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Jon Flemming Olsen: Der Fritten-Humboldt

13.05.2010

Die Erweckung der Currywurst

Bodenständige literarische Hausmannskost verspricht Olsens Expedition durch die deutsche Imbisskultur: deftig, würzig, gehaltvoll. Selbst Vegetarierin INGEBORG JAISER ist da auf den Geschmack gekommen ...

 

Drei Geständnisse vorneweg: Ich bin Vegetarier, ich mag kein Bier und ich habe noch niemals Dittsche angeguckt. Und trotzdem gibt es Beweggründe genug, Jan Flemming Olsen erstes Buch zu lesen - und Spaß daran zu haben! Es ist Reisetagebuch, Deutschlandführer, soziologische Studie und kulinarische Versuchsandordnung in einem. Es ist eine Liebeserklärung an die Imbisskultur.

 

Andere Länder, andere Fritten

Als sich Olsen 2009 von seiner Band Texas Lightning verabschiedet und sich auf seine erfolgreiche Rolle als Kneipenwirt Ingo in Dittsche – das wirklich wahre Leben besinnt, wächst eine geniale Idee in ihm heran. Wieso sollte er nicht einen Blick über den Tellerrand hinaus wagen und sich in deutschen Imbissbuden umschauen? Quasi als Forschungsreisender für Fritten und Buletten? Als Praktikant zwischen Flaschenbier und Friteuse? Auf Chefvisite in Grillstationen und Würstelständen? Und prompt: Sein Exposé stößt auf starkes Interesse bei vielen großen Verlagen. Den Zuschlag erhält schließlich Goldmann.

 

So startet Olsen seine Reise durch alle 16 Bundesländer und ebenso viele Imbissbuden. Auf einem Weg von 3000 Kilometern durchkreuzt er einen Monat lang Deutschland, immer gegen den Uhrzeigersinn. Jeweils einen Tag verbringt er in einzigartigen Lokalitäten wie Heidi`s Feldküche in Leipzig, dem Glückauf-Grill in Dorsten oder Alles Wurscht in München. Die regionalen Highlights hat er sich sorgsam aus gut 130 Tipps herausgepickt, die ihm Freunde, Kollegen und gastronomisch Bewanderte zugesteckt haben.

 

Prominenter Praktikant

Olsens Rezept geht auf: Reichlich Lokalkolorit direkt aus dem Herzen der Imbisskultur, gepaart mit dem passenden Dialekt („Heit han Sie noch das Gligg, wo ma aach saan muss, es iss äänfach Pfingschdmaard“) und gepfeffert mit deftigen Anekdoten. Dabei ist sich der frisch gebackene prominente Praktikant für nichts zu fein: Mutig kratzt er Mayonnaise-Kübel aus, häckselt Currywürste klein und fräst am Gyrosspieß herum. Er bedient Friteusen ohne Fett, Toaster ohne Auswurfautomatik und Kneipen ohne Rauchverbot. Er bewegt sich zwischen Rentnerclubs und Hartz-IV-Empfängern, zwischen LKW-Fahrern und hungrigen Großfamilien. Und er hat ein offenes Ohr - sowohl für die Spleens der Stammkunden als auch die Schicksale der Imbissbudenbesitzer.

 

Am Ende seiner kulinarischen Deutschlandreise landet er wieder in der Eppendorfer Grillstation, Ingos Homebase und hat dabei ungeahnte Geheimnisse gelüftet, viel Elend gesehen und eine Menge neuer Erkenntnisse gewonnen. Nur den Spruch „Wer nichts wird, wird Wirt“ will er nie wieder hören!

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