden ist.

Frank Kaufmann



Michael Connelly: Unbekannt verzogen. Aus dem Amerikanischen von Sepp Leeb. Roman. Heyne. 2004.Geb. 400 S. 21,00 ¤. ISBN 3-453-00081-1

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