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    TITEL kulturmagazin
    Mittwoch, 26. April 2017 | 08:03

     

    Zum Tod von Fee Vailliant

    08.11.2007

    Mutter Courage

    Es gab einmal eine Zeit, zwischen den Sechziger und Neunziger Jahren in der Bundesrepublik, da kannte jeder, der sich mit Film & Kino jenseits der geläufigen Kinogängerei als Cinéast und Kritiker beschäftigte, mit Notwendigkeit & stetig wachsender Dankbarkeit Namen und Person der Fee Vaillant. Ein Nachruf von Wolfram Schütte

     

    Denn wer damals, in der lang gestreckten Nachkriegszeit, das von deutschen Leinwänden seit 1933 verbannte Filmschaffen der Welt nachholend kennen lernen wollte - und das wollten wir! -, der war einzig auf die Initiativen und Retrospektiven der Filmclubs und ihres Verbandes angewiesen, um die großen Stumm- & Tonfilme der UdSSR, die Oeuvres von Dreyer oder Fritz Lang, Bunuel oder Kurosawa, John Ford oder Visconti und des italienischen Neorealismus erstmals zu sehen, und zwar im Kino, auf Leinwänden! Was für eine Findigkeit, Energie, Ausdauer war dazu nötig: unbezahlt, ohne bürokratischen Apparat, aus schierem Enthusiasmus und Widerstandswillen gegen Vergessen und Unwissenheit. Auch das war ein aufklärerischer “Ausgang aus selbstverschuldeter deutscher Unmündigkeit”!

    Die 1915 in Witten an der Ruhr geborene und ausgebildete Fotografin Fee Vaillant war seit 1949 im “Verband der deutschen Filmclubs” tätig, seit 1961 dessen Geschäftsführerin. Der Verband gehörte zu den Mitveranstaltern der “Mannheimer Filmwoche“, und als deren Leiter Walter Talmon-Gros starb, trat sie an seine Stelle und war über fast zwei Jahrzehnte hin (bis 1991) deren künstlerische Leiterin. Nun ist die einzige Filmfestivalleiterin in Deutschland, wie erst jetzt bekannt wurde, bereits Mitte Oktober im Alter von 93 Jahren gestorben.

    Eine Fee stellte man sich gewiss anders vor - elfisch, zart, schön. Nichts davon war Fee Vaillant. Aber sie wurde geliebt, verehrt, bewundert und (zurecht) auch gefürchtet - als ein starker Charakter, eine Kämpfernatur, eine gewitzte Pfadfinderin zu verborgenen, verbotenen, vergessenen Filmen und Regisseuren, in deren Dienst sie alle ihre Tätigkeiten stellte, weil der Film & das Kino ihre Passion, ihr Stolz und ihr Leben war: rund um die Uhr.

    Dafür ist sie, immer begeistert und neugierig, als Vermittlerin, Förderern & Quartiermacherin des deutschen und internationalen Films in Mannheim, auch abenteuerliche Wege gegangen: mit einer rastlosen Rigorosität und einem vitalen Durchsetzungswillen, der sie nicht altern, die beamteten Bürokraten aber umso älter aussehen ließ - in Mannheim, wo sie zuletzt finanziell an der kurzen Leine gehalten wurde.

    Denn Kompromisse waren so wenig ihre Sache wie geschmeidige Verbindlichkeit im Umgang mit der Bürokratie - bei der Verwirklichung ihres Lebensinhalts: dem neuen, riskanten, politisch unbequemen Film zur öffentlichen Präsenz zu verhelfen von Fassbinder bis Jarmusch. Dabei & dafür war sie glücklich.

    Wer das Kino und den Film abseits des Mainstreams liebt, hat allen Grund, sich an Fee Vailliant dankbar zu erinnern.

    Wolfram Schütte

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