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    TITEL kulturmagazin
    Dienstag, 25. April 2017 | 14:25

    Bogen / Thürlemann: Rom - Eine Stadt in Karten ...

    03.06.2010

    Es war einmal vor Google-Earth ...

    Rom, Weltstadt der Antike und Zentrum des Christentums, glich schon immer einem Moloch, dessen Herr zu werden der Mensch unablässig versuchte. In diesem Band zeichnen die beiden Autoren die Geschichte der Ordnung des Stadtkörpers mit Hilfe von Karten nach. Einen Überblick verschaffte sich CHRISTOPHER FRANZ

     

    In Rom ist immer Saison. Die schier endlose Zahl an Denkmälern aus allen Epochen der abendländischen Geschichte zieht einen unablässigen Strom an Interessierten an. Die Ewige Stadt ist selbst zum Mythos geworden. Früher war der Romreisende vom Rimini-Touristen zu unterscheiden, heute – und nicht erst seit Dan Brown – zieht es fast jeden dorthin. Mit ihrem Buch wollen die beiden Autoren Steffen Bogen und Felix Thürlemann zu Reisen nach Rom anregen bzw. ihr Buch explizit als unerlässliche Vorbereitung einer Reise verstanden wissen.

     

    Ob sich ihr hehrer Wunsch erfüllen wird, ist fraglich, schließlich sind die Zeiten vorbei, in denen der Besucher mit dem Baedeker bewaffnet, dessen Stadtplan von 1866 ebenfalls in den Band Eingang gefunden hat, die Monumente der Vergangenheit für sich entdeckte. Eine weite Verbreitung ist ihrem Buch sicherlich zu wünschen.

     

    Schließlich ist es – man kann es ruhig ein Standardwerk nennen – nicht nur für den Touristen gedacht, sondern auch für den Fachmann und Kenner. Dieser musste um einen ähnlich umfassenden Überblick zu gewinnen bisher auf das dreibändige, großformatige, 1962 in italienischer Sprache erschienene Werk Le piante di Roma von Amato Frutaz zurückgreifen (obsolet geworden ist der bei Weitem nicht, nur führt der erste Weg von nun an zu Bogen/Thürlemann).

     

    Dank seiner allgemein verständlichen Schreibweise und seiner Übersichtlichkeit ist der Band auch für den interessierten Laien ein Gewinn. Schließlich haben die Autoren es geschafft, 2000 Jahre Kartengeschichte Roms zu systematisieren und zu erschließen.

     

    Giovanni Battista Piranesi: ICHNOGRAPHIA CAMPI MARTII, 1757. In großen Teilen der Phantasie Piranesis entsprungener Grundrissplan des antiken Marsfeldes. Giovanni Battista Piranesi: ICHNOGRAPHIA CAMPI MARTII, 1757. In großen Teilen der Phantasie Piranesis entsprungener Grundrissplan des antiken Marsfeldes.

    Rom - caput mundi cartographica

    Dazu haben sie fast 40 Karten, chronologisch geordnet in 5 Kapitel, ausgewählt, beginnend mit der antiken Forma Urbis Romae (um 200 n. Chr.) und ein vorläufiges – oder endgültiges – Ende findend mit Google Maps. All diese Karten haben trotz ihrer Verschiedenartigkeit eines gemeinsam: Ordnung und Orientierung zu schaffen in das schier endlose Gewirr der Straßen, Plätze und Gebäude aus allen Zeiten. Dieser „Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen“, wie es die Autoren nennen, ist scheinbar nur mit Hilfe von Karten beizukommen. Ein mittelalterliches Itinerar (Eine Wegbeschreibung in Form einer Auflistung der zu passierenden Stationen) verarbeitet dieses Faktum natürlich anders als die Karte der römischen Verkehrsbetriebe aus dem Jahr 1930.

     

    Dass dabei auch bildliche Zeugnisse für die Geschichte der Stadt selbst entstehen, ist der große Wert ein jeder Karte. Sie zeigen den Niedergang der Metropole Rom im Mittelalter – der Stadtkörper hatte sich weit zurückgezogen und große Flächen innerhalb der antiken Stadtmauern lagen brach –, die „Wiederentdeckung“ der antiken Stätten , die Stadterweiterungspläne des 19. Jahrhunderts und schließlich die faschistischen Höhenflüge des 20. Jahrhunderts. Die den Karten ebenso innewohnende politische Dimension, macht nicht erst das letztgenannte Beispiel deutlich. Schon häufig sollten sie, gerade auch durch den Verweis auf die Antike, die politische Bedeutung der Stadt fixieren.

     

    Die Autoren vermitteln neben der Geschichte Roms fast nebenbei auch die Geschichte der Kartografie selbst. Sie beschreiben, wie sich erst langsam eine feste Vorstellung von dem entwickelte, was eine (Stadt-)Karte zu leisten hatte: von der Etablierung des korrekten Maßstabs der abgebildeten Objekte, über die neutralere Sichtweise durch die Erfindung des Buchdrucks, bis zur „Demokratisierung“ der Kartenproduktion mit Hilfe von Computer und GPS bei OpenStreetMap.

     

    Alessandro Viviani u.a.: Piano regolatore, 1873. Grundrissplan mit Angabe geplanter städtebaulicher Veränderungen und Erweiterungen. Alessandro Viviani u.a.: Piano regolatore, 1873. Grundrissplan mit Angabe geplanter städtebaulicher Veränderungen und Erweiterungen.

    Legenden für das Kartenlesen

    Dass es eine Freude ist, in diesem Buch zu blättern, liegt an der Vielzahl der oft ganz- oder doppelseitigen Abbildungen. Sie ermöglichen es, sich in die Details der Karten zu vertiefen, bekannte Orte zu suchen und somit Rom immer wieder aufs Neue für sich zu erschließen.

     

    Die klare Gliederung des Textes und die verständliche Sprache der Autoren helfen dem Leser, nebst den detaillierten Informationen zu jeder Karte auch die großen Zusammenhänge zu erfassen. Die reichlich vorhandenen Querverweise unterstützen ihn dabei und im Anhang findet sich eine umfassende Bibliographie weiterführender Literatur.

     

    Nur manchmal, besonders bei den großen Karten, wünscht man sich jedoch mehr Detailabbildungen. Dem Buch die Karten in digitaler Form mit hochauflösenden Bildern beizugeben, wäre sinnvoll gewesen. Nur hätte sich das sicherlich negativ auf den Preis ausgewirkt. Schade ist auch, dass man die genauen Karteninformationen wie Maße, Beschriftungen und dergleichen ebenfalls in den Anhang verschoben hat. Etwas näher bei den Karten wäre schön gewesen. Der Lesbarkeit des Textes hätte das keinen Abbruch getan. Über diese Kritikpunkte, die ja eigentlich keine sind, kann jedoch guten Gewissens hinweggesehen werden, schließlich haben die Autoren eine Mammutaufgabe mit Bravour gelöst.

     

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    Das neue TITEL kulturmagazin ist ...

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