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    TITEL kulturmagazin
    Montag, 26. Juni 2017 | 21:05

     

    Vanessa Redgrave wird 70

    30.01.2007

    Schon in der Wiege war sie ein Star

    Zum 70. Geburtstag der Oscar-Preisträgerin Vanessa Redgrave am 30. Januar

     

    Schon Vanessa Redgraves Geburt war ein Großereignis in der Londoner Kunstszene. Ihr Vater Michael und der grandiose Laurence Olivier standen als Laertes und Hamlet am 31. Januar 1937 auf der Bühne des Londoner Old Vic, als Olivier nach der Vorstellung vor das Publikum trat und verkündete: "Meine Damen und Herren, eine große Schauspielerin hat heute das Licht der Welt erblickt. Laertes hat eine Tochter."

    Die künstlerischen Wurzeln ihrer Familie (auch Mutter Rachel Kempson und später ihre Geschwister Lynn und Corin standen auf der Bühne und vor der Kamera) waren für Vanessa Redgrave nie eine Bürde, sondern eher ein Ansporn, den früh eingeschlagenen Weg geradlinig zu Ende zu gehen.Nach Schauspielschule und Ballettunterricht wurde sie bereits mit 24 Jahren Mitglied der Royal Shakespeare Company und von den Theaterkritikern mit Lob überschüttet. 1966 schaffte sie den internationalen Durchbruch beim Film in Michelangelo Antonionis "Blow Up" - ein Film, der das Londoner Lebensgefühl der 60er Jahre präzise einfing. Für dieses Zeitgeistpanorama, das nach einer Erzählung von Julio Cortázar entstand, wurde Vanessa Redgrave mit der Goldenen Palme von Cannes ausgezeichnet - der Beginn einer großen internationalen Karriere.

    Doch Vanessa Redgrave verkörperte nie den Star für die Regenbogenpresse; sie wollte nie "everybodys darling" sein, sondern schwamm mit großer Energie gegen den politischen Mainstream und machte sich so auch viele Feinde. 1974 kandidierte sie im Londoner Eastend für die marxistische "Workers Revolutionary Party" bei den Parlamentswahlen; und sie sympathisierte offen mit Yassir Arafat ebenso wie mit Fidel Castro. Sie protestierte lautstark gegen die Kriege in Vietnam und am Golf; und nach der Tschernobyl-Katastrophe schwang sie sich zu eine der populärsten Kritikerinnen der Atomenergie auf.Als ihr 1978 für "Julia" (an der Seite von Jane Fonda) der Oscar verliehen wurde, nutzte sie das internationale Forum für eine kämpferische politische Rede. Die kämpferischen, meist leicht introvertierten Rollen sind dementsprechend auch Redgraves große Stärke - die Jüdin Julia, die - im gleichnamigen Film von Fred Zinnemann - entschieden gegen die Nazis kämpft, die Tänzerin Isadora Duncan, die Chansonsängerin Fania Fenelon oder die skrupellose Agentin, die sie in "Mission impossible" an der Seite von Tom Cruise verkörpert.

    Ob John Schlesinger, Fred Zinnemann, Michelangelo Antonioni, Sean Penn, James Ivory, Bille August, Tony Richardson (mit dem sie zwei ebenfalls als Schauspielerinnen tätige Töchter hat) oder Brian da Palma: Vanessa Redgrave hat mit den Stars der Regiezunft zusammen gearbeitet und sich stets mit großer Sorgfalt ihre Rollen ausgesucht. Und an ihrer Seite versammelt sie stets die Prominenz: Winona Ryder in "Durchgeknallt", Jack Nicholson in "Das Versprechen", Tom Cruise in "Mission impossible", Harvey Keitel in "Lulu o­n the bridge", Jeanne Moreau in "Nur eine Frau an Bord", Jane Fonda in "Julia" oder Maximilian Schell in "Little Odessa".
    Dem kantigen Frauentyp mit dem bisweilen rauhen Charme verlieh sie auch durch ihre leicht rauchige Stimme noch in eher unbedeutenden Nebenrollen funkelnden Glanz - so in den beiden Bille-August-Romanverfilmungen "Das Geisterhaus" und "Fräulein Smillas Gespür für Schnee."

    Zuletzt war Vanessa Redgrave, die am 30. Januar 2007 ihren 70. Geburtstag feiert, auf den TV-Bildschirmen in der Rosamunde-Pilcher-Verfilmung "Die Muschelsucher" zu sehen. In einer Rolle, die ihrem eigenen Charakter durchaus entspricht - beharrlich, ein wenig stur, unkorrumpierbar und leicht egozentrisch.

    An ihrer Seite stand dabei die junge deutsche Schauspielerin Stephanie Stumph (22) - bekannt aus den Stubbe-Krimis im ZDF -, die sich stark beeindruckt zeigte: "Für mich war es grandios, Vanessa bei der Arbeit zu beobachten. Ich habe eine sehr warme, hilfsbereite und interessierte Frau kennengelernt."

    Peter Mohr

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