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    TITEL kulturmagazin
    Mittwoch, 24. Mai 2017 | 02:18

     

    Veranstaltungstipp: Lesung mit Tilman Rammstedt (5.2.09)

    05.02.2009

    “Der Kaiser von China” in der schaubühne

    In der neuen Prosa-Lesereihe lesBAR präsentieren die S³ LiteraturWerke in Kooperation mit der Berliner schaubühne viel versprechende junge Autorinnen und Autoren. Im Januar startete die Reihe mit Thomas Pletzinger, am 5. Februar las der Bachmann-Preisträger Tilman Rammstedt aus seinem Roman Der Kaiser von China. Lutz Steinbrück sprach mit dem Veranstalter Tom Bresemann.

     

    Lutz Steinbrück: In Berlin gibt es täglich zahlreiche Lesungen. Warum wurde die zusätzliche Lesereihe lesBAR von Philip Maroldt, Björn Schäfer und Ihnen gestartet und was macht sie aus?

    Tom Bresemann: Diese Lesereihe wurde ins Leben gerufen, angesichts der Tatsache, das Berlin immer mehr interessante Lesungen vertragen kann. Die Besonderheit der lesBAR ist der Focus auf jüngeren Prosa-AutorInnen, die ihre ersten Bücher in renommierten Verlagen wie KiWi, Suhrkamp oder DuMont veröffentlicht haben. Wer also einen guten Einblick in das derzeitige Prosa-Publikationsgeschehen in diesem Segment nehmen will, hat hier eine Möglichkeit. Sicherlich ist es eine von vielen, aber in der Stadt und diesem Kontext sicherlich eine der besseren.

    L. Steinbrück: Heute Abend präsentieren Sie die Lesung von Beispiel Tilman Rammstedt...

    T. Bresemann.: Die Lesung mit Tilman ist die beste Antwort. Da lebt der aktuelle Bachmann-Preisträger in dieser Stadt und hat letztes Jahr mit dem Roman Der Kaiser von China bei Dumont eines der besten Bücher des Jahres veröffentlicht. Und? Trotz all der Lesereihen hatte man bisher erst ein einziges Mal die Chance, das live zu hören. Das zweite Mal überhaupt, dass er in Berlin aus dem Roman liest, wird bei uns sein.

    L. Steinbrück: Wie entstand die Zusammenarbeit der S³ LiteraturWerke mit der Schaubühne?

    T. Bresemann.: Wir haben zuerst 2007 einige Male im nachtcafe der schaubühne gelesen. Dann ruhte der Kontakt ein wenig, bis die schaubühne im Herbst 2008 wieder an uns herantrat – mit dem Konzept junger Prosa für Ihre lesBar und der Frage, ob wir da nicht zusammenarbeiten wollen. Das Konzept hat uns überzeugt, so dass wir sehr gern dabei helfen, der Präsentation junger Literatur in Charlottenburg einen neuen Raum zu erarbeiten.

    L. Steinbrück: Sind S³ LiteraturWerke allein für die Auswahl der Autoren verantwortlich und wonach richtet sich diese Auswahl?

    T. Bresemann.: Ja. Dabei geht es wie bei all unseren Veranstaltungen nach unbedingter Qualität. Hier bildet unsere Meinung den Maßstab. Einen Maßstab, der nicht zuletzt überhaupt so etwas wie ein Profil dessen, was Literatur zu leisten imstande ist, auszubilden helfen kann. Und das Erarbeiten eines Maßstabes, der flexibel bleibt, ist unser tägliches Geschäft seit knapp fünf Jahren. Nicht zuletzt deshalb, so kann ich mir vorstellen, hat uns die schaubühne ja auch gefragt.

    L. Steinbrück: Ist lesBAR langfristig angedacht und was könnte dagegen sprechen, dass die Reihe sich etabliert?

    T. Bresemann: Die Reihe ist erst einmal für dieses Jahr angelegt. Was heißt in Berlin schon “sich etablieren”? Jeder hier, der Kultur veranstaltet, muss flexibel sein, selbst die großen Häuser und Festivals. Insofern befinden wir uns in einer ständigen Krisensituation. Nicht zuletzt das macht für mich den Reiz daran aus: Das Potential, welches diese Herausforderung bietet.

    L. Steinbrück: Zu anderen Formaten der S³ LiteraturWerke: Auf der "Homoformance" habt ihr unter anderem mit Hilfe von Tagebuch-Notizen eines schwulen KZ-Häftlings Gender-Theorien hinterfragt. Im Berliner Stadt-Magazin "tip" gab es einen Reality-Live-Blog, außerdem veranstaltet ihr Ringbahn-Lesungen und plant eine Lyrik-Lesung für Taubstumme mit einem Gebärden-Dolmetscher. Das sieht nach einer literarischen Ideenfabrik aus. Wie entstehen diese Formate und habt ihr Vorbilder, an denen ihr Euch orientiert?

    T. Bresemann.: Für mich ist bei diesen Ideen und ihren Umsetzungen immer wichtiger, dass das Veranstaltungen sind, die nicht zuletzt aufgrund ihrer Unberechenbarkeit reizen. Die besten Veranstaltungen entstehen, wenn ich es richtig sehe, genau so. Mit einem Impuls, einem Moment, vielleicht einem transitorischen. Die konsequente Umsetzung dieses Funkens auf einem Niveau, welches einerseits professionelle Abläufe gewährleistet und andererseits seine momenthafte Herkunft nicht wegpoliert, das reizt mich immer mehr. Immer weniger berühren mich Event- oder Underground-Kategorisierungen. Die Gebärdensprachlesung etwa ist ein Formatansatz, der auf riesiges Interesse, und gleichzeitig auf unmöglich überwindbar scheinende Grenzen stößt. Daran arbeiten wir uns gern ab.

    L. Steinbrück Ihr schreibt alle selbst Prosa und Lyrik und tretet oft auf Euren Veranstaltungen auf. Findet ihr das manchmal problematisch oder sorgt diese Tatsache für Kritik von außen?

    T. Bresemann.: Ich sehe da kein Problempotenzial. Wir sind ein Poesieunternehmen und arbeiten unter Einsatz aller verfügbaren Mittel im Dienste der Schönheit. Wichtig ist doch, dass die einzelne Veranstaltung, dass die einzelne Publikation funktioniert. Und dazu gilt es, für jeden Einzelfall das bestmögliche Konzept zu erarbeiten, abseits von Ein- oder Ausschluss-Quotenregelungen. Wenn also jemand Kritik festmachen will, dann bieten wir ihm auf jeden Fall eine Fläche. Das heißt für mich: offene Karten.

    L. Steinbrück: Welche Perspektiven siehst Du für die S³ LiteraturWerke? Soll Berlin der Nabel Eurer Aktivitäten bleiben?

    T. Bresemann.: Nun, so schnell werden wir nicht aufhören. Im Gegenteil: Auch 2009 zeichnet sich als Jahr der Expansion ab und für 2010 stehen auch schon erste Projekte an. Was auch den zweiten Teil der Frage betrifft. Sicher, Berlin ist nicht zuletzt die Geburts- bzw. Wahl-Heimat von Philip, Björn und mir. Demzufolge wird die Stadt für uns wohl immer eine gewichtige Rolle spielen. Trotzdem haben wir unsere Aktivitäten in den letzten Jahren schon ausgeweitet, Lesungen in Graz, Mainz oder regelmäßig im Rahmen der Leipziger Buchmesse veranstaltet. Diese Entwicklung treiben wir voran. Zumal es sich bisher immer als interessante und Gewinn bringende Erfahrung herausgestellt hat, den Eventkäfig Berlin zu verlassen.

    L. Steinbrück: Vielen Dank für das Gespräch.

    Das Interview mit Tom Bresemann führet Lutz Steinbrück, der als freier Journalist und Autor in Berlin lebt.



    lesBAR am 5.2. im Studio der schaubühne am Lehniner Platz in Berlin-Charlottenburg: Tilman Rammstedt liest aus seinem Roman „Der Kaiser von China“ (DuMont Verlag) ab 21.15 Uhr. Eintritt: 5 Euro.

    Adresse: Kurfürstendamm 153, 10709 Berlin.
    U-Bahn: U 7 / Haltestelle: Adenauer Platz
    S-Bahn: S5, S7, S9 / Haltestellen: Charlottenburg, Halensee
    Bus M 19, M 29 / Haltestelle: Lehniner Platz

    Mehr zu den S³ LiteraturWerken finden Sie hier und hier, das Programm der schaubühne finden Sie hier


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