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Donnerstag, 23. Mai 2013 | 17:43

Tamikrest: Toumastin

21.04.2011

Granaten zu Gitarren

Auch eine neue Generation malischer Musiker sorgt dafür, dass man ein Ohr am Puls des musikbegeisterten, westafrikanischen Landes behalten sollte. Grenzen überschreitender Wüstenblues gehört von TOM ASAM.

 

Das in der Sahara beheimate Volk der Tuareg oder Kel Tamashek, wie sie sich selbst lieber nennen, ist ein hartes Leben gewohnt. Das hat nicht nur mit der kargen Umwelt zu tun. Ihr Land wurde zwischen mehreren Ländern aufgeteilt und der Kampf um die Anerkennung als eigenständiges Volk währte lange. In der ersten Hälfte der 90er Jahre herrschte ein blutiger Bürgerkrieg. Der Tourismus hat an Bedeutung verloren. Doch ist Hoffnungslosigkeit ein Luxus, den man sich nicht erlauben kann und will. Ousmane Ag Mossa, Sänger und Gitarrist von Tamikrest, formuliert daher folgende Message an die Jugend seines Volkes: »We must recognize that we belong to a community and a culture and that this culture is aou strength in the eyes of others.« Teil dieser Kultur ist selbstverständlich Musik – und diese stolz zu vermitteln heißt keineswegs, sich anderen Einflüssen automatisch zu verweigern.

 

Genauso wie sich der Blues in seiner Entwicklung auf seine afrikanischen Wurzeln bezogen hat, bezieht sich heutige malische Musik oft neben eigener Folklore auch auf afroamerikanische Vorbilder. Dabei muss man allerdings im Auge behalten, dass ein Musiker der jungen Generation, wie es Ag Mossa ist, erstmals um das Jahr 2000 herum die Möglichkeit hatte, ausländische Musik auf Kassetten wahrzunehmen. Das ist ein deutlicher Unterschied beispielsweise zu Ali Farka Touré, dem 2006 verstorbenen König des Wüstenblues, der bereits Ende der sechziger Jahre die Möglichkeit zu Auslandsreisen und zum Kulturaustausch hatte. Tamikrest sind auch eher mit Tinariwen zu vergleichen. Auf ihrem zweiten Alben kombinieren Tamikrest elektrische Gitarren und rituelle Trommeln. Aus alt und neu, Überlieferung und Moderne entsteht eine faszinierende Melange. Eigene Traditionen fusionieren mit einem Spirit und einer Begeisterung für Musik (von Marley bis Hendrix), deren Faszination sich schon seit Jahrzehnten keiner entziehen kann. Mögen weiterhin die Gitarren die Botschaft der Völker vermitteln und die Waffen für immer verstummen.

 

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