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    TITEL kulturmagazin
    Montag, 24. April 2017 | 22:52

    V.A.: Kriminaltango / V.A.: Vor Kurven wird gewarnt / 101 Strings: Astro-Sounds from beyond the year 2000

    29.11.2012

    Heiße Ausgrabungen

    Lassen sie sich entführen in die Zeit des frivolen Chansons und des Schurken-Schlagers oder heben sie ab mit Space-Age-Psych-Beat. Mit Major TOM ASAM.

     

    Kriminaltango vereint augenzwinkernde Genre-Gassenhauer mit Schwerpunkt auf die 60s. Beliebter Schachzug: Den Schauspieler auch ans Mikro lassen. So hören wir Eddie Constantin (u.a. auch bekannt als Filmagent Lemmy Caution) mit dem Vorschlag: Heut´ drehn wir mal ein Ding, Marcel. Der aus diversen Edgar Wallace-Erfolgsstreifen bekannte Eddi Arent erklärt: Ich bin der Chef vom Detektivbüro OO. Kommissar Herbert Keller bzw. Erik Ode hingegen meint: Meine Frau ist der geborene Kommissar. Andere Frauen schauen sich den Krimi lieber im TV an – Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett klärte Bill Ramsey auf, der auch den Maskenball von Scotland Yard besucht. Während Ben Thomas abwinkt: Das ist kein Fall für Scotland Yard. Tanja Berg liefert mit ihrem Songtitel das kürzeste Drehbuch für das Genre ab: Lange Beine – Lange Finger!

     

    Beim Übergang von den langen Fingern zu den langen Beinen sind wir auch schon bei der zweiten Compilation aus dem Hause Bear Family Records, die sich mit 30 kurvenreichen Songs beschäftigt. Frivole Chansons und Schwüle Schlager waren in den prüden 50s oft genug eine Gratwanderung: Schon vergleichsweise harmlose Texte riefen schnell übereifrige Staatsanwälte auf den Plan. Heute grinst man eher amüsiert über die einst berüchtigten Lieder. Für Aufregung sorgte wiederholt die skandalträchtige Filmschönheit Laya Raki, deren Song Oh Jonny, hier nicht parken 1964 vom Nürnberger Amtsgericht mit folgender Begründung verboten wurde: »Die Sängerin der Platte macht mit ihrer Wiedergabe das Ächzen und Seufzen des Geschlechtsverkehrs auf täuschende Weise nach.«

     

    So ein Verbot ist natürlich eine ebenso gute Werbung für Lieder wie die Kurven der Interpretinnen. Die vollbusige Skandalnudel Barbara Valentin ist gleich vierfach vertreten. Sie warnte unter anderem: Fremde Männer küsst man nicht. Ebenso viermal am Start, die kameraerprobte – seiner Zeit als erotisches Mädchenwunder gehandelte – Kai Fischer, die bekannte: Ich bin so wahnsinnig sexy und sich Willenlos hingab. Helen Vita gibt den von Friedrich Hollaender für Marlene Dietrich komponierten Evergreen Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt und Senta Berger outet sich als Single Girl. Ingrid van Bergen singt von der Schulbank Lolita Lieschen Müller, die in Sex eine 1 hatte. (»Ganz nervös sprach da der Lehrer: Schaut mal her, da liegt Mexiko, doch sein Zeigestock, der kreiste um Italien und den Po«). Diese großartige Reise in eine Zeit bigotter Schamhaftigkeit ist musikalischer Geschichts- und Kulturunterricht der unterhaltsamsten Art.

     

    Eine großartige Ausgrabung ist auch das Album Astro-Sounds from Beyond the Year 2000. Cover und Titel legen schon nahe, dass diese Musik far out ist. Wenn hier die Rede ist von einer »Space Odyssey in the beat of today – with the far out sounds of tomorrow´s uncharted trip beyond the now generation«, dann weiß jeder Retrofuturist, dass er das Soundsytem seiner Rakete füttern muss. Abgefahren ist nicht nur die Musik, sondern auch deren Entstehungsgeschichte.

     

    Bei den 101 Strings handelte es sich um eine Ansammlung europäischer Orchestermusiker, die Mitte der 60er u.a. mit dem Einspielen von Musik für Rotlicht-Streifen oder Beatles-Covern beschäftigt waren. Dahinter steckte ein gewisser Ed Sherman vom US-Label Alshire Records – stets auf der Suche nach neuen einträglichen Konzepten. Nach dem Erfolg von Sgt. Peppers sucht er händeringend nach Möglichkeiten, die Nachfrage bezüglich psychedelischen Pops und Acid Rocks zu befriedigen. Aus Studio-Outtakes des raren Albums The inner sound of of the ID von der Band ID, die die abgefahrenen Distortion- und Reverb-Orgien des Gitarristen Jerry Cole mit Sitar und Pseudo-orientalischen Elementen vermengte, schuf er mit einigen Studio Musikern aus LA etwas »neues«.  

     

    The Animated Egg brachte einen unverwüstlichen Beat und Jazz-Elemente mit ins Spiel – und seltsame Sphärenklänge. Alshire erkannte den Erfolg von Filmen wie 2001 A Space Odyssee und beschloss, einen weiteren Aufguss der ursprünglichen Mitschnitte. So wurden die 101 Strings mit einem futuristischen Image bestückt und Astro-Sounds zusammengeschraubt. Titel wie Space Odyssey, Astral freakout, Trippin on lunar 07 oder A disappointed love with a desensitized robot bereiten einen vor auf ein Album, das Jello Biafra (Dead Kennedys) in der Nerdbibel Incredible Strange Music II folgendermaßen abfeierte: »The kings of pseudo-psychedelia have to be Alshire and Somerset who churned out versions of Hair and Yellow Submarine and the 101 Strings did do Astro Sounds from beyond the year 2000, a serious psych-out album with moog.« Großes Weltraum-Kino!

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    Liebe Leserinnen, liebe Leser!


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