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Sonntag, 19. Mai 2013 | 22:59

Der Schauspieler Gary Oldman im Interview

02.02.2012

»John Le Carré sagte, es sei die beste Adaption eines Buches, die es je gab.«

Gary Oldman über seine Rolle als Georg Smiley in dem Film Tinker Tailor Soldier Spy (Dame, König, As, Spion). Ein Interview von LIDA BACH

 

Rührt Deine Sympathie für Tomas Alfredson von deiner eigenen Vampir-Erfahrung?

 

Der andere Vampir? Nun, wir haben uns beide mit der Welt der Untoten eingelassen.

 

In der Rolle erhebst du kaum die Stimme. Deine Idee oder die des Regisseurs?

 

Es hat sich einfach so entwickelt. Als ich ans Set kam, war die erste Szene, die in der Ricky zu mir nach Hause kommt und von Irina erzählt. Ich habe einfach so weitergemacht. Ich hebe am Ende etwas die Stimme gegenüber Bill. Tatsächlich ist er im Buch ein so milder Mann. Er ist so still im Buch, tatsächlich eher sanftmütig. Das ist es, was ihn gefährlich macht. Darum bekommt man von jemandem wie Smiley nichts mit. Er ist ein stiller Mensch, ein Schachspieler.

 

Kanntest Du Le Carrés Bücher vorher?


Ich habe sie nicht alle gelesen, aber ich kenne einige und hatte Tinker Tailor gelesen. Smiley ist in sechs oder sieben Büchern. Aber der literarische Stil hilft. Man gleitet, wenn der literarische Stil gut ist. Ist der Stil nicht da, schwimmt man gegen den Strom. Man hat solch großartiges Material als Vorlage. Sie haben hier die Geschichte in zwei Stunden erzählt. In der TV-Serie war es das ganze Buch, Wort für Wort. Welcher Autor würde das nicht lieben? Doch obwohl sie es zusammenstutzen mussten, hat John Le Carré gesagt, es sei die beste Adaption eines Buches, die es je gab, welches auch immer. Dabei ist er sehr ausdrücklich, wenn er etwas nicht mag. Er ist nicht schüchtern.

 

Hast Du die TV-Version mit Alec Guiness vorab gesehen?


Ich sah sie ´79, als sie erstmals ausgestrahlt wurde, aber habe sie mir nicht wieder angesehen. Ich war besorgt, dass ich zu sehr davon beeinflusst würde, wenn ich sie nochmals ansähe. Also hielt ich mich davon fern, doch ich erinnere mich daran. Sie war solch ein Triumph, sehr gut gemacht. Wenn man einen Menschen einer bestimmten Generation auf der Straße anhält und fragt: Wer ist George Smiley? Würden er oder sie sagen: Das ist Alec Guiness. Die ganze Nation sah es. Großartige Tage waren das, nicht wahr? Keine DVD, kein Video; es gab keine Aufnahmemöglichkeit und man hat seine soziale Agenda nach dieser einen Stunde pro Woche arrangiert, um Tinker Tailor zu gucken. Und dann würde jeder auf Arbeit, jeder überall, wo man hinging, darüber reden. Es war eine ganze andere Welt, oder? Heute haben wir zu viel. Es ist einfach zu viel von allem.

 

Du sagtest einmal, jeder in der Filmindustrie wolle nun seinen eigenen Film drehen. War das ein Grund, dass du als Regisseur lange inaktiv warst.


Damit meinte ich nur, wenn jeder eine Kamera haben kann, jeder einen Film machen kann, es zwangsläufig viel Müll geben muss. Es ist das Gesetz des Durchschnitts. Wie oft hat man schon einen Polanski oder einen Coppola? Diese Leute tauchen nicht jede Woche auf. Ich hoffe, dass ich 2013 etwas inszeniere. Ich habe gerade etwas fertiggestellt, dass ich geschrieben habe, aber das spielt im 19. Jahrhundert.

 

Wovon handelt es?


Das kann ich nicht sagen, weil ich es noch nicht angekündigt habe.

 

Historisch oder fiktiv?


Historisch.

 

Ist es das Remake mit Collin Farrell von 1960?


 Nein, ist es nicht. Das war ein Gerücht, aber darüber kann ich auch nicht wirklich etwas sagen. Ich hatte eine Idee, ein Remake zu machen, aber das war nur ein Film aus den 60ern, den ich besonders mochte. Als ich mit Collin arbeitete, dachte ich: Hier ist der Typ, mit dem man zusammen drehen sollte. Aber wir suchen immer noch einen Regisseur. Wir wollten, dass Tomas es macht, aber ich glaube, er will etwas in seinem eigenen Land machen, was verständlich ist. Aber es kann sein, dass wir Smiley´s People drehen. Es kann sein, dass wir das dritte Buch der Trilogie machen. Das gleiche Team. Eine Rückkehr zu Smiley.

 

Smiley ist ein klassischer britischer Spion, sein Gegenbild James Bond. Gab es für dich als Teenager diesen Punkt, wo man begreift, dass die Realität anders ist?


Ich erinnere mich daran, als Kind James Bond gesehen zu haben. Erinnerst du dich daran, als Filme Ereignisse waren? Heute gibt es jede Woche ein Event und es ist in 3D. Ich klinge wie ein zynischer alter Scheißkerl, aber ich weiß noch, wie man wartete, einen James Bond-Film gucken zu können und es dann drei oder vier Jahre dauerte. Man dachte: Wow, ein James Bond-Film läuft. Ich kann es nicht erwarten, den nächsten Bond zu sehen. Aber man kommt in ein gewisses Alter, wo man begreift, dass das nicht das echte Leben ist. Niemand muss es einem sagen, es ist so, wie wenn man begreift, dass es keinen Weihnachtsmann gibt. Man sagt sich, man könnte das nie in einem Auto machen, das ist Fantasie. Das heißt: Man könnte es in einem Auto machen, aber ich bezweifele, dass man es überleben würde (lacht).

 

Tinker Tailor wirkt wie ein Film der Ära vor dem Digitalzeitalter, die nicht sonderlich lustig aussieht.


Vor dem Digitalzeitalter? Da hat´s Spaß gemacht, ich war dabei!

 

Foto: SAM

Lizenz: CC-BY-2.0

 

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