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    TITEL kulturmagazin
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    Nachruf auf Michelangelo Antonioni (1)

    31.07.2007

    Frauen sind subtilere Filter

    Zum Tod des Oscar-Preisträgers Michelangelo Antonioni

    Von Peter Mohr

     

    Gesundheitlich schon stark angeschlagen stand der bisweilen exzentrische Star-Regisseur Michelangelo Antonioni vor fünf Jahren bei den Filmfestspielen in Venedig noch einmal im Mittelpunkt. Seinem gigantischen Werk war die Retrospektive gewidmet. In der Nähe des Flughafens fand ihm zu Ehren ein Festmahl mit annähernd 1000 geladenen Gästen statt, und die Verleihung des Ehrenlöwen geriet zur unfreiwilligen Komödie, als Festivalchef Moritz de Hadeln - viele Jahre Chef der "Berlinale" - bei der Übergabe vom "Bären" sprach.

    Dabei hat der kühne Experimentierer Antonioni, der Rossellini, Carné und Visconti zu seinen Lehrmeistern zählte (die der Schüler bisweilen übertraf), mit Komödien nie etwas im Sinn gehabt. "Ich bin ein Bourgeois, der bourgeoise Dramen inszeniert, aber keine Lösungen anzubieten hat", erklärte Antonioni in den frühen 60er Jahren, nachdem er in seinen Filmen das soziale Milieu vernachlässigt und seinen Blick fast völlig auf das Seelenleben seiner Figuren fokussiert hatte.

    In seinen Anfangsjahren hatte sich Michelangelo Antonioni, der am 28. September 1912 als Sohn eines Gutsbesitzers in Ferrara geboren wurde und sich nach einem Ökonomiestudium in Bologna früh dem Film widmete, dem Realismus der Nachkriegszeit verschrieben. Mit dem Dokumentarfilm "Gente del Po" (1947), in dem er sich mit den sozialen Nöten von Arbeitern und Bauern in der Po-Ebene auseinandersetzte, erregte er erstmals Aufsehen.Nach seinem Wechsel zum Kino fielen die ersten drei, zwischen 1950 und 1953 realisierten Filme bei der Kritik durch. Erst mit "Die Freundinnen" (nach einer literarischen Vorlage von Cesare Pavese) - mit dem Silbernen Löwen von Venedig ausgezeichnet - gelang ihm 1955 der Durchbruch. In dieser Zeit lernte er auch die Schauspielerin Monica Vitti (Jahrgang 1931) kennen, mit der er ein knappes Jahrzehnt zusammen lebte und der er einige Rollen förmlich auf den Leib schrieb.

    In vier seiner bedeutendsten Filme spielte Antonionis Lebensgefährtin tragende Rollen - in "Die mit der Liebe spielen", in "Die Nacht" (zusammen mit Marcello Mastroiani, Jeanne Moreau und Bernhard Wicki), in "Liebe" (zusammen mit Alain Delon) und in "Rote Wüste", wo sich Monica Vitti als depressive junge Frau beinahe selbst verkörperte.
    "Frauen geben subtilere Filter für die Wirklichkeit ab", begründete Antonioni seine Affinität zu problembeladenen Frauenfiguren, wie sie auch Vanessa Redgrave in "Blow up" (1966) darstellte.

    Der durch und durch vergeistigte Antonioni, der auch als Schriftsteller und Maler auf sich aufmerksam machte, war nie frei von Eitelkeiten und Starallüren. Er ist immer der Herrscher beim Dreh gewesen, der intellektuelle Maestro, der "nicht das Kino im Dienst der Realität, sondern die Realität im Dienst des Kinos" sehen wollte. Die Schauspieler wurden ihm häufig zum Spielball, er ließ die Kamera weiterlaufen, als die Akteure die Szene beendet wähnten. "Wenn ein Darsteller verstehen müsste, dann wären die klügsten die besten", erklärte Antonioni einmal in einem Interview.Seinen letzten ganz großen Erfolg landete er 1974 mit "Beruf: Reporter", der erste Film in dessen Mittelpunkt ein männlicher Protagonist stand - der Fernsehjournalist David Locke (Jack Nicholson), der die Identität eines Toten annimmt.

    Nach den Filmen "Das Geheimnis von Oberwald" (1979) und "Identifikation einer Frau" (1982) wurde es für lange Zeit ruhig um Antonioni, der 1984 einen schweren Schlaganfall erlitten hatte und seitdem in seiner Kommunikationsfähigkeit stark eingeschränkt war. Erst 1994 stellte er mit "Jenseits der Wolken" (eine Co-Produktion mit Wim Wenders) ein neues Werk vor. Dem nur leidlich geglückten Episodenfilm liegen einige Geschichten zugrunde, die Antonioni 1983 in seinem Erzählband "Bowling am Tiber" veröffentlicht hatte.

    Nach zahlreichen Auszeichnungen in Cannes und Venedig wurde er 1995 für sein Lebenswerk mit dem Oscar ausgezeichnet. Eines der größten Komplimente erhielt Antonioni, der am Montag in Rom im Alter von 94 Jahren gestorben ist, von seinem zehn Jahre jüngeren französischen Kollegen Alain Resnais: "Ich habe das Gefühl, Antonioni gegenüber, ein Amateur zu sein."

    Peter Mohr

    ... bis sie dann gestorben sind.

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