Die Pistols an die Wand gefahren. The great rock´n´roll swindle – und dann? PIL war alles andere als ein lauer Pistols-Sprössling. Hier wurde die Energie des Punk in experimentelle Bahnen gelenkt. Tiefe Gefühle, Angst, Wut und Hoffnung – hymnisch bis verstörend vertont auf zeitlosen Wahnsinnsalben wie Public Image (1978) und Metal Box (1979). Geräuschhafte Schallwände, industrielle Grooves, das Aufeinanderprallen von Schönheit und Kakophonie – unterirdisch, überirdisch. Die Band existierte mit wechselhafter Resonanz bis 1992, um nach 20 Jahren nun wieder mit neuem Material aus der Versenkung aufzutauchen! Grund, in Jubel auszubrechen? Jein!
Im Jahre 2012 können und wollen PIL keine Hörgewohnheiten mehr auf den Kopf stellen. Das wäre auch vermessen. Aber von verzweifeltem Altherren-Punk oder einer Platte mit dem Motto »brauchen wieder Kohle« kann hier nicht die Rede sein. Das selbst produzierte und auf eigenem Label veröffentlichte Album kann nicht mit Ur-Pils wie Jah Wobble oder Keith Levene aufwarten. Aber wir hören den Ex-The Damned Klampfer Lu Edmonds, der taufrisch wirkt. Die Hörgewohnheiten des Rock werden hier nicht mehr groß attackiert, aber die Songs würden bestens in ein offenes Indie/Alternative-Rock DJ-Set passen, wie man es hierzulande im großen Stil vor knapp 20 Jahren flächendeckend geboten bekam. Aller Ehren wert, wird aber keinen Eindruck hinterlassen. PILs Frühwerke hingegen werden weiter an Bedeutung gewinnen.