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    TITEL kulturmagazin
    Sonntag, 23. Juli 2017 | 10:55

    Dennis DiClaudio: Der kleine Erotiker

    22.10.2010

    Aufgebläht gen Himmel

    Editorial Warning! Explicit content in this review! Und schon werden wir auch explizit: Haben Sie abartigen Sex? Okay, das ist eher direkt als explizit. Versuchen wir’s mal so: Wann beginnt Sex eigentlich für Sie abartig zu werden? Gut, da setzt wohl jeder die Grenzen anders: Für die einen wird’s erst absonderlich, wenn die Billardkugel etwas straffer als sonst im Mund festsitzt, für die anderen ist die Perversitätsgrenze schon erreicht, wenn sie beim Sex das Licht anlassen. Von FLORIAN HOFFMANN

     

    Aufgebläht gen Himmel

    Aber – und damit kommen wir jetzt explizit endlich zur eigentlich Rezension – egal, für wie versaut Sie sich halten, glauben Sie mir, das Ende der Fahnenstange ist noch lange nicht erreicht. Oder besser: Glauben Sie Dennis DiClaudio, der in seinem Lexikon der unzüchtigen Vergnügungen Der kleine Erotiker 42 sexuelle Spielarten weit jenseits der Löffelstellung aufzeigt – und wir reden hier von WEIT JENSEITS, und auch von Spielarten, die Ihnen schon beim Lesen oftmals das Blut sofort in die Wangen hinein und aus den Schwellkörpern heraus treiben werden. Allerdings, das Interessante, was man als Leser bei vielen Praktiken lernt, ist gar nicht so sehr der technische Aspekt dabei (was, wo, wie und wer bitte schön, macht da freiwillig mit und wie illegal ist das), sondern die Tatsache, dass die entsprechende Fantasie dahinter erst das sexuelle Vergnügen ausmacht. Und so seltsam das einem auch vorkommen mag: Es gibt Menschen, die in einem Höchstmaß sexuelle Erregung verspüren

     

    wenn sie sich vorstellen, dass ihr Partner sich aufbläht wie ein Luftballon, der sich mit Helium füllt, und schließlich gen Himmel davonschwebt

     

    wenn sie sich vorstellen, wie Roy Orbinson in Küchenfolie eingewickelt wird (wobei übrigens das Entscheidende an dieser Fantasie überraschenderweise nicht Roy Orbinson ist, sondern der Küchenfolien-Teil)

     

    wenn sie sich vorstellen, dass sie von einem riesigen Fuß zerquetscht werden.

     

    Dokumentation des Irrwitzes

    In manchen Kapiteln geht es um Fetische, in anderen um SM-Unterarten und ab und an darf man als Leser staunen, dass es vielen Menschen bei ihrem sexuellen Vergnügen gar nicht darauf ankommt, was in welche Körperöffnung hineingeht, sondern aus ihr herauskommt: Und wenn Sie jetzt mal überlegen, was an Flüssigkeiten so alles in Ihrem Körper unterwegs ist, bekommen Sie ein Ahnung davon, wie einfach gestrickt Ihr Sexualleben wahrscheinlich ist. (Und nach der Lektüre von Der kleine Erotiker werden Sie wahrscheinlich sehr froh darüber sein.)

     

    Das ganze beschreibt der amerikanische Komiker (u.a. arbeitet er für die politisch-satirische Sektion von Comedy Central) mit der Ironie eines Allgemeinarztes, der schon alles gesehen hat. Das Ergebnis ist ein vergnügliches Kompendium, das man jedoch nicht in einem Rutsch lesen kann, denn egal, wie unzüchtig eine Neigung auch sein mag: Wenn man weiß, die nächste, womöglich noch schrägere Perversion ist nur ein paar Seiten entfernt, relativiert das jeden Novitätswert einer ungewöhnlichen Neigung – selbst wenn es sich um die innige Liebe zwischen Mensch und Cartoonfigur handelt.

     

    Lesern, denen seine beiden ersten Lexika Der kleine Hypochonder und Der kleine Neurotiker gefallen haben, wird garantiert auch Der kleine Erotiker großen Spaß bereiten. Für alle anderen Leser ist es ein sehr amüsanter Einstieg in DiClaudios immer weiter fortschreitende Dokumentation der irrwitzigen menschlichen Psyche.


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    Liebe Leserinnen, liebe Leser!


    Das neue TITEL kulturmagazin ist ...

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