Gravenhurst ist das Baby von Singer/Songwriter und Multi-Instrumentalist Nick Talbot aus Bristol. Auch nach einem halben Dutzend Alben zeigt er keinerlei Ermüdungserscheinungen und wandelt seinen Sound stets um die nötigen Nuancen. The Ghost in daylight ist ein passender Titel für ein hier vermitteltes Gefühl, dass für Menschen vielleicht als somnambul beschrieben werden könnte, für Geister passt das für sie ungewohnte Tageslicht eben. Bezaubernde Melodien und betörende Harmonien sind unterwandert von sphärischen Drones oder bewegen sich auf leichte Noise-Erhebungen zu. Oder anders: Simon and Garfunkel kommen vom Picking zum Feedback und begeistern sich für Enos (Prä-)Ambient-Visionen
Bei Gravenhurst greift auch mal wieder die gerne angeführte cinematische Breitwandästhetik. So etwa wenn im 8-minütigen Fitzrovia spanisch angehauchte Gitarrenklänge auf ambient drones from far out stoßen – und den Hörer zurück in die Geschichte der Fitzrovia Anarchists und the battle of Cable Street schicken. Wenn die Geschichtsstunden früher so unterfüttert worden wären, hätte man sich auch was gemerkt. Mehr Worte zu diesem unbedingt empfehlenswerten Album kann man sich sparen, ist es doch so schwer, Stimmungen in Worte zu fassen, wie Geister bei Tageslicht zu beschreiben. Bitte anhören!