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    TITEL kulturmagazin
    Donnerstag, 22. Juni 2017 | 14:02

    Henry Rollins zum 50.

    13.02.2011

    Herausgebrüllte Entschlossenheit

    Der arbeitssüchtige ehemalige Punk Henry Rollins hat sich in der feindlichen Welt behauptet. An seinem heutigen 50. Geburtstag kann der Independent-Rocker auf ein umfangreiches und vielseitiges Werk in Musik, Literatur und Medien zurück blicken. ANDREAS ALT gratuliert.

     

    Not one second of your life you’re getting back. Five more years or three million dollars – I’d rather take the time. I’d rather have more time. When the guy ahead of me in the queue takes an extra two minutes – aww, two minutes, what’s the problem? Two minutes I don’t get for myself. He is murdering me – just a little. He’s murdering me with a tiny little knife.

     

    So sprach Henry Rollins in einer seiner spoken word performances, einer merkwürdigen Mischung aus Literaturlesung und Comedy. Er hat keine Zeit zu verlieren – er hat eine Menge Arbeit.

     

    Nach schwerer Kindheit hat sich der Independent-Rocker so aus Schüchternheit und Frust herausgekämpft. Erste Frucht der Arbeit: Mit 20 Jahren übernahm er bei der kalifornischen Punkband Black Flag, deren größter Fan er war, das Kommando. Mit Rollins als Frontmann wurde Black Flag zu einer der maßgeblichen Kräfte des Hardcore, der radikaleren Weiterentwicklung des 1976er Punks in der ersten Hälfte der 80er Jahre. Er überzeugte von Anfang an mit seiner Bühnenpräsenz und Aggressivität. Immer wieder kam es bei den Konzerten zu handfesten Auseinandersetzungen mit Skinheads; Rollins berichtete davon in dem autobiografischen Hörbuch Get in the Van. 1986 zerbrach die Band, auch am mangelnden wirtschaftlichen Erfolg – nur Rollins hatte genug Energie, zunächst solo und dann mit der Rollins Band weiterzumachen.

     

    Muskelberg schützt vor Verletzungen

    Typisch für die Black Flag- und die Rollins-Musik ist die heraus gebrüllte Entschlossenheit des Künstlers, sich gegen alle Widrigkeiten des Lebens selbst zu behaupten. Artikuliert wird aber ebenso die Angst vor Einsamkeit, vor Zurückweisung und falschen Gefühlen. Rollins bemüht sich da um konsequente Ehrlichkeit sich selbst gegenüber. Seinen Körper hat er mit eiserner Disziplin in Jahre langem Fitnesstraining in einen Muskelberg verwandelt und mit zahllosen Tattoos verziert. So scheint er sich gegen Verletzungen und Niederlagen schützen zu wollen.

     

    Er raucht nicht, trinkt nicht, nimmt keine Drogen und lebt als Einzelgänger. Das war in Teilen der Hordcore-Szene als »Straight Edge« bekannt und üblich. Rollins scheint es aber dabei besonders weit zu treiben. Im Interview mit der Süddeutschen Zeitung bekannte er:

     

    Von einem medizinischen Standpunkt aus würde ich sagen: Man ist nicht immer jung! Man sollte sein Herz stärken und die Arterien durchpusten, um sieben Extra-Jahre rauszuhauen. Ich gewinne von meinen Übungen auch mehr als Muskeln. Vor allem schärfen sich die Sinne. Bei Leuten, die Kampfsport ernsthaft betreiben, ist das ähnlich. Die guten Kampfsportler sind keine Prügelheinis, die deine Fresse polieren wollen. Aber du blickst ihnen ins Auge und siehst drei Worte: Ich bin bereit!

     

    Programmatische Platte »The End of Silence«

    Mit der Rollins Band entwickelte sich der ausgewiesene Musikkenner und manische Plattensammler konsequent weiter. Die Musiker bewegten sich nun im weiteren Raum des Hardrock-Genres; Rollins verbesserte seinen Sprachrhythmus und die Artikulation, brachte sogar Jazzelemente in die Stücke ein und experimentierte schließlich mit souligen Backgroundsängerinnen. Während er sein 1993er Album noch programmatisch The End of Silence nannte, war die letzte in Deutschland veröffentlichte Platte – freilich mit neuer Begleitband Mother Superior Nice betitelt und für die alten Fans durchaus gewöhnungsbedürftig.

     

    Inzwischen ist Rollins gut im Geschäft: Er ist Plattenproduzent, Buch- und Blogautor, hat seine eigene Fernseh- und Radioshow, tritt mit kleinen Rollen in Filmen etwa von David Lynch auf und ist Menschenrechts-Aktivist. Die Musikzeitschrift SPEX verlieh ihm folgerichtig, wenn auch leicht ironisch den Titel: »Held der Arbeit«. Nach wie vor genießt er aber Glaubwürdigkeit und gilt als einer der härtesten Acts der Independent-Szene – vor allem live. So gestand er im Bayerischen Rundfunk:

     

    Für mich sind Platten nichts als ein Ticket für die Tour. Es gibt Bands, die lieben es, im Studio aufzunehmen, und hassen es zu touren. Ich habe großartige Shows von Bands gesehen, die trotzdem nichts anders wollten, als nach Hause zu fahren. Es war ihnen zu langweilig, sechs Wochen lang dasselbe zu spielen. Die waren nicht faul, die wollten was Neues machen. Ich hasse es, im Übungsraum zu sein, im Studio aufzunehmen, und ich hasse es, Songs zu schreiben. Okay, wir brauchen neue Stücke, also mach’ ich’s. Aber ich lebe dafür, auf der Bühne zu stehen.

     

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