Tun Dir normale Synchronsprecher Leid? Du hast ja noch anderweitig Erfolg.
Otto: Die Synchronsprecher verdienen mehr Geld als ich. Jeden Tag sitzen die da. Unsereiner kommt doch einmal alle zehn Jahre und das war´s dann. Damit muss man sich abfinden.
Oooch...
Otto: (tapfer) Ja! Aber ich bin auch kein Synchronsprecher. Ich mach das als Gastsprecher. Mehr ist es nicht. Aber ich benutzte das natürlich. Das ist eine gute Chance, auch für meine Bühnenshows. Es ist sehr hilfreich und erschließt ein neues Publikum. Viele Kids kommen. In Stuttgart kam ein Vater mit seiner Tochter: „Schau mal, Marie, dös is´ Sidle!“
Bist Du eher Faultier oder Ottifant?
Otto: Ottifant ist mehr äußerlich. Das sollte eigentlich ein Porträt von mir werden. Dann sah´s aus wie ein Elefant. Dann hab ich gesagt, nenn ich den Ottifanten. Den habe ich in der Schule schon gehabt. Das ist nun ein Fremdcharakter, dem ich meine Stimme leihe. Dann habe ich fast eine Otto-Figur draus gemacht. Im ersten Film war der ja noch nicht so (als Sid) „so verzuzelt“. Die haben geguckt: was macht der überhaupt in Deutschland? Die kannten mich ja nicht. Das war interessant, immer mehr in der Dramaturgie, in einigen Animationen die ottospezifischen Verhaltensweisen zu erkennen.
Was ist Sids beste Szene, die Dir besonders Spaß machte?
Otto: Die Dialoge der Oma.
Sid findet seine Familie wieder?
Otto: Nee, die Familie taucht einfach nur auf: „Oma, du auch hier?“ - Du, die sind weg und lassen dich mit der Oma allein. „Nein, so eine Familie gibt´s doch nicht, die hier einem die Oma aufhalsen.“
Ist die Botschaft des Films Familie ist wichtig?
Otto: Familie ist wichtig, das ist aber zweitrangig. Die Botschaft ist, dass in schweren Notzeiten gemeinsames Erleben, mit Beginn der Situation sehr hilfreich sein kann. Ob es wirkt, weiß ich nicht, aber es ist nicht so weit hergeholt für mich.
Warst Du immer zufrieden mit Deiner Stimme?
Otto: Ich kann sie ja verstellen. (Bariton) Ich kann ja ganz tief und ruhig sprechen – (Falsett) oder ganz hell und ganz brav.
Aber nicht langsam, oder?
Otto: Wenn Euch das lieb ist, kann ich auch langsamer sprechen. Ich bin natürlich durch den Tee so angetörnt! Aber mit der Stimme, das ist doch so in Ordnung, oder? (Entrüstet) Ich bin sehr zufrieden mit meiner Stimme!
Wenn man auf Bühnen geht zum Singen, anfangs auch in Kneipen.
Otto: Gesang hab ich gemacht und viel gesprochen, mich entschuldigt für irgendwelche Fehler. Die Entschuldigungen sind besser angekommen als die Songs. Dann ist es bei Entschuldigungen geblieben. Bis heute. Ich bin noch nicht am Ende. Ich fang gerade erst an. Jetzt mach ich zum Beispiel ein Prequel: Die Zwergen-Trilogie. Den dritten Zwergen-Film als Prequel, wie alles angefangen hat: „Die Legende lebt: Bubi – Ein Männlein steht im Walde. Der magische Zipfel von Arschkaban“
Wie hat sich der Otto-Humor verändert seit Deinen Anfängen?
Otto: Plötzlich synchronisiere ich ein Faultier. Dann spiele ich einen Zwerg. Früher hätte ich gedacht, ich rocke einen ab. Früher hab ich Kunst studiert und war in Studentenclubs. Dann hab ich eine Fernsehshow gemacht. War gar nicht gut, aber als das geschehen ist, musste ich eine Woche später in ein Riesenbierzelt von 4000 Besuchern. Da hast du unterschiedliche Bildungsschichten, Mainstream. Das war eine große Wandlung.
Wird das Komische manchmal anstrengend? Dass Du lieber ernst wärst, aber...
Otto: Ich versuch´s ja! Ich bin ja jetzt ernst, wir unterhalten uns ernst. Es wirkt trotzdem komisch, habe ich das Gefühl (schaut in die Runde). So drück ich mich immer aus. Dafür kann ich ja nichts. Oder?
Auch privat?
Otto: Ich bin privat jetzt hier! Ich bin schon so lange dabei. Wenn ich mich ständig verstellen müsste, würde ich so viele Jahre gar nicht durchhalten.
Bekamst Du als Schüler dafür viel Ärger?
Otto: Die Pauker haben mich wahnsinnig gemacht. Da durfte ich gar nichts. Ich war ein bisschen überaktiv in der Schule. Ich versuchte meine Zwergenwuchs in der Klasse durch Musik zu kompensieren, durch Scherze und so weiter.
Warst du der Klassenclown?
Otto: Ja. Ich habe jeden Spaß unterstützt. Ich habe auch viel Scheiß gemacht.
War auf der Bühne zu stehen immer Dein Wunsch?
Otto: Immer.
Damals war Comedian ja kein Berufskonzept.
Otto: Das haben meine Eltern auch so gesehen. Ich habe im Kindergarten schon was aufgeführt. Mit neun habe ich schon den Babysitter-Boogie gesungen. Ich wusste immer, ich hab Lust zu performen.
Steht Dein Werk bei Dir zu Hause?
Otto: Kannst ja mal vorbeikommen. Es ist chaotisch bei mir. Ich hab kaum Möbel. Wenn bei mir einer einbricht, kann er nichts mitnehmen. Ist nichts zu holen. Der denkt immer, jemand ist schon vor ihm da gewesen.
Hast Du einen Lieblingswitz?
Otto: Ich bin kein Witze-Erzähler. Ich kann ein paar Verpflichtereien erzählen, das ist schöner. Ich musste erst für die Bild diese Aktion machen. Das Bekennermotiv zur Bildzeitung: „Von der Oder bis zur Neiße ließt man jeden Tag nur Schönes.“