Wolfgang Schweiger, 1951 geborener Autor und Journalist, der neben einem guten Dutzend veröffentlichter Krimis auch Drehbücher für Serien wie SOKO 5113 und Der Fahnder vorzuweisen hat, lässt seinen Kommissar Gruber in Kein Ort für eine Leiche bereits zum zweiten Mal seinem aus Mord und Totschlag bestehenden Broterwerb nachgehen; selbstverständlich wieder mit Unterstützung seiner Kollegin Bischoff, selbstverständlich im oberbayerischen Chiemgau.
Von einem Alptraum aufgeschreckt, wird Gruber eines frühen Morgens einer Person gewahr, die durch den hinteren Teil seines Gartens schleicht. Von diesem Vorfall abgelenkt wird er glücklicherweise einige Stunden später durch seine Kollegin Bischoff, die ihn per Telefon dazu einlädt, ihr im Haus eines Toten Gesellschaft zu leisten – eine willkommene Entschuldigung, um ein nervig werdendes Treffen mit seiner Ex-Frau und deren neuem Liebhaber abbrechen zu können.
Was zunächst nach einem Unfall aussieht, entpuppt sich – schließlich handelt es sich ja um einen Krimi und nicht um die Jahresstatistik des Bundesverbandes für Unfallforschung – als Tod durch Fremdeinwirkung, aller Wahrscheinlichkeit nach als Mord. Manfred Neumann, so der Name des Toten, lebte mit seinem Hund Wotan, nun liegt er mit Schädelbruch am Fuße seiner Treppe. Mehrere Personen tun alles, um sich als Verdächtige aufzudrängen: die aus einem Junkie-Pärchen und Grubers Cousin Günther bestehende Gesellschaft, mit der Neumann kurz vor seinem Tod noch ausgiebig gezecht hatte; seine Schwester und gleichzeitige Alleinerbin, die ihn aufgrund ihrer finanziellen Schwierigkeiten schon länger dazu gedrängt hatte, das alte Familiengrundstück zu Geld zu machen. Auch die Rolle der Haushälterin ist fragwürdig. Die größte Frage ist allerdings, wie Neumann als arbeitsloser Taxifahrer sein Leben auf großem Fuß (Weine, Hi-Fi, neuer Sportwagen, alles vom Feinsten, versteht sich) zu finanzieren wusste – ein Nachtschrank mit Drogen, Geld und großem Kaliber lassen zunächst auf einen einträglichen Nebenverdienst als Dealer schließen. Aber so einfach ist es natürlich nicht ...
Tempo …
Nach und nach entspinnt sich ein chronologischer Run an Verhören und Verfolgungen. Nachvollziehbar, ein bisschen wie bei einer Schnitzeljagd, wo ein Kreidepfeil auf den jeweils nächsten weist. Um ein wenig vom Fall abzulenken, streut Schweiger einige sachfremde Assoziationen ein, verpasst dem Liebhaber von Grubers Ex den Namen Gerhard Richter, ohne ihn malen zu lassen; an anderer Stelle darf sich die Haushälterin des Toten als Frau Podolski vorstellen, vermutlich ohne jemals gegen einen Ball getreten zu haben. Und auch ein wenig Sex steht zu Diensten, zwischen Gruber und Kollegin Bischof natürlich nur latent, als eine Möglichkeit für die Zusammenarbeit bei einem späteren Fall.
Größtenteils einfache Sätze, ein Buch zum Weglesen; mit seinen knapp 230 großzügig gesetzten Textseiten das richtige Volumen für einen Abend am Kamin. Mögen die einfachen Sätze dazu führen, dass sich ein angenehmes Lesetempo entwickelt, dass Zug in die Story kommt, so ist diese Zackigkeit an mancher Stelle doch störend. Oft ist zu spüren, dass Schweiger mit dem Auge des Drehbuchautors schreibt, dass er Szenen auf ihre Verfilmbarkeit hin konzipiert. An anderer Stelle findet das Wort Baseballkappenträger so geballte Verwendung, dass wohl jeder Viertklässler dafür einen Wiederholungsfehler angekreidet bekäme. Diese handwerklichen Mängel macht er jedoch durch glaubwürdige Dialoge und einige gute Szenen wett, vor allem dann, wenn er sich auf tiefergehende Charakterstudien zu Gruber einlässt. Der im gebügelten Trenchcoat observierende, dabei lässig Zigarillo schmauchende Ermittler, hat auch hier ausgedient. Eine Heile-Welt-Figur ist Kommissar Gruber nicht, stattdessen ein Mann mit Ecken und Kanten. Alpträume und Scheidung haben ihre Spuren hinterlassen, unbeherrscht-unkontrolliert spricht er eines Abends dem Alkohol so heftig zu, dass er später mit vollgepisster Hose und Kotze am Hemd auf dem Rasen erwacht – und das wäre dann auch eine Szene, die ich gerne auf der Leinwand sehen würde!