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    Dienstag, 25. April 2017 | 14:30

    Weinek / Weinek: Gebrauchsanweisung für das Burgenland

    01.07.2011

    Im Land des Winzerkönigs

    Die Brüder Andreas und Martin Weinek gelten als profunde Kenner von Österreichs Osten. Ihre Gebrauchsanweisung für das Burgenland gibt Einblick in eine genussreiche, sinnenfreudige, überaus reizvolle Region, die von einem spannenden Völkergemisch geprägt ist. Von INGEBORG JAISER

     

    Fast 4.000 Quadratkilometer. Ein Drittel davon unter Naturschutz. Annähernd 290.000 Einwohner. Sonnenverwöhnt vom pannonischen Klima. An über 300 Tagen im Jahr. Das ist das Burgenland, Österreichs östlichstes,  jüngstes und zweitkleinstes Bundesland (kleiner ist nur noch Vorarlberg). Es kann nicht mit den hohen Bergen Tirols oder der Seenvielfalt Kärntens aufwarten, jedoch mit einem überaus spannenden »Burgenlandmenschengemisch«, einem vielschichtigen Konglomerat aus slawischen und bajuwarischen, östlichen und westlichen, jüdischen, katholischen, evangelischen und muslimischen Einflüssen. Im Gegensatz zu wilden kärntnerischen Umtrieben erträgt der Burgenländer mit stoischer Gelassenheit das verbriefte Recht autochthoner Sprachgruppen: ganz selbstverständlich praktizieren die Burgenlandkroaten, -ungarn, und -roma zweisprachige Ortsschilder und eigene Kulturen. »Ein bunter Haufen aus allen Ländern der Habsburgermonarchie«!

     

    Mangaliza-Hulaska und Maroni-Knöderln

    Die enge Symbiose mit den Nachbarstaaten hat eine reizvolle Region entstehen lassen, ein herrliches Paradies für Schlemmer und Weinfeste, Radfahrer und Naturfreunde, Musik- und Konzertliebhaber. Wer könnte sich fundierter und schwärmerischer über dieses Bundesland auslassen als das Brüderpaar Weinek: einerseits der Regisseur und Schauspieler Martin (bekannt aus der Fernsehserie Kommissar Rex), der mit seiner Frau im südburgenländischen Hagensdorf ein florierendes Weingut betreibt – andererseits der jüngere Andreas, dem als Senderchef beim Abokanal History Channel zur Genüge bekannt ist, wie man Fakten spannend aufbereitet. So reiht sich die Gebrauchsanweisung für das Burgenland charmant und herausragend in die traditionsreiche Reihe des Piper-Verlages ein.

     

    Ja, es wird viel gegessen und getrunken auf diesen 197 Seiten. Wir lernen den Uhudler kennen (eine mythosumrankte, an den steirischen Schilcher erinnernde, Ende des letzten Jahrhunderts tatsächlich verbotene Rebsorte), Mangaliza-Topfen-Hulaska und Maroni-Knöderln. Wir begeben uns auf eine virtuelle Genussreise durch haubenzertifizierte Lokale, Weingüter und Buschenschanken. Dass der in seiner Fernsehrolle als Winzerkönig bekannte Schauspieler Harald Krassnitzer ein lobpreisendes Vorwort zu diesem Buch verfasst hat, dürfte kein Zufall sein.

     

    Lisztomania und Ostbahn-Kurti

    Doch was wäre das Burgenland ohne seine »künstlerische Seele«? Hier komponierte Joseph Haydn am Hof des Fürsten Eszterhazy über 100 Symphonien und rund zwei Dutzend Opern. Hier startete Franz Liszt seine bemerkenswerte Karriere als musikalisches Wunderkind und Frauenheld (ein Jahrhundert später von Ken Russell zum Musikfilm Lisztomania inspiriert). Hier wurde der überaus umtriebige, kroatischstämmige Willi Resetarits geboren, der später zum legendären Ostbahn-Kurti mutierte. Hier wirkte und werkelte der umstrittene Künstler Otto Mühl, der unter anderem mit Oskar Wiener (ja, dem Vater der Fernsehköchin Sarah Wiener) seine skandalöse Aktionskunst entwickelte. Und nicht zuletzt ziehen die Seefestspiele in Mörbisch als Open-Air-Spektakel jährlich rund 200.000 Besucher an. Noch Wünsche offen?

     

    Das Autoren-Duo Weinek präsentiert mit so viel ansteckendem Witz, Elan und Schmäh eine Vielfalt von Lebens- und Alltagsgeschichten, von Genüssen und Anregungen, dass die Idee eines klassischen Reiseführers vollkommen fern ist. Eher mag man sich auf eine sinnenfreudige Traumreise begeben – oder einige der mitgelieferten handfesten Rezepte in der heimischen Küche ausprobieren. 

     

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