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    Samstag, 19. August 2017 | 13:19

    Tristan Gooley: Der natürliche Kompass

    10.06.2011

    Navigieren - aber natürlich!

    Orientierungslos in freiem Gelände, das muss nicht sein. Der natürliche Kompass weist den Weg. Jenseits der sonst üblichen Navigationstechnologien kann man lernen, Mit allen Sinnen unterwegs zu sein, wie es der Untertitel verspricht. Von FRANK KAUFMANN

     

    Warum überhaupt ein Buch über natürliches Navigieren, wo doch so herrlich einfach mit Navi, Kompass und GPS navigiert werden kann? Wozu knapp dreihundert Seiten, die uns sagen, wo wir sind und wie wir da hinkommen, wo wir hinwollen? Für Menschen aus der Zivilisation kein Thema, mag man zunächst denken. Und selbst bei Reisen in abgelegene Gebiete braucht es ja wohl außer der Bedienung ausgefeilterer technischer Hilfsmittel auch keine besonderen Fertigkeiten.

     

    Vielleicht kann man sich dem Thema, dem Wunsch und Ansinnen Tristan Gooleys, ganz ohne technische Navigationshilfen zu reisen, ganz gut nähern, wenn man sich einmal vor Augen führt, wie wichtig die Vertrautheit mit der Umgebung ist, mit der jeder als Kind schon gelernt hat, sich zurechtzufinden. Damals wie heute geht es darum, wiedererkennbare Punkte zu lesen, an denen man sich orientieren kann. Ein besonderer Baum, ein Haus, die Straßenkreuzung, vieles dient als Wegmarke. So wächst allmählich das Vertrauen in die eigene Orientierungsfähigkeit. Die Reisemöglichkeiten als Erwachsener erweitern sich, und schließlich finden wir uns auch schneller in weniger bekannten Gegenden zurecht. Dass diese natürlichen Fähigkeiten so erweitert werden können, dass Orientierung selbst auf großen Reisen und in entlegenen Erdteilen möglich wird, sogar auf hoher See, legt Gooley überzeugend dar. Seine eigene Reisetauglichkeit hat er öfter unter Beweis gestellt: so überquerte er erst den Atlantik im Alleinflug, dann einhand im Boot.

     

    Plastisch macht der Autor deutlich, wie eingeschränkt letztlich das Erleben des Reisens werden kann, wenn sich der Reisende nur noch auf die umfangreiche Hochtechnologie verlässt. Mit der Sehnsucht nach Freiheit, die das Reisen ausmacht, hat dies nicht mehr viel zu tun. »Monitore, Bürokram, Checklisten, unzählige Abkürzungen. Ich lernte, was GPS ist, AIS, ILS, ADF, NDB, VHF, DME, UHF, SSB, VOR, ASI, VSI ... Die Liste nimmt kein Ende. Klar, ich musste diese Welt begreifen, aber leben wollte ich darin nicht. Vielmehr kam es mir darauf an, für die Zukunft die natürlichen Faktoren des Reisens zu verstehen.«

     

    Aus den Sternen lesen

    Die wichtigsten Anhaltspunkte des natürlichen Navigierens, die Gooley praxisnah beschreibt, sind der Stand der Sonne und des Mondes. Besonders an den Spuren, die die Sonne an Natur und Landschaft hinterlässt, kann die Himmelsrichtung gut bestimmt werden. Auch die Sterne können sehr hilfreich sein, wenn man sie zu lesen weiß. Dass diese Kunst vom Aussterben bedroht ist, wird manchmal bedrückend deutlich – und das nicht nur in den industrialisierten Gegenden dieser Welt. Sogar bei abgelegenen Wüstenvölkern scheint das alte Wissen, sich auf natürliche Weise zurechtzufinden, im Niedergang begriffen. »Ein junger Targi in der Sahara bat mich einmal, ihm mithilfe der Sterne zu zeigen, wo Mekka liegt ... den Nachthimmel könne er im Gegensatz zu seinem Vater nicht mehr lesen.«

     

    Das Navigieren auf dem Meer stellt eine besondere Herausforderung dar, aber es ist möglich. Die Gezeiten, die Farbe des Wassers, der Zug der Vögel, überhaupt der Wuchs der Pflanzen, das Verhalten der Tiere und viele andere Größen spielen eine Rolle, geben diverse Anhaltspunkte. Ungewöhnliche Methoden wie das »Unterwasserleuchten«, das von den Einheimischen seit jeher genutzt wird, um zur Küste zurückzufinden, beschreibt Gooley ebenso, wie eher kuriose Dinge. Der weibliche Häuptling der Cook-Insel Raratonga beschreibt beispielsweise: »Man könne eine Wimper leichter ausreißen, wenn man in Küstennähe sei.« Von vielen Zugvögeln kann man immerhin lernen, dass es sinnvoll ist, nicht nur auf eine Navigationsmethode zu setzen.

     

    Erstaunlich an Tristan Gooleys Buch ist die darin dargestellte Vielfalt, die Vielzahl von Möglichkeiten, wie man sich auf natürliche Weise orientieren kann. Es wäre schade, wenn diese Vielfalt irgendwann ganz verloren ginge. Insofern versteht sich dieses Buch auch als einmalige Möglichkeit und Aufforderung zur Wiederaneignung natürlicher Fertigkeiten. Sich technologisch unabhängig(er) auf Reisen zu bewegen ist tatsächlich möglich. Alle in dem Buch beschriebenen Methoden warten auf ihre Anwendung. Und keinesfalls erschöpft es sich als Ratgeber in Sachen Notfallnavigation, stattdessen wird die ganze Schönheit und das enorme Potenzial natürlicher Orientierung vor Augen geführt. »Die Art und Weise, wie wir unsere Sinne und unseren Verstand nutzen, um die Frage ›wohin blicke ich?‹ zu beantworten, vermag Gedanken, Assoziationen und Vorstellungen zu wecken, die so aufregend sind wie die Reise selbst.« Gooley erschließt dem Leser die Vielfalt der natürlichen Navigation, wo das Schauen, das Rauschen der Wellen, das Spüren des Windes und der Geschmack und Geruch des Wassers noch eine Rolle spielt. Ein sehr aufschlussreiches Buch!

     

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    TITEL ist umgezogen!

    Liebe Leserinnen, liebe Leser!


    Das neue TITEL kulturmagazin ist ...

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