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    TITEL kulturmagazin
    Sonntag, 23. April 2017 | 21:39

    Interview mit dem CrossCult Verlag

    10.09.2009

    "Es geht um drei, vier Genres"

    Die kleinen Comicbücher mit festem Einband, etwas backsteinartig, mit oft recht blutrünstigen, aber immer phantasievollen Geschichten – sie sind für den Ludwigsburger CrossCult Verlag charakteristisch. Sie machen seinen Erfolg aus, der sich im Gefolge der Mangawelle auch im Buchhandel eingestellt hat. Und doch bietet CrossCult ein weit vielfältigeres Programm, geht in jüngster Zeit sogar erste Schritte von den Comics zur Literatur. Darüber gibt Filip Kolek, seit knapp zwei Jahren CrossCult-Redakteur, im Gespräch mit ANDREAS ALT näher Auskunft.

     

    Titel-Magazin: Wie bist du zu CrossCult gekommen? Hattest du vorher schon Kontakte zu Verlagen?

    Filip Kolek: Seit 2006 habe ich als Praktikant die Comicbranche abgeklappert. Den Einstieg habe ich mit einem viermonatigen Praktikum bei Reprodukt gefunden. Dann habe ich beim Avant Verlag in Berlin ein paar Bücher betreut und dort in der Redaktion gearbeitet. Vor CrossCult habe ich noch ein Praktikum bei Panini eingelegt, weil ich einige Monate Zeit hatte. Über die Leipziger Buchmesse habe ich Andreas Mergenthaler kennengelernt, mich ihm vorgestellt und meine Mappe in die Hand gedrückt. Der Zeitpunkt war gut, weil CrossCult 2007 das Programm erweiterte und jemanden brauchte. Ich bin dann von Berlin nach Baden-Württemberg gezogen. Im September 2007 habe ich bei CrossCult als Redaktionsassistent angefangen.

    Was ist deine Beziehung zu Comics oder zur Populärkultur allgemein?

    Ich bin Magister in Medienwissenschaft mit Abschluss in Theoretischen Filmwissenschaften. Nebenfächer waren Englisch und Deutsche Literatur. Was ich jetzt mache, ist eher der germanistische Part meiner Ausbildung. Film ist für mich inzwischen eher ein Hobby. Ansonsten bin ich ein klassischer Comicfan, angefangen bei Disney über Tim und Struppi, Asterix, Clever & Smart hin zu Marvel-Comics. Ich habe dann den Absprung geschafft über Alan Moore und Neil Gaiman hin zu Art Spiegelman und Love & Rockets. Da irgendwo bin ich jetzt. Ich würde sagen, ich habe eine stattliche Comicsammlung, aber ich bin kein wirklicher Sammler. Ich bin Leser, der Sachen auch ausleiht oder weiterverkauft.

    Gab es für dich mal eine Weggabelung zwischen Film und Comics?

    Es ist eher Zufall gewesen. Als ich bei Reprodukt war, dachte ich, ich probiere mal aus, ob ich in der Comicbranche Fuß fassen kann. Aber ich habe schon gemerkt, dass das eigentlich eine brotlose Kunst ist und die Jobs da sehr, sehr rar gesät sind. Die allermeisten Leute arbeiten als Freie. Selbst große Verlage wie Carlsen haben nur eine Handvoll Redakteure. Dass ich eine Festanstellung bei CrossCult bekommen habe, war ein totaler Glücksfall. Ich hätte eher gedacht, dass ich vielleicht ab und zu mal als freier Redakteur einem Verlag zuarbeiten werde.

    „Ein gut wirtschaftender Mid-Sektor-Verlag“

    Das heißt aber, bei CrossCult gibt es eine wirtschaftliche Basis, die es erlaubt, dort als festangestellter Redakteur arbeiten kann. Gibt es mehrere Redakteure?

    Nein, einen – das bin ich (lacht). CrossCult ist, würde ich sagen, ein gut wirtschaftender Mid-Sektor-Verlag, irgendwo zwischen Reprodukt, Avant, Carlsen und Panini. Die Brötchen, die wir backen, sind klein, aber nicht mehr die allerkleinsten. Durch Bücher wie Sin City oder 300 gibt es auch sehr starke Ausschläge nach oben, wo wir uns durchaus mit den Großen vergleichen können.

    Gibt’s bei CrossCult Bücher, Reihen oder sonstige Produkte, mit denen du dich voll identifizierst?

    Ich habe das Hobby zum Beruf gemacht. Das Medium, das wir repräsentieren, und die Tatsache, dass ich die Möglichkeit habe, den Comic ein bisschen populärer zu machen, in die Medien zu tragen, Leute zu erreichen, die Comics für Kinderliteratur halten – all das macht für mich den Job sehr spannend. Bücher wie From Hell von Alan Moore oder Sin City von Frank Miller oder unsere allerneueste Graphic Novel M – eine Stadt sucht einen Mörder von Jon J. Muth, finde ich alle unsagbar spannend. Und da bin ich stolz, dass ich in der Redaktion mitgearbeitet habe und mein Name jetzt in einem solchen Produkt drinsteht. Lost Girls ist auch so ein Buchprojekt – dass ich daran mitgearbeitet habe, werde ich noch Jahre lang mit mir herumtragen.

    Was gehört zur Redakteursarbeit alles dazu? Ist das im Wesentlichen die Bearbeitung der Übersetzung oder mehr?

    Bei uns ist das ein bisschen anders als bei Verlagen wie Carlsen oder Reprodukt, die mit deutschen Künstlern arbeiten und Bücher von Grund auf konzipieren. Wir dagegen versuchen, Bücher reichhaltig auszustatten. Wir haben zum Beispiel sehr viele redaktionelle Interviews und Hintergrundinfos. Das gehört zu meinen Aufgaben. Entweder erstelle ich die Texte selber oder ich suche mir freie Autoren, denen ich Aufträge erteile. Bei M – eine Stadt sucht einen Mörder zum Beispiel haben wir mit dem Filmkritiker Georg Seeßlen zusammengearbeitet. Ich bin auch derjenige, der bei den Titeln, die ich betreue, den jeweiligen Übersetzer aussucht. Wir haben einen Stamm freier Übersetzer, jeder auf seinem Gebiet sehr gut. Dann die Arbeit mit dem Grafiker – bis es druckfertig ist, begleitet man eigentlich das Buch.

    „Den Leuten ein bisschen mehr bieten als eine Übersetzung“

    Hast Du mit der Finanzierung zu tun?

    Nur marginal. Das macht Andreas Mergenthaler. Ich habe ein Budget, das variiert – bei Fortsetzungsbüchern wie Hellboy oder The Walking Dead ist der Aufwand nicht so groß wie bei einer originalen Graphic Novel wie M oder The Life Eaters. Aber mir steht ein Betrag zur Verfügung, den ich ausgeben kann, unter Umständen auch ein bisschen nach oben treiben, je nachdem, was ich für das Buch plane. Dadurch, dass wir viele Produkte aus den USA oder aus England haben und einen Markt bedienen, in dem sehr viele Leute des Englischen mächtig sind und sich gerne die Originalausgaben holen, geht es darum, dass man den Leuten ein bisschen mehr bietet als bloß eine Übersetzung. Bei uns spielen das Hochpreisige, das Hardcover, aber auch die verkleinerten Taschenbuchformate, die sich sehr gut fürs Buchregal eignen und auch für den Buchhandel, eine Rolle; dazu kommt die redaktionelle Bearbeitung.

    Ist die Verkleinerung nicht auch gerade für die Fans ein Nachteil?

    Es gab ein paar Bücher, die wir nicht gemacht haben, weil wir gedacht haben, die Verkleinerung würde dem Produkt und dem Artwork schaden, und die Sprechblasen seien zu klein. Aber in den meisten Fällen funktioniert das Format sehr gut, vor allem bei Zeichnern, die eher mit Schwarz-Weiß-Kontrasten arbeiten, mit doppelseitigen Kompositionen. Andererseits haben wir inzwischen angefangen, auch auf andere Formate auszuweichen: 300 war sowieso ein eigenes Format, aber wir haben auch schon etliche Titel im Albenformat gemacht. Wir sind nicht auf das verkleinerte Format geeicht, aber es ist schon unser Markenzeichen. Daran wollen wir bei den meisten Büchern, soweit es Sinn hat, auch festhalten.

    Kommen wir zu den Inhalten. Ich würde Euch mit harter Action und Gewalt in Verbindung bringen, aber ich habe über CrossCult gelesen, es gehe um „Horror, Fantasy, Science Fiction, Humor“.


    Ich würde uns als Genre-Verlag bezeichnen. Statt von Gewalt würde ich eher von Crime oder Noir oder Thriller sprechen. From Hell hat durchaus sehr verstörende, brutale Szenen, aber Moore schreibt ja auch ein sehr verstörendes Stück Kriminalgeschichte. Auch bei Sin City steht die Gewalt nicht im Vordergrund, sondern ist Mittel zum Zweck. Wir sind eher titelorientiert, als dass wir auf bestimmte Sparten aus sind. The Goon fanden wir spannend, weil der Titel sehr gut zu Hellboy, B.U.A.P. und anderen Horror-/Mystery-Titeln passt, aber auch, weil das ein sehr makabrer, surrealer Spaß ist, den der Autor mit sich selbst und dem Publikum macht. In USA war der Titel sehr erfolgreich. Es kommt auf die Mischung an: Der Stoff muss uns reizen, dazu der Autor – Eric Powell ist zum Beispiel jemand, der sich innerhalb von zwei, drei Jahren quasi von Null auf 100 katapultiert hat und immens talentiert ist. Mit so jemandem arbeitet man dann auch gern zusammen. Da ist es weniger die Tatsache, dass es ein Genre-Produkt ist, ein Horror-Titel oder ein Humor-Titel, sondern die Gesamtkomposition: talentierter Autor und sehr guter, lustiger Titel, den man auch gut vermarkten kann, weil er auf vielen Ebenen funktioniert.

    „Die meisten unserer Bücher sind Hybride“

    Das heißt, es ist egal, welches Genre – aber der Comic muss innerhalb von Genreregeln gut erzählt sein.


    Es geht natürlich schon um die drei, vier Genres, auf die wir uns geeinigt haben. Wir haben jetzt vor einem Jahr das fünfte Genre aufgemacht, das nennt sich einfach nur „Spezial“. Und sobald sich da etwas angesammelt hat, machen wir wahrscheinlich noch ein, zwei Fässer mehr auf. Unter „Spezial“ fallen Bücher wie Auf der Suche nach Peter Pan oder Lost Girls, auch 300. Ansonsten haben wir das Krimigenre, wo wir Sachen veröffentlichen wie From Hell, Sleeper, M und Sin City, dann Horror/Mystery, da haben wir filmverwandte Themen wie 28 Days Later oder auch eher zwischen den Genres stehende Sachen wie Ich bin Legion, ein Mystery-Titel, der alles bedient, und dann Science Fiction/Fantasy, da fällt alles übrige darunter. Man muss das für den Kunden transparent machen, und auf diese Art versuchen wir das. Das machen andere Verlage auch so. Die sortieren vielleicht nach „Graphic Novel“, „Humor“, „Autorencomics“. Bei uns hat die Graphic Novel nicht so Bestand, weil die meisten Sachen Hybride sind. Sin City ist schon eine klassische Graphic Novel,…

    … aber eigentlich eine Miniserie…

    … und wird auch so rezipiert und verkauft, weil die Graphic Novel oft als autobiografisch festgelegt ist.

    Inwieweit ist CrossCult nun nach den acht Jahren, die der Verlag existiert, schon etabliert? Wie geht es weiter?

    Nach acht Jahren, denke ich, sind wir unter den fünf wichtigsten deutschen Comicverlagen, mit Sin City und Lost Girls auch unter den verkaufsträchtigsten. Wir haben jetzt vor einem Jahr angefangen, Romane zu verlegen, und wollen diese Schiene weiter ausbauen. Was die Expansion anbelangt, sind wir jetzt auf einem Level, auf dem wir uns eingependelt haben. Wir haben jetzt zwei bis drei Comicveröffentlichungen im Monat, und das soll erst mal so bleiben. Das Limit ist erreicht, weil man sich ab einer größeren Zahl allmählich das Wasser selbst abgräbt.

    „Bei den Star Trek-Romanen stehen wir noch ganz am Anfang“

    Das heißt, es kommt zu einer Kannibalisierung?

    Genau. Seit ein paar Jahren gehen wir mit Titeln wie Lost Girls, Auf der Suche nach Peter Pan oder M – eine Stadt sucht einen Mörder mehr in die Graphic-Novel-Richtung, also Comics für den Buchhandel, die nicht nur Filmfans, sondern vielleicht auch Literaturinteressierte ansprechen. Wir werden da aber niemals so ein Standing haben wie Edition Moderne oder Carlsen mit ihren Graphic Novels. Daneben wollen wir mit Phantastik-Titeln wie Hellboy oder Crime-Titeln wie Sin City unser Programm ausbauen und auch durchaus noch ein bisschen bunter machen. Was die Romane anbelangt: Da haben wir im vergangenen Jahr mit der großen Star Trek-Lizenz angefangen, haben mittlerweile zehn Bücher veröffentlicht, und es verkauft sich sehr gut. Wir versuchen eine weitere Sparte hochzuziehen, die unabhängig von den Comics funktioniert. Es würde uns natürlich freuen, wenn sich das überschneidet und die Comicleser sich auch für unsere Romane interessieren. Aber das Spannende an diesem Neuland-Projekt ist ja, dass man ganz andere Leser erreicht als bisher.

    Klingt fast, als würdet ihr vielleicht den Comicsektor verlassen und sagen: Wir gehen in ein Feld, wo wir noch ganz andere Entwicklungsmöglichkeiten haben.

    Nein, den Comic werden wir nie aufgeben. Dafür sind Andreas Mergenthaler und ich zu sehr Comicfans, und dafür sind wir auch zu stark verwurzelt in der Comicszene. Es ist nur ein weiteres Geschäftsfeld, das sich jetzt eröffnet und das wir auch gerne betreten. Bei Star Trek haben wir sowohl die Comics von IDW im Angebot als auch die Romane von Pocketbooks. Wir versuchen, diese beiden Medien zu verschachteln und zu schauen, inwieweit sich das gegenseitig befruchten kann. Comic wird für uns immer eine große Rolle spielen, wenn nicht die größte.
         
    Gibt es unter den Comicverlagen für Euch eine direkte Konkurrenz?

    Panini mit den Vertigo-Titeln ist uns sehr ähnlich, auch die Zwischenstufe zwischen Mainstream und Underground bei einem Titel wie Sandman. Gute, anspruchsvolle Comics haben die auch im Programm, aber es gibt, glaube ich, keinen wirklichen Konkurrenten für die Sachen, die wir machen, dafür sind wir doch zu klein und zu eigenständig.

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