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    TITEL kulturmagazin
    Donnerstag, 27. Juli 2017 | 16:06

    Porträt von Stefanie Wegner

    14.06.2012

    Stefanie Wegner: ,,Ich zeichne Geschichtenbilder"

    Stefanie Wegner war lange Illustratorin der erfolgreichen Kosmos-Buchreihe „Drei ??? Kids“. Beim Erlanger Comic- Salon betreute sie zeitweise den Stand der Illustratoren Organisation e. V., die sich eher in einem Randbereich der Messe bewegt. Nach eigenem Urteil fühlt sie sich aber auf dem Salon völlig zu Hause; die 34-Jährige werkelt gerade an einer etwas verspäteten Comic-Karriere und hat zu diesem Zweck ihr Studio „Illustrie“ in einen kleinen Verlag umgewandelt. „Ich passe in keine Schublade“, sagte sie im Gespräch mit ANDREAS ALT.

     

    Der Werdegang der Wahlhamburgerin ist bemerkenswert und ziemlich untypisch. Ganz am Anfang standen jedenfalls Comics: In der Grundschule sollte sie nach Vater und Sohn-Comics von E. O. Plauen Aufsätze schreiben. Das war für sie ein Schlüsselerlebnis: „Ich sah darin so viel – mir reichten 45 Minuten nicht aus, um die Panels zu beschreiben.“ Ebenso fasziniert war sie von Kinderbuchillustrationen, die sie nach eigener Einschätzung ebenso beeinflussten. Dem Zeichnen widmet sie sich bereits, seit sie drei Jahre alt war. Ein erstes wirtschaftliches Erfolgserlebnis hatte sie als 13-Jährige, als sie auf Märkten selbst gestaltete Weihnachtskarten verkaufte und in der Adventszeit das Taschengeld für ein ganzes Jahr einnahm. Viele Käufer wollten nicht glauben, dass sie die Karten selbst gezeichnet hatte.

     

    Ab 1997 studierte Stefanie Wegner Kommunikationsdesign in Hamburg. „Da habe ich fast alle Aufgaben, die man grafisch lösen sollte, illustrativ gelöst“, erinnerte sie sich. Eine Übungsaufgabe wurde unversehens zur entscheidenden Weichenstellung: Als Comicfan und Fan der Jugendkrimireihe Die drei ??? entwarf sie einen Drei ???-Comic. Vorsichtshalber fragte sie beim Verlag Franckh-Kosmos an, ob sie den Comic ausstellen dürfe.

     

    Kosmos reagierte unerwartet: Man ließ sich die Comic-Seiten schicken und bot der jungen Illustratorin an, die in Planung befindliche neue Erstleser-Buchreihe Die drei ??? Kids zu illustrieren. Von da an kümmerte sie sich mehrere Jahre lang neben ihrem Studium um vier Kosmos-Bücher jährlich, später auch um Zeitschriftenillustrationen mit den Drei ??? Kids und ähnliches. „Die Illustrationen zu dieser Serie waren meine Ausbildung“, resümierte sie. Ihr Studium brach sie kurz vor der Abschlussprüfung aus zeitlichen Gründen ab, da sie als berufliche Zeichnerin bereits sehr viele Aufträge hatte.

     

    Ein Comic nach Harry Potter

    Im Jahr 2000 machte sie einen zweiten Anlauf zum Comic-Zeichnen: Auf Anregung des Illustrationsagenten Paul Derouet, der zugleich Leiter des Erlanger Comic-Seminars war, meldete sie sich zu diesem Seminar an; hier zeichnete sie einen Comic nach einer zu diesem Zeitpunkt noch unbekannten Buchreihe Harry Potter und stellte ihn beim Comic-Salon aus. „Dann bekam ich eine Einladung vom Carlsen Verlag“, berichtete sie, „und der damalige Redakteur Joachim Kaps sah sich eine Mappe von mir an. Carlsen wollte mir freie Hand geben, den Comic auszubauen. Es hat aber zeitlich nicht geklappt, weil ich schon die Drei ???-Bücher hatte und mein Studium.“ Später war ein Harry Potter-Comic rechtlich nicht mehr möglich.

     

    Das Comic-Seminar hatte aber noch eine andere Folge: Mit fünf anderen Teilnehmern schloss sich Stefanie Wegner 2004 zu einem Illustrations- und Comic- Studio zusammen. Aber weil sie inzwischen den Illustrator und Trickfilmzeichner Timo Müller geheiratet und eine Familie gegründet hatte, brach das Team nach zwei Jahren auseinander. Mit ihrem Mann machte sie als Werbe-Illustratorin unter dem gemeinsamen Namen „Illustrie“ weiter: „Wir sind hochspezialisiert auf einen Bereich, den die Werbeagenturen intern nicht abdecken und den sie bei uns einkaufen.“

     

    Allerdings fühlte sie sich zunehmend als Sklavin der Werbung, ohne jede künstlerische Freiheit. „Ich wusste nicht, wohin mit meiner Kreativität“, klagte sie. „Glücklicherweise“ kam die Finanzkrise 2009, und die Aufträge wurden deutlich weniger. Seitdem versucht sie, doch noch die Kurve in Richtung Comics zu kriegen. Sie hat das Gefühl, wie sie lachend gestand, von „weit oben“ zu kommen und sich nun nach unten in die Comics-Szene hinein zu bewegen.

     

    ,,Ich warte, bis mir die richtige Idee kommt"

    Während sie mit ihrem "Illustrationsbüro Müller-Wegner" weiterhin Aufträge übernehmen, wandelten Stefanie Wegner und ihr Mann „Illustrie“ 2010 in einen kleinen Verlag um. Druckerzeugnisse werden allerdings noch nicht produziert, bisher kann erst eine ansprechend gestaltete App erworben werden, eine weitere ist in Arbeit. Außerdem ist die Illustratorin zum Postkartenzeichnen zurückgekehrt, Postkarten mit Fantasymotiven.

     

    „Ich mag Fantasy sehr gerne“, gestand sie, „aber die meisten Illustrationen, die es gibt, sind wenig alltagstauglich mit diesen halbnackten Frauen; die kann ich mir nicht an die Wand hängen. Ich will nur einen Hauch Fantasy.“ Stefanie Wegner zeichnet Fantasyillustrationen, in denen die Phantastik nur angedeutet ist, die aber, wie einst bei E. O. Plauen, eine Geschichte erzählen. „Ich zeichne Geschichtenbilder“, betont sie.

     

    Nebenbei entstehen kürzere Comics, gleichsam als Fingerübungen (alle auf der „Illustrie“-Homepage zu besichtigen). „Ich warte einfach, bis mir die richtige Idee kommt oder bis ich den Stoff für ein Comic-Album bekomme. Wenn ich’s weiß, mache ich’s“, sagte sie. Mit dieser Freiheit fühlt sie sich wohl. Aber sie hat auch ein ungutes Gefühl: „Ein Comic-Zeichner ohne Album – das ist doch wie ein Sänger ohne Lied.“

     

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