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Celia Brooks Brown: Die neue StadtGartenLust

06.05.2011

Zwischen Zwiebeln und Zucchini

Mit Hingabe stürzt sich die Köchin und Autorin Celia Brooks Brown in die Bewirtschaftung ihres Kleingartens und propagiert begeistert Die neue StadtGartenLust. Von INGEBORG JAISER

 

Gärtnern kommt zunehmend (wieder) in Mode, Kleingartenanlagen erfahren überraschenden Zuspruch – und wer in einer Großstadt wie London lediglich drei Jahre bis zur Zuweisung einer Parzelle warten muss, wähnt sich überglücklich. So widerfährt es der engagierten Kochbuchautorin und gelernten Köchin Celia Brooks Brown im Jahre 2005. Unglaublich, wie das 10x15 Meter große Dickicht aus Brombeeren und Ackerwinden den Beginn einer wachsenden Leidenschaft entfacht. Doch vor falscher Romantik sei gewarnt: das verwilderte Grundstück liegt recht unspektakulär zwischen Kirche, Moschee und Polizeistation – nicht gerade ein lauschiger Ort zum kontemplativen Unkrautjäten. So blitzen selbst in den gelungenen Fotos von Jill Mead die britischen Reihenhaussiedlungen mit ihren tristen Klinkerfassaden im Hintergrund durch.

 

Fruchtbares Gartenparadies

Doch Celia Brooks Brown verwandelt mit großem Eifer und Geschick, mit unerschütterlicher Fantasie und Erfindungsgabe das vernachlässigte Stück Land in ein fruchtbares Gartenparadies, Überraschungen und Rückschläge inbegriffen. Um ihre ausufernde Begeisterung zu teilen, hat sie ein anregendes Buch über ihren Kleingarten im Norden Londons verfasst, eine reich bebilderte Anleitung zum Säen, Ernten, Genießen. Hier treffen Gartentipps auf kosmopolitische Rezepte, lockere Plaudereien auf praktische Anleitungen, stimmungsvolle Fotos auf saisonale Ernte- und Pflanztabellen. Wer gegenüber kulinarischen Genüssen und ökologischen Abenteuern aufgeschlossen ist, wird nach der Lektüre dieses Buches umgehend ein Stück brachliegendes Land zur Bewirtschaftung suchen – denn überzeugender kann Die neue StadtGartenLust kaum vermittelt werden.

 

Ein paar Grundlagen müssen sein: ein kurzer Abriss über das Einmaleins des Gemüsegartens und verschiedene Anbaumethoden führen uns in die Materie ein. Dabei spart die Autorin nicht mit unkonventionellen Tipps: im Multi-Kulti-Umfeld von London kommt man schon mal auf die Idee, die Essensschalen vom China-Imbiss als Anzuchtgefäße zu nutzen oder aus Kunststoff gewobene Kartoffelsäcke vom türkischen Gemüsehändler als Pflanzbehälter umzuwidmen. 

 

Enthusiastische Gartentipps, außergewöhnliche Rezepte

Derart ausgestattet können wir in ein erfolgreiches Gartenjahr starten: Frühlingskräuter, Lauch und Sprossbrokkoli im März, die ersten Radieschen und Dicken Bohnen im Mai, Erdbeer- und Artischockenschwemme im Juli, Rote Beete und Kürbisse im Herbst – und im Dezember das obligatorische Feiern am Kamin mit eingelegten Früchten aus den vergangenen Monaten. Berückend einfach und doch raffiniert sind die durchwegs vegetarischen jahreszeitlich ausgerichteten Rezepte der Autorin: Warmer Zucchinisalat mit Parmesankruste, Selleriegratin mit Steinpilzen und Maronen oder Pastinaken-Erbsen-Suppe mit Blauschimmelkäse. Neugierig habe ich exemplarisch das orientalisch angehauchte Curry mit Rhabarber und Linsen nachgekocht – und war begeistert! Kreativer können Rezepte mit Erzeugnissen des eigenen Gartens kaum sein.    

 

Appetit bekommen? Celia Brooks Brown bewegt sich fernab des hausbackenen Landfrauen-Images von Kittelschürze und Gummistiefeln. Ziemlich stylish zeigt sie sich in hippen Klamotten und blau lackierten Nägeln zwischen rankenden Stangenbohnen und üppig tragenden Tomatenstauden. Wer gar nicht genug bekommen kann von ihren enthusiastischen Gartentipps und außergewöhnlichen Rezepten, findet auf Browns Website Gastrotours, Video-Clips, Links und einen Blog. Mich wird Die neue StadtGartenLust sicherlich durch das ganze Gartenjahr begleiten. Vielleicht sogar darüber hinaus.

 

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