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    TITEL kulturmagazin
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    Friedenspreis für Anselm Kiefer

    16.10.2008


    Kunst und Frieden

    Der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels wird in diesem Jahr während der Buchmesse in der Frankfurter Paulskirche dem Maler und Bildhauer Anselm Kiefer verliehen.
    Von Petra Kammann

     

    Die Entscheidung für den diesjährigen Preisträger hat schon im Vorfeld Diskussionen ausgelöst. Denn bisher haben in der Geschichte dieses Friedenspreises ausschließlich Schriftsteller, Gelehrte oder Philosophen, einmal auch ein Musiker – Yehudi Menuhin – die Auszeichnung erhalten. Nie aber ein Maler. So wird mit Anselm Kiefer erstmalig ein Bildender Künstler mit dem Friedenspreis ausgezeichnet.

    Diese Entscheidung und Neuakzentuierung geht sicher auch auf das neue Stiftungsratsmitglied, den Kunstkritiker und Ausstellungsmacher Werner Spies, zurück. Spies war von 1997 bis 2000 Direktor am Centre Pompidou in Paris und ist mit vielen Künstlern und Literaten befreundet.

    Der 1945 geborene Anselm Kiefer zählt zu den wichtigsten deutschen Künstlern. In seinem Werk hat er vorwiegend die deutsche Geschichte in all ihren problematischen Facetten thematisiert und damit seit Beginn seines Schaffens die zeitgenössische Kunstszene beeindruckt und beeinflusst. Von 1970 bis 1972 arbeitete er als Schüler von Joseph Beuys in Düsseldorf. Dort wurde auch der Rhein für ihn zu einem mythischen Ort. Seit 1993 lebt Kiefer in Frankreich. Im südfranzösischen Barjac arbeitete er in einer alten Seidenfabrik. Im vergangenen Herbst 2007 zog er nach Paris, wo er mit einer großen Ausstellung „Monumenta“ im Grand Palais gefeiert wurde.

    Seine monumentalen Buchskulpturen aus Blei – sie sind in den Ausstellungshallen des Hamburger Bahnhofs in Berlin zu sehen – verweisen darauf, dass er sich als ein „lesender“ Künstler versteht. Er vergleicht Bücher mit den geologischen Schichten eines Gebirges. In seinen großformatigen Bildern – wie zum Beispiel „Deutsche Geisteshelden“ – hat er literarische Größen porträtiert. Er selbst verfügt über eine immense Bibliothek, aus der er sich kontinuierlich inspiriert, und immer wieder hat er deutlich gemacht, dass Dichter wie Paul Celan und Ingeborg Bachmann seine Arbeiten stark beeinflusst haben. Auch in der Begründung des Stiftungsrates wird die Verbundenheit des Künstlers zur Literatur betont, der zunächst mit dem Schreiben als künstlerischem Ausdrucksmittel begonnen hatte.

    Treffend heißt es dort: „Der Künstler agiert als genialer, bewusster Eroberer, der die Mittel einer texturreichen, expressiven Malerei an sich reißt und wie Beutestücke in die eigene Bildwelt transferiert. Im Mittelpunkt steht eine von Vergangenheitzerfressene, zerstörte Gegenwart, die mit äußerst verknappter Rhetorik, mit Sprachlosigkeit präsentiert wird. Er hat das Buch selbst, die Form des Buches, zu einem entscheidenden Ausdrucksträger gemacht. Gegen den Defätismus, der Buch und Lesen eine Zukunft abzusprechen wagt, erscheinen seine monumentalen Folianten aus Blei als Schutzschilde.“

    Blick in den Raum in der Stiftung ArpMuseum Bahnhof Rolandseck, wo Kiefers „Wege der Weltweisheit/Die Frauen der Revolution“ bis Ende September ausgestellt waren.

    Von der ersten Bilderserie „Besetzungen“ im Jahre 1969 bis zu seiner letzten großen Ausstellung 2007 zeigt sich seine andauernde künstlerische Auseinandersetzung mit der Geschichte, mit Religion, Philosophie und Mystik sowie mit Literatur und Poesie. Durch die Verbindung von Kunst mit politischer Aussage löst Anselm Kiefer in der Öffentlichkeit immer wieder Kontroversen aus – das gilt vor allem für seine frühen Selbstdarstellungen mit dem Hitlergruß. Kiefer treibt die Frage um, ob es nach dem Holocaust und der Vereinnahmung der nationalen kulturellen und künstlerischen Tradition durch das Dritte Reich überhaupt noch deutsche Künstler geben kann; immer wieder setzt er in seinen Bildern symbolische und mythische Elemente aus der deutschen Geschichte ein. Ob die Öffentlichkeit die zentrale Aussage des Stiftungsrats, wonach Kiefer das Buch selbst zu einem „entscheidenden Ausdrucksträger“ gemacht hat, in dieser Form versteht und sich produktiv aneignet, wird die Zeit zeigen. Die Entscheidung für Kiefer bedeutet auf jeden Fall eine Herausforderung, sie ist ein wirklicher Anstoß. Das ist gut für den Friedenspreis – der sich damit lebendig und anspruchsvoll zeigt.

    Petra Kammann


    Beitrag ersterschienen in: "...IN RHEINKULTUR - Das Journal für Kultur, Kommerz & Lebensart an Rhein und Ruhr. www.inrheinkultur.de "

    Mehr zum Deutschen Friedenspreis finden Sie unter www.boersenverein.de

    Abbildung 1: Copyright Renate Graf

    Abbildung 2: Copyright Petra Kammann

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