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    TITEL kulturmagazin
    Freitag, 18. August 2017 | 18:27

    Howard Chaykin

    10.06.2010

    ,,Ich hatte viel zu lernen"

    Es war ein kurioses Interview mit Howard Chaykin, einem der großen Neuerer in der US-Comic-Industrie der achtziger Jahre. Beim Salon war er zu Gast beim Panini Verlag, der einige neue Chaykin-Comics im Angebot hat. Viele kennen aber nur seine früheren Meisterwerke wie American Flagg, The Shadow oder seine klassische Star Wars-Serie – so auch ANDREAS ALT.

     

    "Die Norm war die Norm"

    Panini hatte offen gelassen, ob ein Gespräch zu Stande kommen würde. Kurz nach der Eröffnung des Salons deutete Pressechef Steffen Volkmer am Stand dann auf ein Kabuff: „Da sitzt er; Sie haben zehn Minuten.“ Also wurde es ein mangelhaft vorbereitetes und hastig durchgezogenes Interview, bei dem der 60-jährige Chaykin gegenüber einem Fanboy den professionellen Handwerker gab, aber ein paar interessante Einblicke in die US-Comicszene gewährte.

     

    Wie war es im Vergleich zu heute in den siebziger und achtziger Jahren für Marvel zu arbeiten? Ich glaube, Sie haben für mehr Freiheit der Künstler gekämpft.

     

    Ich hatte ein Ziel, und das war, mehr Geld zu verdienen. Ich glaube, die meisten von uns fühlten sich damals unterbezahlt. Das trifft für Marvel ebenso zu wie für DC. Damals wurde Einkommen neu definiert. Ich erinnere mich nur wenig an die tägliche Arbeit. Sie müssen verstehen, dass die Norm, nach der wir alle arbeiteten, eben die Norm war, bis sie aufhörte, die Norm zu sein. Für uns war die Art, wie wir behandelt wurden und wie die Arbeit getan wurde, das Übliche – das war halt die Art, wie man Comics zeichnet.

     

    Waren Sie damals mit dem, was Sie hatten, zufrieden?

     

    Auf jeden Fall. Wir alle wollten mehr Geld, aber es gab eben nicht mehr Geld. So war das. Die Sache war die: „Das ist, was du verdienst und bezahlt bekommst“ – und dann kam der nächste Auftrag, und so weiter. Wir hatten keine anderen Erwartungen. Rückblickend denke ich, ich habe bei den Star Wars-Comics eine sehr mäßige Arbeit abgeliefert, weil ich ehrlich gesagt nicht erwartete, dass der Film irgendjemanden interessieren wird. Ich konnte das Phänomen Star Wars nicht voraussehen. Hätte ich das gewusst, hätte ich es möglicherweise besser gemacht, wenn ich dazu in der Lage gewesen wäre. Aber zur selben Zeit habe ich auch noch Farbillustrationen für Byron Preiss gezeichnet (Herausgeber von Science Fiction-Romanen, Anm. d. Red.), um mein Handwerk zu lernen.

     

    ,,Ich nahm das Skript und zeichnete die Comics"

    Ich bin eher ein Fan von Indiana Jones. Das ist viel eher meine Welt. Damals hatte ich eigentlich das Interesse an Science Fiction verloren. Ich habe Star Wars ein Jahr, bevor der Film ins Kino kam, gezeichnet. Den Film habe ich dann vier Tage vor dem offiziellen Start im Low East Capitol gesehen und war überwältigt. Das war ein völlig neues Spiel! Aber meine Comics waren nur ein Auftrag. Ich nahm das Skript und zeichnete die Comics. Bei Star Wars arbeitete ich genau genommen nach Storyentwürfen von Roy (Roy Thomas, Anm. d. Red.). Ich habe sie nur umgesetzt, ich war sehr jung. Wir reden über die Zeit vor etwa 35 Jahren.

     

    Schön, dass Sie unter der Arbeit nicht gelitten haben.

     

    Sie repräsentieren eine bestimmte Sensibilität und Mentalität in Bezug auf Comics – die eines jugendlichen Fans. Wie alt waren Sie um 1975?

     

    Zehn Jahre, aber so jung war ich nicht, als ich Ihre Sachen las. Viele Comics sind hier Jahre später als in USA erschienen.

     

    Ah, das wusste ich nicht. Jedenfalls hatte ich verschiedene Auftraggeber, ich habe für Marvel und für DC gearbeitet. Und ich war dankbar, die Arbeit zu haben. Ich hatte nicht die Einstellung, die ich heute habe. Später habe ich den Comics den Rücken gekehrt und einige Jahre lang Taschenbuchcover gestaltet. Und ich kam zurück, um American Flagg für First Comics zu machen. Das spiegelt meinen Entwicklungsstand Anfang 30 wider; ich war damals 32. Da habe ich die Disziplin und das Arbeitsethos entwickelt, die mir erlaubten, meine Arbeit professionell und rechtzeitig abzuliefern. Vorher war ich nur ein Amateur gewesen, der sich anstrengte, aber kein besonderes Talent hatte und sich nicht verkaufen konnte. Ich habe zehn Jahre gebraucht, um zu lernen, dass ich viel zu lernen hatte.

     

    Eins ist mir aufgefallen: Sie geben sich mit der Kleidung Ihrer Comicfiguren viel Mühe. Ich dachte, Sie kämen vielleicht aus der Modebranche.

     

    ,,Ich bin ein Modenarr."

    Nein, ich mag nur immer schon Mode. Ich bin ein Modenarr, ich ziehe mich gern gut an. Und ich zeichne gern Kleider. Ich habe aber nie gedacht, das sei stilisiert oder auffällig. George Perez zeichnet aufwändige Kostüme. Das ist schwer zu zeichnen. Ich bin aber davon überzeugt, dass Kleider den Charakter eines Menschen widerspiegeln.

     

    Ich kenne leider nur wenige Ihrer neuen Arbeiten seit 2002. Möchten Sie dazu etwas sagen?

     

    Nein. Jedenfalls arbeite ich regulär und stetig weiter. Ich zeichne eine Menge Auftragssachen für Marvel und DC. Ich lege noch immer Arbeiten vor, die zeigen, wie ich meine, dass ich in der Branche mithalten kann. Mir hat es nie behagt, mich selbst anzupreisen. Ich kann nicht leugnen, dass ich ein gewisses Selbstbewusstsein habe. Aber ich bin auch bescheiden. Zwischen beiden Polen würde ich sagen: Lasst das Werk für sich selbst sprechen.

     

    Sie waren im TV-Business. Warum haben Sie sich wieder Comics zugewandt?

     

    Weil ich gefeuert worden bin. Ich habe meinen Job im Juni 2002 verloren. Nach einem Monat wurde mir klar, dass ich dorthin nicht zurück wollte. Und ich entschied, nun für den Rest meines Lebens Comics zu zeichnen. Ich hatte das Glück, das zu können, denn anders als viele meiner Kollegen habe ich nicht die Brücken hinter mir abgebrochen. Ich habe Beziehungen aufrecht erhalten. Offen gesagt – eine meiner großen Ängste war, ob ich das noch konnte. Ich war nicht sicher und war erfreut, dass ich immer noch meine Jobs bekam.

     

    Wie ich hörte, waren Sie vor zwei Jahren bei der Comic Action in Essen. Sie sind ziemlich oft in Deutschland, oder?

     

    Meine Frau und ich sind in den letzten zwei Jahren mindestens acht Mal in Europa gewesen, teils zum Vergnügen, teils wegen der Arbeit. Wir haben uns ausführlich darüber unterhalten, dass wir möglicherweise nach Europa ziehen werden, sobald ich mein Arbeitspensum reduziere – vielleicht nach Paris, vielleicht nach Südfrankreich. Wenn das Wetter in Deutschland besser wäre, würden wir das auch in Erwägung ziehen. Das Wetter hier ist wie in New York oder Chicago. Wir haben jetzt drei Tage in München verbracht, uns die ganze Stadt angesehen. Am Montag fahre ich nach Berlin.

     

    Welchen ersten Eindruck haben Sie vom Comic Salon?

     

    ,,Hier gibt es eine Menge Comics, die ich in den Staaten nicht bekomme"

    Es gibt hier eine Menge Material, das ich in den Staaten nicht bekommen kann. Ich überlege gerade, was ich davon mitnehme, wie viel ich tragen will. Ich beachte sonst Comics außerhalb meiner eigenen kleinen Welt nur wenig. Ich sehe nicht viele Sachen, nur das, was Leute mir schicken. Ich rede mit manchen Kollegen; wenn sie mir sagen, etwas könnte mich interessieren, besorge ich mir das. Selten denke ich darüber nach, ob es sich lohnt, mich nach irgendetwas umzuschauen. Ich habe hier in Deutschland Sachen gesehen, die ich in den Staaten nie gesehen habe.

     

    Was halten Sie von der Comic-Industrie in Deutschland?

     

    Ich glaube, da gibt’s nicht viel, oder?

     

    Das stimmt. Es gibt interessante Comiczeichner, aber die meisten können kaum davon leben.

     

    Ich habe mich erkundigt, woran das liegt. In den Staaten gibt es viele italienische und spanische, jetzt auch brasilianische Zeichner. Aber Deutsche habe ich nicht gesehen.

     

    Es war mir ein großes Vergnügen, Sie zu treffen. Vielen Dank für das Gespräch.

     

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