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    Doris Lessing erhält Literatur-Nobelpreis

    11.10.2007

    Aufklärerin im Sinne ihres Namens

    Zum Nobelpreis an die englische Schriftstellerin Doris Lessing. Von Peter Mohr 

     

    „Sie ist die Epikerin weiblicher Erfahrung, die sich mit Skepsis, Leidenschaft und visionärer Kraft eine zersplitterte Zivilisation zur Prüfung vorgenommen hat“, hieß es in der Begründung des Stockholmer Nobelpreiskomitees, das gestern Doris Lessing die mit umgerechnet rund 1,1 Millionen Euro dotierte wichtigste Auszeichnung der literarischen Welt zusprach.

    Horace Engdahl, Sprecher der Stockholmer Akademie, erklärte: „Dies ist eine der wohldurchdachtesten Entscheidungen, die wir jemals getroffen haben.“ Doris Lessing ist die elfte Frau, die den begehrtesten Literaturpreis der Welt zuerkannt bekommt. "Wenn man über ein Thema schreibt - in einem Roman oderArtikel -, lernt man etliches, was man vorher nicht wusste. Ich habe beimSchreiben dieses Buches auch eine Menge gelernt. Wieder und wieder!“ So beschrieb Doris Lessing ihre eigenen Erfahrungen mit ihrer 1994 unter dem deutschen Titel „Unter der Haut“ erschienenen Autobiografie, die die ersten dreißig Jahres ihres aufregenden und wechselvollen Lebens umfasste.Die neue Nobelpreisträgerin wurde am 22. Oktober 1919 als Tochter eines britischen Offiziers in Kermansah/Persien unter dem Namen Doris May Taler geboren und wuchs auf einer Maisfarm in Rhodesien auf. Später besuchte sie besuchte eine Klosterschule und die High School in Salisbury. 1949 siedelte sie nach Großbritannien über und hatte nach umfangreichen autodidaktischen Studien der europäischen und amerikanischen Literatur ein Bündel unveröffentlichte Manuskripte im Gepäck. Zunächst arbeitete sie in England als Telefonistin, Kindermädchen und Schreibkraft, ehe sie 1950 mit der „Afrikanischen Tragödie“ (später erfolgreich verfilmt) für Aufsehen sorgte. Sie thematisiert darin das wenig freudvolle Leben in den britischen Kolonien Afrikas. Lessing beschreibt darin gleich eine doppelte Tragödie – das trostlose Dasein der britischen Siedler in einem fremden Land und die bittere Armut der Einheimischen. Anhand einer verbotenen Beziehung eines schwarz-weißen Paares wird das beidseitige Dilemma schonungslos offenbart. Die erzählerische Doppelperspektive blieb auch später durchaus charakteristisch für Doris Lessings Schreibstil. Sie pflegt ein Faible dafür, sich in ihren Werken in mehrere Personen zu spalten – so auch in ihrem Hauptwerk „Das goldene Notizbuch“ (1961), formal bis heute Lessings anspruchsvollstes Werk.

    Im Mittelpunkt dieses assoziativ erzählten Romans, der auf fünf Ebenen angesiedelt ist, stehen zwei politisch engagierte, intellektuelle und emanzipierte Frauen, die der kommunistischen Partei angehören und sich zwischen revolutionärem Fortschrittsdenken und stalinistischen Verbrechen innerlich aufreiben. Die politische Auseinandersetzung, die innere Zerrissenheit und die langsame Ablösung von der Kommunistischen Partei werden auf dem Hintergrund der auch emotionalen Bindung und der kritischen Distanzierung erzählt. Ein Handlungsnebenstrang in diesem auch politisch brisanten Roman streift den Rassismus in Rhodesien. Doris Lessing, die leidenschaftliche humanistische Aufklärerin, warnt in diesem Roman zwischen den Zeilen vor der jugendlichen Verblendung und vor ideologischer Vereinnahmung – ganz im Sinne Lessings, dessen Name sie nicht ohne Stolz trägt. „Sozusagen als Omen für meine eigene schriftstellerische Karriere. Denn es bedeutet Anregung und Maßstäbe zugleich für mich, den Namen eines Genies zu tragen." Nach ihrer Ehe mit dem Kolonialoffizier Frank Charles Wisdom, war die Schriftstellerin in zweiter Ehe mit einem deutschen kommunistischen Emigranten namens Gottfried Anton Nicolai Lessing verheiratet. Durch diese, 1949 wieder geschiedene Ehe wurde sie Schwägerin von Klaus Gysi und Tante des Linken-Politikers Gregor Gysi.

    Doris Lessing, die immer wieder mit Virgina Woolf verglichen und als große alte Dame der englischen Literatur bezeichnet wird, war in den 60er Jahren eine der Ikonen der Frauenbewegung. Doch gegen diese Vereinnahmung wehrte sie sich 1982 in einem Interview mit der „New York Times“ ganz vehement: „Die Feministinnen verlangen von mir einen religiösen Akt, den sie nicht genauer untersucht haben. Sie wollen, dass ich Zeugnis ablege. Am liebsten möchten sie, dass ich sage: ,Ich stehe auf eurer Seite, Schwestern, in euerm Kampf für den goldenen Tag, an dem all die brutalen Männer verschwunden sind.’“

    Auch in ihrem jüngsten Roman „Die Kluft“ (2007/wie fast alle Werke in dt. Übersetzung bei Hoffmann und Campe erschienen) widmet sie sich noch einmal - aus der Perspektive eines konservativen römischen Senators – dem spannungsreichen Verhältnis zwischen Mann und Frau. Zu Bestsellern wurden "Das fünfte Kind" (1988), in dem sie sich kritisch mit der englischen Mittelschicht befasst, "Unter der Haut“(1994), der zweite Teil ihrer Autobiografie „Schritte im Schatten“ (1997) und "Ein süßer Traum" (2003).

    Einen dritten Band ihrer Autobiografie, erklärte Doris Lessing kürzlich, werde es nicht geben. Sie wolle die Personen, die etwas geworden seien, nicht brüskieren. Wenige Tage vor ihrem 88. Geburtstag ist Doris Lessing, die in den letzten 30 Jahren schon häufig zum engsten Kandidatenkreis gezählt wurde, die wichtigste Auszeichnung der literarischen Welt zuerkannt worden. Die Würdigung eines großen Lebenswerkes, die aber – wie schon 2005 bei Harold Pinter – um einige Jahre zu spät kommt.

    Peter Mohr

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