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    TITEL kulturmagazin
    Montag, 29. Mai 2017 | 22:56

     

    John le Carré wird 75

    19.10.2006

     
    Vom kalten Krieg nach Afrika

    Neuer Roman zum 75. Geburtstag des Schriftstellers John le Carré am 19. Oktober

     

    Nur absolute Insider wissen etwas mit dem Namen David John Moore Cornwell anzufangen. Aus jener Person war nach dem Germanistikstudium, einer kurzen Etappe als Lehrer an der Nobelschule in Eton und einigen Jahren als Diplomat (u.a. in Bonn und Hamburg) und Geheimdienstmitarbeiter der englischen Regierung Anfang der 60er Jahre der erfolgreiche Schriftsteller John le Carré geworden. Das Pseudonym war unumgänglich geworden, denn als der erste Roman aus seiner Feder erschien, stand er noch als Staatsbeamter in Lohn und Brot.

    Mit seinem Erstling „Der Spion, der aus der Kälte kam“ (dt. 1964) - später mit Richard Burton in der Hauptrolle erfolgreich verfilmt - hatte le Carré bereits das Thema gefunden, das ihn viele Jahre fesselte: der Ost-West-Konflikt und die damit verbundenen Spionageaffären.
    In all seinen späteren Romanen hat sich der Autor allerdings immer eine kritisch-ironische Distanz zur Spionage bewahrt. Vom „Hokuspokus der Spionagetechnik“ schrieb er selbst im Zusammenhang mit seinem Debütwerk, und seinen lange gehegten Protagonisten George Smiley, der zuletzt 1991 in „Der heimliche Gefährte“ auftrat, charakterisierte le Carré mit den Worten: „Der arme alte George war auch in seinen besten Zeiten niemals ein glücklicher kalter Krieger.“

    Le Carré traf über viele Jahre mit seinen Werken mitten ins Herz des westlichen Zeitgeistes. Der auserkorene Feind saß in Moskau und musste dementsprechend nach allen Regeln der Spionage“kunst“ bekämpft werden. So glichen sich auch häufig die Strickmuster seiner Romane, denn am Ende triumphierten - trotz der künstlich aufgebauten Spannung - stets die westlichen Geheimdienste, so auch in seinem letzten ganz großen „Wurf“, den mit Sean Connery in der Hauptrolle verfilmten Roman „Das Rußland-Haus“ (1989).

    Le Carrés spektakulärster Roman gehört nicht zu seinen erfolgreichen Titeln. Kurz nach dem Erscheinen von „Dame, König, As, Spion“ (1974), in dem es um einen östlichen „Maulwurf“ ging, der in exponierter Stellung in einer westlichen Regierung saß, war in Deutschland die Guillaume-Affäre aufgeflogen, die zum Rücktritt des damaligen Kanzlers Willy Brandt führte.
    Viele Skeptiker hatten befürchtet, dass le Carré nach Glasnost und Perestroika, nach dem Mauerfall und den politischen Reformen im ehemaligen Ostblock die Themen ausgehen würden. Doch davon kann keine Rede sein, denn noch ehe in Grosny die ersten Schüsse fielen, war le Carré bereits vor Ort gewesen und hatte für „Unser Spiel“ (dt. 1995) recherchiert. Es ging um den Unabhängigkeitskampf der kaukasischen Volksstämme - und immer noch saß der Feind in Moskau.

    Mit seinen Romanen „Der Schneider von Panama“ und „Der ewige Gärtner“ hat sich John le Carré vom Ost-West-Thema verabschiedet. „Mein Instinkt sagte mir, dass ich den Machenschaften der Multis in Afrika nachspüren müsse. In der Theorie ist zwar die kolonialistische Ausbeutung schon lange überwunden, aber mich interessierte, wie heute die Armen von den Reichen ausgebeutet werden“, legte der Autor in einem Interview seine Beweggründe dar.

    Um Afrika dreht sich auch sein in diesem Herbst erschienener Roman „Geheime Melodie“. Der Protagonist Salvador soll im Auftrag des britischen Geheimdienstes mithelfen, im Kongo einen starken Mann zu inthronisieren. Die westliche Welt fürchtet, dass nach den anstehenden Wahlen ein Bürgerkrieg ausbrechen könnte. Auf Konferenzen werden politische Statements zur Unterstützung der Demokratiebestrebungen abgegeben, während hinter den Kulissen eifrig am Gegenteil gewerkelt wird. Nicht die Demokratie, nicht das Wohlergehen der Bevölkerung, sondern die reichen Bodenschätze stehen im Vordergrund der Überlegungen der politischen Ränkespieler.

    Der in Cornwall lebende John le Carré, der am 19. Oktober 2006 seinen 70. Geburtstag feiert, versteht es, spannend zu erzählen und verfügt über ein ausgeprägtes Gespür für brisante Themen. Dies hat er mit „Geheime Melodie“ noch einmal nachhaltig dokumentiert.

    Peter Mohr


    Lesetipp:
    John le Carré : Geheime Melodie. Roman. Aus dem Englischen von Sabine Roth und Regina Rawlinson. List Verlag, München 2006, 416 Seiten, 22 Euro

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