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    TITEL kulturmagazin
    Mittwoch, 26. April 2017 | 08:07

     

    Gerd Fuchs wird 75

    13.09.2007


    Chronist des Alltags der deutschen Geschichte

    Zum 75. Geburtstag des Schriftstellers Gerd Fuchs am 14. September 2007

     

    Als „Chronist des Alltags der deutschen Geschichte“ rühmte Juror Uwe Timm seinen Schriftstellerkollegen und langjährigen Weggefährten Gerd Fuchs, als ihm im April in Hamburg der Italo-Svevo-Preis verliehen wurde.

    "Ich wollte ihnen etwas erklären", lässt Gerd Fuchs seinen Ich-Erzähler Theo im Nachwort seines Romans Schussfahrt (1995) sagen. Es steht außer Frage, dass auch Gerd Fuchs mit seinen Romanen einen pädagogisch-aufklärerischen Anspruch verfolgt.

    Gerd Fuchs, der am 14. September 1932 im saarländischen Nonnweiler geboren wurde, hat sich in mehr als vier Jahrzehnten schriftstellerischer Arbeit - allen literarischen Trends trotzend - als hartnäckiger Erinnerungskünstler behauptet.

    Nach dem Studium (Germanistik und Anglistik), das er in Kiel mit der Promotion über Rilke abschloss, arbeitete Fuchs in den 60er Jahren kurzzeitig auch als Journalist für die "Welt" und den "Spiegel". Obwohl er bereits 1966 den ersten Band mit Erzählungen veröffentlichte, gelang ihm der Durchbruch erst 1978. In der später mit Manfred Krug und Hannelore Hoger verfilmten Erzählung "Ein Mann fürs Leben" zeigte Fuchs die verheerende Wirkung der Arbeitslosigkeit auf eine Partnerschaft.

    Mit seinen historischen Romanen Stunde Null (1981) und Schinderhannes (1986) - eine erzählerische Umsetzung des Zuckmayer-Bühnenstücks - hat der in Hamburg lebende Autor auch beim Lesepublikum respektable Erfolge erzielt. "Eine Figur muss leben, und das Gefühl stellt sich erst ein, wenn die Figur eine Selbständigkeit erreicht hat. Ich halte das für die Weise, wie in der Literatur Humanität zu konkretisieren ist", erklärte Gerd Fuchs in einem Interview. Historische Stoffe mit einer spannenden Erzählweise für den Leser erfahrbar zu machen, mit seinen Geschichten Geschichte zu erzählen - das ist seine Stärke.

    Dies stellte er sowohl in seinem 1992 erschienenen Roman Katharinas Nacht, der um die Silvesternacht des Jahres 34/35 kreist, als auch in seinem letzten großen Erzählwerk Die Auswanderer (2004) unter Beweis. Zuletzt bewegte sich Fuchs literarisch auf den Spuren der Weimarer Klassik und legte unter dem Titel Eckermanns Traum (2006) fünfzehn kurze Erzählungen vor.
    Überdies hat sich Fuchs, der auch als Theater- und Drehbuchautor reüssierte, in der jüngeren Vergangenheit der Jugendliteratur gewidmet. Im Schweizer Verlag Nagel und Kimche erschienen Easy und Scheer (1995), Charly, die Meistermaus (1996) und Fuffy und Max (1997).

    Und wer heute ein authentisches, nicht verklärendes Zeitzeugnis über die immer wieder öffentlich diskutierten, bewegten 68er Jahre lesen möchte, dem sei der stark autobiographische Roman Beringer und die lange Wut aus dem Jahr 1974 ans Herz gelegt. Ein frühes Werk, das Fuchs' Methodik bereits offenbarte: die Auswirkungen gesellschaftlich-politischer Veränderungen auf den Alltag der Individuen darzustellen und somit Geschichte auf ein erfahrbares Einzelschicksal zu fokussieren.

    Peter Mohr


    Lesetipp: Gerd Fuchs: Eckermanns Traum. Edition Nautilus, Hamburg 2006, 80 Seiten, 14 Euro.

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