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    TITEL kulturmagazin
    Dienstag, 25. April 2017 | 14:30

    Ein Schritt weiter. Die n+1 Anthologie

    02.10.2008

    Auferstandene Partisanen

    Eine Anthologie der New Yorker Zeitschrift n+1 zeugt von der Lebendigkeit der intellektuellen Kritik der herrschenden Zustände jenseits des stromlinienförmigen Kulturmarktes. JÖRG AUBERG

     

    Als kürzlich die schon lange in geistiger Agonie liegende Kulturzeitschrift „Kursbuch“ vom Holtzbrinck-Konzern per Gnadenschuss ins Jenseits befördert wurde, erklärte der letzte Herausgeber Michael Naumann, dass es – renditemäßig gesehen – keinen Raum mehr „für den linksliberalen, kapitalismuskritischen Diskurs, für eine aufrührerisch-intellektuelle Diskussionskultur“ gebe: „Es rentierte sich einfach nicht mehr“, schloss er das unselige Kapitel ab.

    Zwischen Exil und Wildnis

    Jenseits des Atlantiks erbringt die 2004 gegründete, halbjährlich in New York erscheinende Zeitschrift n+1 den Gegenbeweis, dass es für ein kritisches, gegen den Zeitgeist operierendes, autonomes Unternehmen sowohl den Raum als auch ein interessierte Publikum gibt. Die Anthologie „Ein Schritt Weiter“, die einen Querschnitt aus der Produktion des Magazins aus den Jahren von 2004 bis 2007 liefert, zeugt von der Lebendigkeit einer jüngeren intellektuellen Kritik, die sich an den aktuellen herrschenden Zuständen entzündet – an der Politik des „autonomen Mitläufers“ George W. Bush und des Krieges im Irak wie an kulturellen Phänomenen der E-Mail-Kommunikation, der Internet-Blogs und der Omnipräsenz der Pornografie, welche die n+1-Macher als Teil des Prozesses der Entzivilisierung begreifen, dessen Resultat schließlich auch die alltägliche Folter im Krieg ist. Zivilisation „meint den Traum von Fortschritt – das Neue zu finden oder das, was wir aus der Vergangenheit kennen“, heißt es im ersten n+1-Editorial , die sich an großen Vorbildern wie Alexander Herzens „Glocke“ orientiert. Um eine Zeitschrift wirklich schätzen zu können, müsse man sowohl mit dem Exil als auch mit der Wildnis vertraut sein, konstatieren die Herausgeber, also mit der Existenz im realen Kapitalismus.

    Einsichten der "verlierenden Generation"

    Trotz ihrer Selbststilisierung als intellektuelle Untergrundlinge operieren die Mitglieder des Kollektivs „n+1 Research“ keineswegs am Rande des New Yorker Establishments. Bevor sie ihre Zeitschrift aus der Taufe hoben, schrieben die Absolventen der Elite-Universitäten Columbia, Harvard und Yale für die einschlägigen Periodika der linksliberalen New Yorker Intelligenzija wie „The Nation“, „Dissent“, „The New Yorker“, „The New York Review of Books“ und „American Prospect“. Die hierzulande bekannteste Figur des n+1-Zirkels ist Benjamin Kunkel, der 2004 mit seinem Roman „Unentschlossen“ zum literarischen Shooting-Star der Szene aufstieg. Auf gleichem Rang agieren der ausgezeichnete Essayist Mark Greif, dessen Beitrag über den Fitnesswahn herausragt, und der Literaturkritiker Keith Gessen, der mit seinem an F. Scott Fitzgerald orientierten Debütroman „All the Sad Young Literary Men“ (2008) die neue „Generation 98“ in der Wende vom 20. zum 21. Jahrhundert als eine „Losing Generation“ porträtiert, die ihren hochfliegenden Erwartungen nicht gerecht werden können und als „Brighties“ an der grauen Realität des Bush-Amerikas scheitern.

    Dialektik des Weiterlebens

    Neben den individuellen Essays kennzeichnet vor allem der kollektiv geschriebene, durch jede Ausgabe sich ziehende Text „The Intellectual Situation“ („Zur intellektuellen Lage“) den Charakter der Zeitschrift, der eine kulturkritische Bestandsaufnahme der aktuellen Situation im fortgeschrittenen Kapitalismus darstellt und in seinem Duktus und seiner gewollten intellektuellen Anmaßung an das kollektive Editorial „This Quarter“ der großen Vorgängerzeitschrift „Partisan Review“ erinnert, an die n+1 anknüpfen möchte, ohne deren zeitweiligen Linksradikalismus je eingeatmet zu haben. Obwohl Gessen wie einst Philip Rahv die Brücke zum Sozialismus russischer Prägung (wenn auch nur in seiner posthumen Prägung) schlägt, fehlt n+1 die intellektuelle Vision der Vorgänger. Dagegen teilen sie deren männlichen Exklusivismus, denn in den – trotz aller gegenteiligen Behauptungen – elitären Zirkel dringen kaum Frauen vor. Ebenso fehlt eine kritische intellektuelle Selbstreflexion, wie sie Jean-Paul Sartre in seinem „Pläydoyer für die Intellektuellen“ postuliert hatte. So lebt in den auferstandenen Partisanen sowohl das Gute als auch das Schlechte der Vergangenheit fort.

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