• losttorrent
  • richtorrent
  • pushtorrent
  • Titel-Magazin
    TITEL kulturmagazin
    Donnerstag, 25. Mai 2017 | 06:50

     

    Elfriede Jelinek wird 60

    20.10.2006

    Zornige Bühnenkämpferin will nur Ruhe

    Zum 60. Geburtstag von Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek am 20. Oktober

     

    Als der Österreicherin Elfriede Jelinek vor zwei Jahren der Nobelpreis für Literatur verliehen wurde, war dies eine faustdicke Überraschung. Einen "Skandal" nannten viele Kommentatoren die Preisvergabe, von einer "mutigen Entscheidung" sprachen wohlmeinendere Stimmen."Das ist eine Ehre, die für mich zu groß ist im Moment. Es ist doch unvorstellbar, dass ich mich jetzt neben Leuten wie Beckett und Hemingway wiederfinde", kommentierte die öffentlichkeitsscheue Autorin, die auch prompt der Preisverleihung fernblieb.

    Elfriede Jelinek ist in ihren Bühnen- und Erzählwerken immer eine verbale Kämpferin, eine Autorin, die dem österreichischen Establishment - ähnlich Thomas Bernhard - mit schneidenden Worten zu Leibe rückt. Die mangelnde Bereitschaft, sich mit der österreichischen Nazi-Vergangenheit auseinanderzusetzen, lastete sie ihren Landsleuten wiederholt an, und sie attackierte öffentlich die Politiker Kurt Waldheim und Jörg Haider.Ihr ambivalentes Verhältnis zu ihrem Heimatland gipfelte darin, dass sie 1996 ein (kurzzeitiges) Aufführungsverbot für ihre Stücke in Österreich aussprach. Zwei Jahre später feierte sie am Wiener Burgtheater mit dem von Einar Schleef inszenierten "Sportstück" einen grandiosen Erfolg.

    Dabei hatte die literarische Provokateurin Elfriede Jelinek, die am 20. Oktober 1946 als Tochter eines Chemikers in Mürzzuschlag in der Steiermark geboren wurde und heute in Hütteldorf vor den Toren von Wien lebt, künstlerisch äußerst feinsinnig begonnen. Als Teenager lernte sie am Wiener Konservatorium Blöckflöte, Orgel und Komposition, und Mitte der 60er Jahre schrieb sie erste Gedichte, die 1969 mit dem Lyrikpreis der österreichischen Jugendkulturwoche ausgezeichnet wurden. Ihr Studium der Theaterwissenschaft und Kunstgeschichte brach sie wegen einer psychischen Krise ab, in deren Folge sie sich für ein Jahr in ihrem Elternhaus verschanzte.

    Ihre ersten künstlerischen Erfolge feierte Jelinek Anfang der 70er Jahre mit Hörspielen, erst 1979 kam in Graz ihr erstes Theaterstück "Was geschah, nachdem Nora ihren Mann verlassen hatte" auf die Bühne. Der Durchbruch der Österreicherin in Deutschland ist ganz eng mit dem Namen Hans Hollmann und dem Bonner Theater verknüpft, das zwischen 1982 und 1988 vier Jelinek-Stücke uraufführte.Erfolg war der Autorin eigentlich immer suspekt, weil sie fürchtete, sich den Konventionen anzupassen, den Publikumsgeschmack zu treffen und selbst irgendwann im verhassten Kultur-Establishment zu landen. Elfriede Jelinek schlug sich immer auf die Seite der Schwachen und Entrechteten. Sie kämpfte als Radikalfeministin mit ästhetisch fragwürdigen Mitteln gegen die Unterdrückung der Frauen (1989 erschien ihr Skandal-Roman "Lust"), sie schrieb gegen das Vergessen der Nazi-Vergangenheit an (1995 im Roman "Die Kinder der Toten"), wehrte sich gegen tradierte Machtstrukturen (u.a. im autobiografisch fundierten Roman "Die Klavierspielerin", 1983) und wünschte sich für Österreich sehnlichst eine "links-sozialistische Partei"."Einen musikalischen Fluss", den die Nobelpreis-Jury rühmte, wird man bei Elfriede Jelinek nur schwerlich finden. Statt dessen stößt man immer wieder - wie in ihrem letzten Roman "Gier" - auf einen zornigen, mittlerweile leicht larmoyanten Grundtenor. Als ihr 1998 der Georg-Büchner-Preis verliehen wurde, bekannte Elfriede Jelinek: "Ja, ich bin resigniert."

    Ihre künstlerische Produktivität hat unter der vermeintlichen Resignation allerdings nicht gelitten. Mit "Kaprun", "In den Alpen", "Die Liebhaberin" (alle 2002) und "Bambiland" (2003) wurden weitere schlagzeilenträchtige Theaterstücke uraufgeführt."Das einzige, was ich mir wirklich wünsche, ist, zurückgezogen zu leben. Ich will nur in Ruhe gelassen werden", erklärte Elfriede Jelinek im Medienrummel vor zwei Jahren.

    Peter Mohr

    ... bis sie dann gestorben sind.

    Wenn Comics sich klassischen Märchenmotiven widmen, dann tun sie das meist in Form einer eher überzogenen Parodie. Selbst wenn sich dahinter so viel Sophistication verbirgt wie hinter ...

    Petraeus und sein Stab

    Die menschliche Existenz ist voll von Paradoxa. Krieg etwa gehört zu den schlimmsten Dingen, die Menschen einander antun können; die Ausführenden des Kriegs allerdings, das ...

    Musik in Schwarz-Weiß

    Noch ein paar Tipps für die Tage in denen Stimmung und Landschaft sich den Grau-Tönen nähern und die richtige Musik dabei hilft, ruhige Momente zu ...

    Zwischen Karikatur und Avantgarde

    Lyonel Feininger ist eine Ikone der Klassischen Avantgarde. Er hat einen festen Platz im Lieblingsmaler-Pantheon. Doch auch solch ein Weltrangmeister ist nicht vom Himmel gefallen. Die Ausstellung ...

    Psychothriller mit doppeltem Deutungsboden

    Alles beginnt ganz harmlos. Mit einem Schulaufsatz, in dem der französische Oberstufenschüler Claude (Ernst Umhauer) von einem Besuch im Haus seines Klassenkameraden Rapha berichtet. ...

    Vom großen Lama aus der Regent`s Park Road

    Tristram Hunt widmet dem Schatten von Karl Marx, der selbst ernannten »zweiten Violine« des Marxismus, dem Industriellenerben Friedrich Engels eine ...

    NJ Institut for sundhed og senior services køb cialis online sundhedspleje forsikringsudgifter