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    TITEL kulturmagazin
    Montag, 26. Juni 2017 | 21:08

     

    Ludwig Harig wird 80

    18.07.2007

    Vielseitig begabter Versöhner

    Roman zum 80. Geburtstag des Schriftstellers Ludwig Harig am 18. Juli

     

    "Ludwig Harig ist ein vielseitiger Autor, der seit den sechziger Jahren die deutsche Literaturgeschichte maßgeblich mitbestimmt hat," hieß es 1988 in der Laudatio zum Heinrich-Böll-Preis. Tatsächlich bietet Harigs gewaltiges Oeuvre einen Facettenreichtum, der in der zeitgenössischen Literatur seinesgleichen sucht. Wer sein Werk heute auf seine späten halb-dokumentarischen Romane reduziert, wird diesem Autor nur teilweise gerecht.
    Ludwig Harig, der am 18. Juli 1927 im saarländischen Sulzbach (wo er heute noch lebt) geboren wurde, arbeitete nach dem Studium bis 1974 als Lehrer. Noch ehe er selbst zu schreiben begann, hat er sich in den 50er Jahren intensiv mit der französischen Lyrik und Philosophie auseinandergesetzt. Diese Wurzeln und die frankophile Neigung ziehen sich wie ein roter Faden durch Harigs Werk. Der spielerische Umgang mit der Sprache war - unter dem Einfluss von Max Bense - ein bevorzugtes Metier. Übersetzungen von Raymond Queneau, experimentelle Hörspiele (in denen authentisches Tonmaterial eingefügt wurde), philosophiegeschichtliche Essays und zuweilen surrealistische Erzählungen prägen vor allem das Frühwerk.

    Allerdings waren surrealistische Elemente auch noch in der 1980 erschienenen meisterlichen Novelle "Der kleine Brixius" unübersehbar, in der der fünfjährige Protagonist auf geheimnisvolle Weise das Fliegen lernt. Harigs dichterischer Flugversuch ist - zumindest symbolisch - aufs engste verknüpft mit seiner immensen Reiselust.
    Auch für seine Familientrilogie ("Ordnung ist das ganze Leben" ,1986; "Weh dem, der aus der Reihe tanzt", 1990; "Wer mit den Wölfen heult, wird Wolf"; 1996) hat sich der Autor auf Reisen begeben. Ziel waren die Schlachtfelder des Ersten Weltkrieges, auf denen Harigs Großvater als junger Soldat unvergessliche Grausamkeiten erlebt hat. In diesen Romanen portraitiert der langjährige Volksschullehrer - mittels seiner eigenen Familie - das typisch deutsche Kleinbürgertum. Der neue Band wird auch mit Reflexionen über "Ordnung ist das ganze Leben" eingeleitet. In seinem letzten, bis in die 60er Jahre reichenden Roman "Wer mit den Wölfen heult, wird Wolf" (1996) hat es Harig auf vorzügliche Weise verstanden, die muffige Provinzialität des Saarlandes mit hintersinnigem Humor zu karikieren. Gleich zwei prägende Passionen verbindet der 1997 erschienene Band "Spaziergänge mit Flaubert" - Literatur und Reisen. Man begegnet dort der Droste auf der münsterländischen Wasserburg, Friedrich Nietzsche im Engadin, Theodor Storm in dessen nordfriesischer Heimat sowie Mark Twain und William Faulkner jenseits des Atlantiks.

    Jüngst kehrte Harig literarisch wieder stärker zur eigenen Biografie zurück. In seinem im Frühjahr erschienenen Roman „Kalahari“ erzählt er von der lebenslangen Freundschaft eines Franzosen und eines Deutschen, die sich nach dem Zweiten Weltkrieg als junge Studenten in Lyon kennen gelernt hatten. Harig beschreibt darin seine große Affinität zur französischen Literatur, während sein Freund Roland Cazet, der später ausgedehnte Reisen (allerdings nie in die Kalahari) antritt, von der deutschen Technik begeistert ist.

    Dieser Roman ist mehr als nur das authentische Zeugnis einer Freundschaft; er lässt sich auch als Essenz von Harigs Oeuvre lesen, als Liebesbekenntnis zu Frankreich und als großes Versöhnungsbuch.

    Ludwig Harig, der 1993 vom saarländischen Ministerium für Kultur und Wissenschaft zum Ehrenprofessor ernannt wurde, gehört nicht nur zu den versiertesten Erzählern seiner Generation. Er hat sich überdies große Verdienste um die deutsch-französische Freundschaft erworben.

    Peter Mohr


    Ludwig Harig: Kalahari. Roman. Carl Hanser Verlag, München, 214 Seiten, 19,90 Euro


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